Auf dem Sonnborner Friedhof wird des Aborigine-Mädchens gedacht.

Der „Else“-Chor trug zum Gedenken an Sussy Auszüge aus dem Aborigines-Musical „The Takeover“ des australischen Komponisten George Dreyfus (gebürtiger Barmer) vor. Marvin Dillmann spielte Didgeridoo.
Der „Else“-Chor trug zum Gedenken an Sussy Auszüge aus dem Aborigines-Musical „The Takeover“ des australischen Komponisten George Dreyfus (gebürtiger Barmer) vor. Marvin Dillmann spielte Didgeridoo.

Der „Else“-Chor trug zum Gedenken an Sussy Auszüge aus dem Aborigines-Musical „The Takeover“ des australischen Komponisten George Dreyfus (gebürtiger Barmer) vor. Marvin Dillmann spielte Didgeridoo.

Stefan Fries

Der „Else“-Chor trug zum Gedenken an Sussy Auszüge aus dem Aborigines-Musical „The Takeover“ des australischen Komponisten George Dreyfus (gebürtiger Barmer) vor. Marvin Dillmann spielte Didgeridoo.

Wuppertal. Es war eine angemessene und würdevoll Veranstaltung. Ein „mitfühlendes Gedenken“, wie Bezirksbürgermeisterin Ingelore Ockel es formulierte, das Sussy Dakaro zumindest einen Teil ihrer Menschenwürde zurückgab, die dem Aborigine-Mädchen Ende des 19. Jahrhunderts geraubt worden war. „Von Christen“, wie Superintendentin Ilka Federschmidt feststellte, wobei man sich fragen müsse: „Was ist mit den Menschen los?“ Ein Gedenkstein erinnert jetzt auf dem Friedhof an der Kirchhofstraße 42 an Sussy Dakaro, die als 15-Jährige 1883 von Menschenhändlern aus ihrer Heimat Australien verschleppt worden war, um sie in den USA und Europa in Menschenschauen auszustellen.

Die Zeitungen von damals berichteten über sie wie über Tiere

Als Ingo Schellenberg, Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofsverbandes, zum Auftakt der gut besuchten Einweihungsfeier, über das Schicksal von Sussy und ihren Leidensgenossen referierte, wurde den Anwesenden noch einmal die ganze Grausamkeit jener Zeit bewusst. Die zeitgenössischen Zeitungen berichteten von australischen Ureinwohnern wie über Tiere. Neun Aborigines waren damals verschifft worden, ob überhaupt einer von ihnen Australien jemals wiedersah, „muss“, so Schellenberg, „stark bezweifelt werden.“ Sussys Leidensweg endete 1887 in Elberfeld. Die Torturen der Reise, das Zurschaustellen, hatten das Mädchen, die zur besseren Vermarktung als „Prinzessin Sussy“ verkauft worden war, so geschwächt, dass sie starb, sie wurde „verscharrt auf dem Sonnborner Friedhof“.

Fast 130 Jahre lang geriet ihr Schicksal in Vergessenheit, bis Cesare Lazaros Borgia, Mitarbeiter im Stadtarchiv Solingen, auf die traurige Geschichte aufmerksam machte. Journalist Manfred Görgens, von dem auch der Text für die Inschrift auf dem Gedenkstein stammt, suchte in Archiven und Büchern Infos über Sussy zusammen. Detlef Westphal rekonstruierte den Ort, wo Sussy begraben liegt, und an dem gestern der von Steinmetz Ralf Joest gearbeitete Stein aufgestellt wurde – dank vieler Sponsoren. Für die künstlerische Gestaltung mit zwei Aborigine-Symbolen – eins für Frau und eins für Weg – hatte Karola Krämer gesorgt. Die Künstlerin wies gestern noch einmal darauf hin, welch schwierigen Weg Sussy Dakaro hinter sich hatte und wie wichtig den Aborigines ein angemessenes Begräbnis und Gedenken sei.

Ulrich Klan, der in Doppelfunktion als Leiter des „Else“-Chores, der und Vorstand der Armin-T.-Wegner-Gesellschaft anwesend war, zitierte Else Lasker-Schüler: „Am schwärzesten Fluss der Welt lernt man erkennen, welche Menschen leuchten.“ Und, so fügte Klan an, „Sussy leuchtet“.

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