"Vielleicht muss man die Dinge einfach Machen": Familie Schekalla gibt den festen Wohnsitz auf und geht auf große Fahrt. Bei uns schildert Papa Mycha die Erlebnisse.

Wuppertaler Familie hat ihre Wohnung gekündigt und ist mit dem Wohnmobil aufgebrochen.
Mycha und Svenja Schekalla mit Joshua (3) und Elise (2).

Mycha und Svenja Schekalla mit Joshua (3) und Elise (2).

Stefan Fries

Mycha und Svenja Schekalla mit Joshua (3) und Elise (2).

Wuppertal. In den vergangenen Tagen wurde ich überraschend häufig gefragt, ob ich umziehen würde. Zwischen Umzugskartons, Umzugsunternehmen und Umzugsstress liegt die Frage Nachbarn, Passanten und Freunden offenkundig auf der Zunge. Auch ohne Worte bohren sich die erwartungsvollen Blicke, mit dem Wunsch nach Klärung, in meinen Kopf. Ich habe mir angewöhnt ein passendes, vorgefertigtes Sprüchlein aufzusagen, das schnell und gezielt erklärt, was wir als vierköpfige Familie vorhaben: „Wir ziehen aus, haben uns ein Wohnmobil gekauft und fahren jetzt zwei Jahre durch Europa.“

Von einem trockenen „Aha“ bis hin zu einer Lobeshymne auf die moderne Familiengestaltung haben wir so gut wie jede Bandbreite an Reaktionen feststellen dürfen. Dass wir dabei unseren Hausrat verkaufen und die Wohnung komplett auflösen, ist für den Großteil ein Nachhaken wert. Anscheinend ist unsere Fahrt, ohne die Sicherheit gemieteter Wohnräume, für die meisten schwer vorstell- und umsetzbar, wenngleich die positiven Meinungen sich wie Balsam auf meine Seele legen.

Vielleicht muss man die Dinge einfach machen. Es kommt mir selbst so vor, als würde ich immer noch nicht realisieren, was wir uns hier überhaupt vornehmen. Zwischen dem ersten Aufkeimen der Idee bis zur Verwirklichung lagen knapp 3 Monate. Wenig Zeit, um sich Sorgen zu machen, vor allem wenn die zu erwartenden Steine im Weg so gut wie gar nicht existierten. Gerät man erst einmal ins „Machen“, werden die darauffolgenden Wochen zu einer geschäftigen Meditation.

Zum Jahresende will die Familie im Süden Portugals sein

Der Wunschgedanke, dass man neue Dinge sehen, nette Leute treffen und Zeit mit der Familie nutzen kann, wurde zu meinem selbst auferlegten Mantra, „sich selbst aus der Gleichung nehmen“ das übergeordnete Ziel. Es wäre arrogant von mir anzunehmen, dass die Erde sich ohne uns nicht mehr drehen würde. Aber leider bin ich auch nur ein Mensch und pudere mich gern mit dem Gedanken, eine einzigartige Schneeflocke zu sein.

Unsere Reise beginnt jetzt und soll uns bis zum Jahresende in den Süden von Portugal führen. Der erste längere Stop ist am Bodensee geplant, danach durch die Schweiz, über die Alpen nach Frankreich. Die Route soll fernab der Autobahnen verlaufen, und ich hoffe sehr, dass ich so viel Tempo rausnehmen kann, dass ich das Gefühl bekomme, etwas profundes zu machen, statt nur meine vorgezogene Midlife-Crisis zu verarbeiten.

Mycha Schekalla schreibt in unregelmäßigen Abständen in der WZ über sein Wohnmobil-Abenteuer. Außerdem gibt es einen Blog mit Berichten, Routen und Fotos unter butzeaufraedern.de

Weder ich noch meine Frau wissen, wie lange wir brauchen, geschweige denn, wie lange wir an einem Ort bleiben werden. Camping ist zwar nichts Unbekanntes, aber mit zwei Kindern und einem sieben Meter langen Biest an fahrender Behausung etwas Neues. Unsere Butze auf Rädern ist ein gebrauchter 2000er Fiat Ducato mit Knaus Traveler Aufsatz. Nichts ungewöhnliches also, geschweige denn kompliziertes. Je nach Ereignis zeichne ich eine neue Illustration in die noch leeren Rahmen an der Außenhaut. Auf diese Weise erzählt das Gefährt am Ende der Reise unsere Geschichte.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer