Wuppertal. Wenn schon, denn schon. Wenn es im Stadtrat eine breite Mehrheit gibt, dann aber auch richtig. Nein, nein, es geht nicht um die Wiederwahl des Beigeordneten für Umwelt, Stadtplanung und Verkehr, Frank Meyer (SPD). Obwohl auch die überraschend deutlich ausfiel. Dass die Kooperation von SPD und CDU dermaßen geschlossen auftreten würde, war nicht unbedingt zu erwarten angesichts einiger Genossen, die gegenüber Rot-Schwarz auf Krawall gebürstet zu sein schienen. Aber der Sturm auf dem SPD-Parteitag vor gut einer Woche fand doch eher im Wasserglas statt. Also kann sich Frank Meyer künftig der rückhaltlosen Unterstützung von je 19 Sozial- und Christdemokraten plus Oberbürgermeister sicher sein. Und wenn nicht, ist es auch egal. Gewählt ist gewählt. Das gilt ja auch für den neuen Bürgerbeteiliger. Wie war noch gleich der Name?

Noch mehr Übereinstimmung im Rat gab es jetzt nur in der Radhaus-Frage. Bis auf die geistigen Kübelwagenfahrer von ganz Rechts waren im Grunde alle dafür, dass auf dem Döppersberg ein Zweiradparkhaus gebaut wird. Das ist eigentlich auch keine schlechte Idee, weil jedes Auto weniger auf den Straßen der Innenstadt ein Gewinn ist.

Unter den Mandatsträgern soll auch schon die mit knapp zwei Millionen Euro teuerste Variante favorisiert sein. Es kostet ja nicht das eigene Geld. Dabei lohnt es sich, über Größe und Nutzen nachzudenken.

Richtig ist zwar, dass Nordbahn- und Sambatrasse die wunderschöne Topographie Wuppertals deutlich fahrradtauglicher gemacht haben. Aber beispielsweise von Münster ist Wuppertal noch Lichtjahre entfernt, was unmotorisierten Individualverkehr angeht. Und es muss weder ein Prophet sein noch eine Übelkrähe, der vorhersagt, dass dieser Abstand nicht mehr sehr viel kürzer wird. Dafür hat Wuppertal viele Höhen, von denen aus sich im Sommer auf ein herrlich saftig grünes Tal schauen lässt. In Münster geht das nicht.

Mit anderen Worten: Ein, zwei Nummern kleiner wäre die bessere Wahl. In Sachen Döppersberg stünde den Ratsleuten Bescheidenheit gut zu Gesichte. Auch wenn der Radständer aus einem anderen Topf finanziert wird als die Großbaustelle: Letztlich bezahlen die Bürger.

Der Döppersberg ist wahrscheinlich der wichtigste Beschluss, den der Rat je gefasst hat. Er tat es in der Gewissheit, dass Wuppertal nicht im Lotto gewonnen hat. Nicht auszudenken, dass die Baustelle am Ende statt geplanter 140 160 oder noch mehr Millionen Euro kostet. Dann ist das Geschrei groß und entpuppt sich ein 5-Sterne-Fahrradständer als das, was er ist: als überkandidelt.

Das wäre dann neues Wasser auf die Mühlen der Linken, die immer noch glauben, ein Bahnhofs-Vorplatz wie früher in Leuna täte es für Wuppertal doch auch. Es reicht schon, dass der neue Döppersberg auf der Städtebau-Messe Polis in Düsseldorf ausgezeichnet wurde. Das ist schlecht, weil Veranstalter der Messe derselbe Johannes Busmann ist, den die Stadtverwaltung als Erklärer des Projektes eingekauft hat. Da wittert selbst die Linkspartei Vetternwirtschaft. Das zeigt, wie vergiftet diese Praline ist. Da könnte der Preis noch so verdient sein.

Wuppertal braucht den neuen Döppersberg, und der Döppersberg braucht Politiker, die sein Werden aufmerksam, kritisch, nüchtern, sachlich begleiten. Für Eitelkeiten Einzelner und Fahrräder in Wolken- kuckucks- heimen ist da kein Platz.

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