Pausen: Während seiner Ruhezeit muss der Busfahrer niemandem die Tür öffnen – aber er kann.

Ein Bus der Linie 644 an der Richard-Strauss-Allee.
Ein Bus der Linie 644 an der Richard-Strauss-Allee.

Ein Bus der Linie 644 an der Richard-Strauss-Allee.

Andreas Fischer

Ein Bus der Linie 644 an der Richard-Strauss-Allee.

Heckinghausen. Neun Minuten. So lange steht der Bus an der Haltestelle Richard-Strauss-Allee. Mit abgeschaltetem Motor und geschlossenen Türen. Dann lässt der Fahrer den Wagen wieder an und setzt seine Route durch Heckinghausen und weiter in Richtung Alter Markt fort.

Neun Minuten können bei klirrender Winterkälte oder strömendem Regen eine lange Zeit sein, findet die Bezirksvertretung (BV) Heckinghausen und wollte deshalb gern wissen, warum der Bus am Wochenende dort eine so lange Haltezeit hat. Und ob der Busfahrer die Fahrgäste nicht auch im Wagen warten lassen könne.

Grundsätzlich gilt: "Der Fahrer hat das Recht, seine Pause allein verbringen zu dürfen", erläutert Sabine Schnake von den Wuppertaler Stadtwerken (WSW). "Während der Ruhezeiten ist der Bus für ihn sein Sozialraum."

Allerdings sei auch verständlich, dass frierende Fahrgäste lieber im warmen Bus warten würden, als in der Kälte zu stehen, sagt Schnake. "Manche Kollegen öffnen während der Ruhezeit für Fahrgäste." Andere möchten ungestört sein und bitten die Passagiere auszusteigen. Schnake: "Es liegt im Ermessen des Fahrers, ob er während seiner Pause für Fahrgäste die Tür öffnet."

Im Fall der Linie 644 handele es sich ohnehin nicht um eine Pause, wie Sabine Schnake erläutert. "Der Fahrplan ist auf den Takt der S-Bahn-Linie 8 ausgerichtet." Da die S 8 am Wochenende anders verkehre als werktags, müsse auch der Anschluss der 644 verändert werden - wo durch es zu dem längeren Halt an der Haltestelle Richard-Strauss-Allee komme.

An Endhaltestell entstehen für die Fahrgäste kurze Wartezeiten, die als Pufferzonen und für das Erreichen von Anschlüssen eingeplant sind.

In den Pausen können die Kunden durch das Fahrpersonal gebeten werden, außerhalb des Busses zu warten. Ob davon Gebrauch gemacht wird, liegt im Entscheidungsspielraum des jeweiligen Fahrers. Spätestens zwei Minuten vor Abfahrt müssen die Türen für die Kunden geöffnet werden.

Die BV Heckinghausen hätte an der Stelle auch gern ein Wartehäuschen: "Da es keine Unterstellmöglichkeit gibt, kann dies bei schlechten Wetter recht unangenehm sein", begründet der Heckinghauser SPD-Fraktionssprecher Jörg Alexander Doerr. "Vielleicht haben die WSW ja noch irgendwo ein Wartehäuschen in ihrem Fundus" formulierte Hansjörg Finkentey (FDP) halb scherzhaft. Doch das wird sich schon aus Kostengründen kaum machen lassen, ist von den WSW zu hören.

Und über diesen Vorschlag sind Anwohner der Richard-Strauss-Allee ohnehin geteilter Ansicht: "Also, vor meinem Haus würde ich kein Bushaltestellen-Häuschen haben wollen", sagten zwei Fahrgäste auf Nachfrage. Mit dieser Ansicht sind sie nicht allein, wie Sylvia Schmid, CDU-Stadtverordnete und langjährige Busfahrerin weiß: "Die Leute möchten am liebsten direkt vor ihrer Tür in den Bus steigen, aber ein Wartehäuschen vor ihrem Anwesen, das wollen sie nicht."

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