Nazareth Panadero gehört seit 1979 zum Tanztheater Pina Bausch. Die Spanierin war bei der Uraufführung von „1980“ dabei.

INTERVIEW
Nazareth Panadero ist mittlerweile in Wuppertal heimisch geworden.

Nazareth Panadero ist mittlerweile in Wuppertal heimisch geworden.

Anna Schwartz

Nazareth Panadero ist mittlerweile in Wuppertal heimisch geworden.

Gerade ist die Wiederauführung von „1980“ im Opernhaus gefeiert worden, im Januar folgt „Die sieben Todsünden“. Neue Stücke stehen an. Das Tanztheater Pina Bausch ist lebendig wie eh und je – im neunten Jahr nach dem plötzlichen Tod der weltberühmten Choreographin. Was nicht zuletzt den Tänzern zu verdanken ist, die mehrere Generationen abbilden. Mittendrin die Spanierin Nazareth Panadero, die 1979 nach Wuppertal kam und als einzige auch in der Uraufführung von „1980“ auf der Bühne stand. Wir sprechen mit der 62-Jährigen über Pina Bausch, ihre Stücke und Wuppertal, „mein Zuhause“.

Wie sind Sie zu Pina Bausch gekommen?

Panadero: Ich habe 1979 in Paris eine „Blaubart“-Aufführung gesehen. Unvorbereitet. Ich war geschockt und überwältigt. Ich habe mich gefragt, wie es möglich ist, so etwas im Tanz zu kreieren. Beim Applaus war Pina mit auf der Bühne, stark und zerbrechlich.

Sie haben mit Ihrem Freund und späteren Mann Janusz Subicz an einem Vortanzen in Paris teilgenommen.

Panadero: Da waren über hundert Tänzer, und jeder wurde ernst genommen und respektiert. Schon allein das Vortanzen ist ein Erlebnis gewesen, wo ich so vieles entdeckt habe.

Erinnern Sie sich an Ihre Anfangszeit in Wuppertal?

Panadero: Für mich als Spanierin war es sehr ungewohnt, so wenig Sonne und alles sehr grau (lacht). Ich war unsicher, ob ich in dieser Stadt bleiben kann, aber die Arbeit war so faszinierend.

Nach sechs Jahren haben Sie eine Auszeit genommen und sind nach Spanien gegangen.

Panadero: Es hatte sich nach Franco so viel getan im Land, und ich hatte Sorge, meine Wurzeln zu verlieren. Außerdem dachte ich, dass ich Pinas Werk nicht genüge. Wir brauchten Luft. Nach zweieinhalb Jahren haben wir gesagt, wir können zurück. Und dann fiel mir die Arbeit irgendwie leichter, meine Einstellung hatte sich geändert, und ich hatte wirklich Spaß. Ich hatte verstanden, wenn ich erlaube, dass etwas passiert, dann passiert es. Ich hatte begriffen, was ein kreativer Prozess ist.

Wie kamen sie mit Pina Bauschs kreativer Methode des Fragens klar?

Panadero: Zu Anfang – ich kam während der Spielzeit und konnte kein Deutsch – waren die Fragen für mich sehr schwer zu beantworten. Ich hatte Angst, die Anforderungen nicht zu erfüllen.

Haben Sie Lieblingsrollen?

Panadero: Nein, ich liebe alle. Aber die Stücke, die wir mit Pina kreiert haben, nachdem ich 40 war, sind mir näher.

In „1980“ haben Sie bei der Uraufführung und jetzt auf der Bühne gestanden – gibt es Unterschiede?

Panadero: Die Stücke sind stärker als wir. Sie dürfen uns überleben, sie haben schon Pina überlebt. Die Inszenierungen haben sich nicht geändert, weil wir viele Informationen haben, durch Pina, die Assistenten und Probenleiter, das Gedächtnis der Tänzer, die die Stücke viele Jahre lang tanzten, Pinas Notizen und natürlich Videos.

Das Tanztheater hat junge und ältere Tänzer.

Panadero:Junge Tänzer, die heute kommen, haben das Privileg, mit Tänzern zu arbeiten, die Pina noch kannten. Ich hatte das 1979 ja auch. Diese Kultur der Weitergabe von Rollen im Ensemble hat es immer gegeben. Jüngere lernen von älteren „Handwerkern“. Jeder neue Tänzer bringt etwas Neues ins Ensemble mit seinen eigenen Qualitäten. Wenn früher ältere Kollegen gegangen sind, habe ich sie auch vermisst.

Erinnern Sie sich an die Situation, als Pina Bausch starb?

Panadero: Wir hatten gedacht, Pina würde ewig leben, eine Welt ohne sie existierte nicht. Das war damals sehr schmerzhaft. Wir waren auf Tournee in Breslau, sollten am Abend auftreten, wir waren unsicher, was wir tun sollten. Dann haben wir gesagt, besser tanzen als nicht tanzen. Als wir auf der Bühne waren, haben wir gemerkt, dass sie weiter da ist.

Sie leben in drei Welten – Spanien, Deutschland und Polen – wo sind Sie zuhause?

Panadero: Meine Wurzeln sind in Spanien, Deutschland hat mich adoptiert und Polen, das Land meines Mannes, war für mich in meiner Kindheit ein Märchenland, weit weg und ganz nah. Ich hoffe, ich bin noch lange gesund, so dass ich mich nicht entscheiden muss. Sicher tanze ich nicht ewig. Ich hoffe auf ein schönes Ende.

Wie stehen Sie zu Wuppertal heute?

Panadero: Wuppertal ist mein Zuhause. Wuppertal ist ideal für Pinas Werk. Diese Stadt hat einen großen Magnetismus, der noch größer geworden ist, seit sie nicht mehr da ist.

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