Der Wuppertaler Lehrer Arne Ulbricht verzichtet darauf, Beamter zu sein. In seinem Buch übt er Kritik am Schulsystem.

Arne Ulbricht – hier bei einer Lesung im Bücherschiff – hat sich aus Protest „entamten“ lassen.
Arne Ulbricht – hier bei einer Lesung im Bücherschiff – hat sich aus Protest „entamten“ lassen.

Arne Ulbricht – hier bei einer Lesung im Bücherschiff – hat sich aus Protest „entamten“ lassen.

Archiv

Arne Ulbricht – hier bei einer Lesung im Bücherschiff – hat sich aus Protest „entamten“ lassen.

Wuppertal. Dieser Mann ist mit großer Leidenschaft Lehrer. Die tägliche Arbeit mit seinen Schülern bereitet ihm Freude. Das deutsche Schulsystem jedoch sieht er kritisch. Den Wuppertaler Arne Ulbricht stört vor allem eines: Die Tatsache, dass Lehrer zumeist verbeamtet werden.

Dies kritisiert Ulbricht auch in seinem Buch „Lehrer – Traumberuf oder Horrorjob“. Um mit sich im Reinen zu sein, hat er sich sogar offiziell entamten lassen. „Wenn ich das ganze System kritisiere und weiterhin Beamter bleibe, dann würde ich mich lächerlich machen“, sagt Ulbricht, der ab dem 1. Februar in einem Angestelltenverhältnis weiter am Berufskolleg Mettmann Geschichte und Politik unterrichtet.

Den Beamtenstatus als Anreiz für den Beruf zu sehen, findet er falsch

Laut zuständiger Bezirksregierung Düsseldorf gab es im vergangenen Jahr insgesamt nur sechs Fälle, in denen Lehrer diesen ziemlich ungewöhnlichen Wunsch äußerten. Doch anders als bei Arne Ulbricht sei es den Personen dabei um die Aufgabe des Lehrerberufs oder um Auswanderung gegangen.

Ulbricht jedoch möchte weiter seine Schüler unterrichten. Der Anreiz, den Beruf wegen der Verbeamtung zu wählen, sei seiner Ansicht nach der Falsche. „Viele Referendare empfinden erst durch ihre Ernennung zum Beamten die Sicherheit und Freiheit“, sagt er. „Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich fühle mich ohne diesen Status erst wieder frei.“ Kampagnen wie „Verbeamtung jetzt“ von Berliner Lehrern, kann er nicht nachvollziehen.

Auf die üppige Beamtenpension verzichtet er damit freiwillig

Überhaupt ist der heute 40-Jährige erst im Mai vergangenen Jahres zum Beamten ernannt worden. Auf den letzten Drücker sozusagen, da er die Altersgrenze von 40 Jahren damals fast erreicht hatte. „Meine Schuldirektorin dachte, sie tut mir damit einen großen Gefallen“, erzählt Ul-bricht. „Darüber gefreut hab ich mich damals nicht. Ich hab es eher zur Kenntnis genommen.“

Ulbricht hinterfragt auch, dass Lehrer diesen Status dann auf Lebenszeit innehaben. „Muss man eigentlich irgendwas auf Lebenszeit sein? Ich denke, außer Mutter oder Vater zu sein, muss man das nicht.“ Schon immer vertrat er auch die Ansicht, dass Lehrer in die Rentenkasse einzahlen sollen. „Schließlich ist der Lehrer ein sozialer Beruf.“

Die Diskussion über Altersarmut sei seit Jahren in vollem Gange, doch hinterfrage man viel zu selten die Pensionen. „Wir sollten uns alle fragen, was wir gegen Altersarmut in der Gesellschaft tun können und wie sich die Staatsbediensteten einbringen können.“

Dass der Vater von zwei Kindern dadurch selbst freiwillig auf rund 200 Euro im Monat verzichtet, kann er verschmerzen. „Meine Frau und ich arbeiten beide, so dass uns das fehlende Geld nicht weh tut.“ Neben den monatlichen Einbußen als Angestellter geht ihm auch die üppige Beamtenpension durch die Lappen. „Es kann sein, dass ich später mit einer kleinen Rente auskommen muss und mich dann ärgere. Doch es geht mir darum, wie ich mich heute fühle“, sagt er.

In Zukunft möchte Ulbricht lieber mehr über die schönen Seiten des Lehrerberufs sprechen. Sein Buch behandele auch nur auf 20 von 160 Seiten das Thema der „Verbeamtung“ und sei in großen Teilen eher eine Liebeserklärung an den Lehrerjob. Bei der Vorstellung seines Buches am 24. Januar hat er sich daher eines vorgenommen. „An diesem Abend werde ich sicherlich kein einziges Mal das Wort ’Beamter’ in den Mund nehmen.“

Leserkommentare (3)


() Registrierte Nutzer