Glosse: Irritation um Jürgen Büssows Auftritt vor Haus und Grund Wuppertal

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Der erste Teil der Büssowschen Rede war in Wuppertal bereits wohl bekannt.

Der erste Teil der Büssowschen Rede war in Wuppertal bereits wohl bekannt.

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Der erste Teil der Büssowschen Rede war in Wuppertal bereits wohl bekannt.

Wuppertal. Content (Inhalt) ist Modewort geworden und regt zu weiteren Anglizismen an, die oftmals nur verschleiern, dass der Inhalt herzlich wenig wiegt. Mit einer verblüffenden Form von Content Sharing (Inhaltsteilung) rückte Regierungspräsident Jürgen Büssow (SPD) am Montag im Intercity-Hotel an, um Mitgliedern von Haus und Grund "Die Stadtentwicklung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels" vorzustellen. Verblüffend insofern, als der erste Teil seiner abgelesenen Powerpoint-Präsentation schon vor einem Monat in der Stadtsparkasse zu hören war - und das nicht aus dem Munde Büssows. Vielmehr wurde damals Schülern eines Projekts von "Kurs 21" mit teils identischen Worten erläutert, dass "weniger, älter, bunter" die Zukunft der Städte sein werde.

Ohne nun über die Wege eben dieses Content Sharing zu spekulieren, bleibt zu fragen, ob die Bürger noch mit ihren Sorgen ernst genommen werden. "The city as an egg" stellte Büssow vor, ohne den Urheber Cedric Price zu unterschlagen. Zu lernen war dabei, dass sich moderne Städte zum Rührei entwickeln, eben schön durchmischt.

Dass Trabantenstädte dem Rührei schaden, dass Rückbau bei Bevölkerungsschwund erforderlich sein wird, dass es hier und da Fördergelder gibt - wer hätte es nicht schon vor Büssows Referat gewusst? Erstaunlicherweise brach der Regierungspräsident - dann wohl als Düsseldorfer - eine Lanze für die Künstler und ermahnte, eine Zwischennutzungsagentur ernst zu nehmen, auf dass die Kultur nicht geschlossen nach Berlin abwandere.

Nun haben Wuppertaler ihre sehr konkreten Sorgen, was die Kultur angeht. Konkretes aber mochte Büssow nicht hören, vor allem nicht in der anschließenden Fragerunde. Pointiert hakte Jürgen Henke, Vorsitzender von Haus und Grund, bei den Reizthemen ein, wollte wissen, was denn nun die verarmten Kommunen von den Parteien erwarten dürfen, wenn die Politik tatsächlich noch zu einer Regierungsbildung gelange. Dass Büssow dazu einfiel, man habe einen Strukturwandel hinter sich, brachte keine Erleuchtung. Ja, das Land müsse helfen, aber die Städte müssten auch ihren Sparkurs tapfer durchhalten.

Nur leise war zu vernehmen, dass ein Regierungspräsident hier und da auch an Rädchen drehen kann, etwa dann, wenn kommunaler Bürokratismus Sanierungs- und Verschönerungsmaßnahmen behindert. Henke: "Wir werden darauf zurückkommen." Viel geredet - wenig gesagt.

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