17-Jähriger legt Geständnis ab. Er gab Komplizen (21) vor Überfall auf seinen Vater den Tipp.

In der Oberliga war die Tribüne nicht immer gut gefüllt. Der Überfall traf den WSV daher hart.  Archiv
In der Oberliga war die Tribüne nicht immer gut gefüllt. Der Überfall traf den WSV daher hart. Archiv

In der Oberliga war die Tribüne nicht immer gut gefüllt. Der Überfall traf den WSV daher hart. Archiv

Kurt Keil

In der Oberliga war die Tribüne nicht immer gut gefüllt. Der Überfall traf den WSV daher hart. Archiv

Wuppertal. Im Computerspiel schlägt man den Gegner nieder, nimmt sich das Geld und fertig. So ähnlich müssen sich das die beiden jungen Männer vorgestellt haben, die mit einem Raubüberfall die Einnahmen aus zwei WSV-Spielen erbeutet hatten. Vor dem Landgericht waren die beiden in vollem Umfang geständig. Am Anfang sei die Idee mehr ein Spaß gewesen, berichten die beiden Angeklagten.

Der damals noch 17-Jährige erzählte seinem Kumpel, dass sein Vater als ehrenamtlicher Mitarbeiter des WSV regelmäßig die Tageseinnahmen der Spiele erst nach Hause und dann zur Bank brachte. „Wir dachten: Das ist ja leicht, das Geld zu nehmen“, erzählt der inzwischen 18-Jährige. Er traf sich damals häufig mit seinem 21-jährigen Freund zum Computerspielen. Irgendwann wurde dann aus Spaß Ernst.

WSV-Mitarbeiter mit Schlagstock niedergeschlagen

Der 21-Jährige versteckte sich im Hausflur des Mehrfamilienhauses an der Sedanstraße. Der 17-Jährige öffnete ihm dafür die Tür und informierte ihn per SMS, als der Vater die Wohnung verließ. „Es sollte keine Waffe eingesetzt werden. Er sollte ihn nur schubsen und den Beutel wegreißen“, betont der Junge vor Gericht. Doch der 21-Jährige versetzte dem Vater einen Hieb mit einem Schlagstock, der zu einer Platzwunde führte, und entriss ihm schließlich das Geld. Erst später hätten sie festgestellt, dass sogar die Einnahmen aus zwei Spielen in dieser Tasche waren: 17000 Euro. 3000 bis 3500 – so genau wisse er das gar nicht – bekam der 17-Jährige. Einige hundert Euro gab er aus, 2700 Euro bunkerte er bei einem Freund. Den Rest nahm sich der 21-Jährige.

Mit hochrotem Kopf und sichtlich peinlich berührt sitzt der sehr jugendlich wirkende Sohn auf der Anklagebank. Er kann sich selbst nicht erklären, warum er auf die Idee kam. Eigentlich komme er gut mit seiner Ausbildungsvergütung zurecht und verstehe sich auch gut mit seinen Eltern, sagt er. „Erst danach wurde mir klar, was ich gemacht hatte.“ Sein Vater hat ihm inzwischen verziehen. Er hat sogar die gesamte fehlende Summe – mehr als 12 000 Euro – vorgestreckt und an den WSV zurückgezahlt. Sein Sohn stottert das Geld jetzt in Monatsraten zu 130 Euro ab. Auch in den Verhandlungspausen sitzen Eltern und Sohn zusammen und unterhalten sich.

Der 21-Jährige hingegen wurde als Kind von seinem Vater misshandelt und kam in der vierten Grundschulklasse für sechs Monate ins Kinderheim. Anschließend durften alle fünf Geschwister zurück zur Mutter. Der Junge absolvierte den Hauptschulabschluss und begann eine Schreinerlehre. Ein Motorradunfall zog jedoch eine leichte Behinderung nach sich, so dass er die Lehre abbrechen musste.

Anschließend wollte er eine Bar an der Schwarzbach aufmachen; er habe dafür Ablöse zahlen müssen und zu wenig Einnahmen gehabt. Die Geldgeber hätten ihn bedroht, deshalb habe er immer einen Schlagstock mit sich getragen, lässt er von seinem Anwalt erklären. So erschien ihm das schnelle Geld sehr verlockend. Der Prozess wird fortgesetzt.

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