Die Uni hat so viele Studierende wie noch nie. Das verändert den Wohnungsmarkt – Investoren kommen sogar aus Berlin.

Während die Studenten in Metropolen wie Köln und Düsseldorf kaum günstige Wohnungen finden, haben sie in Wuppertal oft Glück.
Während die Studenten in Metropolen wie Köln und Düsseldorf kaum günstige Wohnungen finden, haben sie in Wuppertal oft Glück.

Während die Studenten in Metropolen wie Köln und Düsseldorf kaum günstige Wohnungen finden, haben sie in Wuppertal oft Glück.

Die Berliner Firma Liv-us baut am Ostersiepen neue Studenten-Appartements.

dpa, Bild 1 von 2

Während die Studenten in Metropolen wie Köln und Düsseldorf kaum günstige Wohnungen finden, haben sie in Wuppertal oft Glück.

Wuppertal. Nicht nur Studienplätze sind in Nordrhein-Westfalen immer spärlicher gesät, auch das Wohnen wird dank hochschnellender Mietpreise in Metropolen wie Köln oder Düsseldorf oft unbezahlbar. Die Furcht vor einem Nachfrageboom durch den doppelten Abiturjahrgang war allseits groß – doch Wuppertal konnte von diesem Ansturm sogar profitieren. Und inzwischen haben Investoren den Wachstumsmarkt Studentenwohnen in der Stadt für sich entdeckt.

Fast 3000 neue Studenten seien in den vergangenen zwei Wintersemestern hinzugekommen und bescherten der Bergischen Universität einen neuen Höchststand von 19 000 Studierenden. „Es hat sich kontinuierlich gesteigert. Zum letzten Wintersemester haben wir aber mit deutlich mehr Mietanfragen gerechnet und konnten die Zahl der Studierenden problemlos auffangen“, sagt Matthias Hensche vom Wohnraumservice des Hochschulsozialwerks (HSW). Als Gründe sieht er viele Pendler unter den Studierenden und viele Abiturienten, die zunächst ein freies soziales Jahr einlegen.

„Ganze Ströme von Studenten weichen mittlerweile auf umliegende Städte wie Wuppertal aus.“

Ralph Hunklinger über den Studentenboom außerhalb der teuren Metropolen

Das Studentenwohnheim des HSW gilt als Vorzeigebeispiel und ist jederzeit voll ausgelastet. „Wir haben eine Warteliste, aber die Anfragen werden nach drei Monaten automatisch gelöscht, wenn keine Vermittlung möglich war“, erklärt Hensche. Der Wohnraumservice vermittelt jedoch auch an externe Anbieter. So bieten die „Appartements 355“ an der Friedrich-Engels-Allee rund 50 Ein- bis Zweizimmerwohnungen überwiegend für Studenten. Auch die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) hat das Potenzial erkannt und lockte mit einem speziellen Rabatt für Studenten bislang rund 400 junge Mieter.

Auch das Wuppertal Marketing möchte mehr Studenten im Tal halten – das Motto: Bei so günstigen Mieten lohnt sich Pendeln nicht. Mit der Aktion „Wuppertal: Nur hier“ sollen diese daher schnell und unkompliziert qualitativ hochwertigen Wohnraum finden.

Sinkt die Studentenzahl wieder, wird Wohnraum umgenutzt

Sogar in der deutschen Hauptstadt gilt Wuppertal jetzt als gutes Pflaster für Investitionen ins Studentenwohnen: Die junge Immobilienmarke Liv-us aus Berlin sieht in der Stadt einen aufstrebenden Standort. „Ganze Ströme von Studenten weichen mittlerweile auf umliegende Städte wie Wuppertal aus“, sagt Geschäftsführer Ralph Hunklinger.

Während im Wintersemester (WS) 2011/12 16 745 Menschen an der Bergischen Universität studierten, kamen im darauffolgenden WS 912 Studenten dazu. Zum Semesterbeginn im Oktober 2013 erreichte die Uni einen Höchststand von 19 036 Studenten – ein Zuwachs von 13,7 Prozent in zwei Jahren.
 

Bisher wurden acht von 15 geplanten Appartements am Ostersiepen in Campusnähe fertiggestellt. Zu modern ausgestatteten Küchen und Bädern gehört eine zentrale Waschanlage sowie freies W-Lan zu unteren marktüblichen Preisen.

Der Student René Maier (31) ist einer der neuen Mieter. Im April wechselt er von der Technischen Universität Freiberg in Sachsen nach Wuppertal. Auf Liv-us ist er zufällig bei Facebook aufmerksam geworden. „Ich war relativ unbefangen, was die Städte betrifft. Das Angebot der Uni hat mir allerdings sehr zugesagt und bei meiner Besichtigung war ich nicht nur von der Wohnung, sondern auch von Wuppertal positiv überrascht.“

Trotz der Rekordzahlen wird ein allmählicher Rückgang erwartet. „Wir haben strukturelle Veränderungen wie die Abschaffung der Wehrpflicht und den doppelten Abiturjahrgang hinter uns. Wir gehen also davon aus, dass die Zahl der Studierenden in den kommenden Jahren langsam nachlassen wird“, schätzt Ulla Sparrer vom HSW. Probleme mit den Studentenwohnungen wird es aber kaum geben, meint Hensche: „Leerstände können nicht nur im Studentenwohnheim, auch auf dem freien Markt oft umgenutzt werden.“

 

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