Weitgehend verlor der vorhergesagte Horror-Wintereinbruch in Wuppertal seinen Schrecken. Busverkehr kapitulierte.

Wuppertal. Nach Mitternacht jagen Böen um den Wasserturm auf Lichtscheid und peitschen Schneeflocken gegen die Windschutzscheibe. Wenn es so bleibt, ist es gerade noch erträglich. Wird es schlimmer, dann gute Nacht.

Am Morgen rieselt leise der Schnee und türmt sich zum dicken Teppich. Indessen hat sich der Wind längst gelegt. Daisy, als stattliche Dame angekündigt, bleibt handzahm. Doch immerhin hat Tristesse die Stadt erobert. Ein letztes frisches Grün zeigen noch die Netze der Futterknödel, an denen die Meisen um den besten Platz rangeln.

Nach Warnungen nur schwach belebte City

Nachdem das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu Hamsterkäufen geraten hatte, war offenkundig ganz Wuppertal dem Daisy-Fieber erlegen und hat sich für die erwarteten Chaostage mit Notrationen eingedeckt. Das Ende vom Lied ist eine nur schwach belebte City am Samstag.

Der Busverkehr hat größtenteils die Waffen gestreckt, ohne überhaupt in den Kampf getreten zu sein. Die Räumfahrzeuge können ihre Dienste nur ohne Anspruch auf Vollständigkeit versehen. Auch auf Bürgersteigen wird vorerst kein Schnee geschippt, als sei es schlichtweg unmöglich, der Natur noch trotzen. Nun gut, frisch verschneit ist allemal besser als schlecht geräumt. Gute Winterreifen und taugliches Schuhwerk siegen mühelos im Duell gegen den Schnee.

Was bleibt, sind lauschige wie auch skurrile Bilder und Szenen. An der Alten Freiheit ist Mina Knallenfalls auf der Wetterseite eingepudert wie eine bergische Waffel. Die wenigen Autofahrer betätigen ganz gern mal die Hupe, um rutschende Kontrahenten in die Schranken zu weisen - ein abstruses Unterfangen, denn wer schliddert schon aus purem Vergnügen über die Straßen der Stadt?

Ein Imbiss auf die Hand will bei Minusgraden nicht recht schmecken. So verzieht sich manch ein missmutiger Passant mit seiner Pommes in die warmen City-Arkaden und starrt sinnierend auf das Putzpersonal, das eine schmierige Salzbrühe aus den Teppichen drückt. Einen Stadtplan in der Hand, müht sich ein japanisches Ehepaar um Orientierung. "Schnee", sagt der Mann strahlend, "furchtbar. Wir suchen Monet.” Wenn es weiter nichts ist: Zu Monet geht’s zwei Mal links, dann geradeaus.

Im Museum, wo sich Wärme mit Kunst verbindet, kommt endlich die Einsicht: Viel Wind ums Wetter, aber warum eigentlich? Weil das Bundesamt Alarm geschlagen hat. Bei Licht besehen war mit der geweißten Weihnacht, die gerade hinter uns liegt, auch nicht besser Kirschen essen als mit Daisy.

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