Die Bahn arbeitet mit schwerem Gerät im Gleiskörper und schafft dort die Voraussetzungen für die flexiblere Nutzung der Schienen.

Gleisarbeiten im Wuppertaler Hauptbahnhof
Gleisarbeiten im Wuppertaler Hauptbahnhof

Gleisarbeiten im Wuppertaler Hauptbahnhof

Fischer, Andreas (f22)

Gleisarbeiten im Wuppertaler Hauptbahnhof

Wuppertal. Am Hauptbahnhof ist derzeit wenig los. Zumindest, was die Bahnsteige betrifft. Weiter östlich tut sich jedoch so einiges: Am so genannten Ostkopf des Bahnhofs werden derzeit neue Weichen verlegt – der sehr handfeste Teil der Umbauten, die Grund für die aktuelle sechswöchige Sperrung des Hauptbahnhofs und aller zugehörigen Gleisstrecken sind.

Ziel ist, dass anschließend die Züge flexibler die verschiedenen Gleise nutzen können – und weniger Stau auf der Schiene entsteht. „Dann wird man von jedem Streckengleis auf jedes Bahnhofsgleis kommen“, kündigt Projektleiter Benjamin Lück an. „Auch in Gegenrichtung.“ So könnten die Züge im regulären Betrieb, bei Baustellen oder anderen Störungen jeweils umgeleitet werden. Wenn alles fertig ist, wird es acht Weichen auf der Ostseite des Bahnhofs geben, eine auf der Westseite.

Zehn bis 15 Tonnen wiegt ein Weichenteil

Für die Weichen baut die Bahn jeweils ein komplett neuer Gleisbett: Es beginnt mit einer Ausschachtung bis zu 1,80 Meter tief. Dort unten werden für die Entwässerung Rohre verlegt. Aufgefüllt und mit Schotter versehen ist der Untergrund für die Weichen vorbereitet.

Die Weichen werden am Bahnhof Steinbeck vormontiert, dann in Teilen über die Gleise zum Hauptbahnhof transportiert. „Wir beginnen mit den mittleren Gleisen, dann können wir später über sie die Logistik über sie führen“, erklärt Benjamin Lück.

Zehn bis 15 Tonnen wiegt so ein Weichenteil aus mehreren Schwellen, auf denen die Gleise bereits befestigt sind. Ein Kranwagen hebt sie auf das vorbereitete Schotterbett. Kurz vor der Ablage wird ganz traditionell mit dem Maßband gemessen, ob der Abstand zum nächsten Gleis stimmt.

Die Gleise werden provisorisch verbunden und zusätzlicher Schotter aufgebracht, bevor die Stopfmaschine die Feinabstimmung übernimmt. Sie dringt mit einem Spieß in den Schotter ein und rüttelt so lange, bis die Weiche richtig liegt. „Das läuft alles automatisch“, erklärt Projektingenieurin Kathrin Bigalke. Mit ihren Messgeräten bestimmt die Stopfmaschine die richtigen seitlichen Abstände zum nächsten Gleis und die richtige Höhe der Lage.

Dann werden die Gleisstücke miteinander verschweißt. Etwa 33 Meer lang ist eine Weiche. Vier bis sechs Leute sind rund vier Stunden lang beschäftigt, bis eine Weiche komplett fertig ist, sagt Polier André Dammeier.

Zwei der acht Weichen wurden gestern verlegt, weitere sechs müssen noch folgen – und die Weiche auf der Westseite des Bahnhofs. „Wir liegen gut in der Zeit“, versichert Benjamin Lück. Die heftigen Regenfälle in den letzten Tagen hätten nicht zu Verzögerungen geführt, denn sie hätten andere Arbeiten vorziehen können.

ln der letzten Woche finden die Testfahrten statt

Am 14. August sollen alle Weichen verlegt sein. Dann wird die Bahn die zugehörigen Leitungen und Achszähler anschließen. „Die sind schon alle da, müssen nur noch angeschlossen werden“, sagt Benjamin Lück. In der Zeit werden auch die Signale erneuert. Steuern werden Weichen und Signale die Fahrdienstleiter im neuen elektronischen Stellwerk in Vohwinkel, das die bisherigen Stellwerke in Wuppertal Hauptbahnhof, Gruiten und Vohwinkel ersetzt.

In der letzten Woche vor dem 30. August finden dann die Testfahrten statt: „Dann werden wir alle Verbindungen kreuz und quer ausprobieren“, sagt der Projektleiter. 521 verschiedene Fahrmöglichkeiten wird es dann geben.

Am frühen Morgen des 30. August soll dann das erste Signal im realen Betrieb auf Grün stehen.

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