Wer sich für die Tiere interessiert, muss viel Geld investieren. Es warten Kosten für Futter, Ärzte, Hufschmied und Co.

Joe (l.) und Gabana freuen sich immer, wenn sie von Birte Weyermann, die am Rande Elberfelds eine Pferdepension mit Reitstall betreibt, ein Leckerchen bekommen.
Joe (l.) und Gabana freuen sich immer, wenn sie von Birte Weyermann, die am Rande Elberfelds eine Pferdepension mit Reitstall betreibt, ein Leckerchen bekommen.

Joe (l.) und Gabana freuen sich immer, wenn sie von Birte Weyermann, die am Rande Elberfelds eine Pferdepension mit Reitstall betreibt, ein Leckerchen bekommen.

Andreas Fischer

Joe (l.) und Gabana freuen sich immer, wenn sie von Birte Weyermann, die am Rande Elberfelds eine Pferdepension mit Reitstall betreibt, ein Leckerchen bekommen.

Wuppertal. 1571 Pferde gibt es in Wuppertal, die 145 Haltern gehören. Die Spannbreite ist groß: Da gibt es das kleine Pony, das ein Bauer für seine Kinder angeschafft hat, ebenso wie das edle Turnierpferd, das aufwändig gepflegt wird. Reitschulen halten mehrere Tiere für ihre Schüler bereit, während Freizeitreiter nach der Arbeit ihre Lieblinge pflegen. An den Pferden hängt ein ganzer Wirtschafts-Sektor: Die Versorgung mit Futter, Stellplätzen, Impfungen, Reitzubehör und Hufeisen gibt einer Menge Menschen Arbeit.

„Heute teilen sich mehr Leute als früher ein Pferd, etwa durch eine Reitbeteiligung“, erzählt Birte Weyermann. Sie betreibt mit ihrer Familie am Rande Elberfelds eine Pferdepension mit Reitstall. Durch die gemeinsame Nutzung reduzieren sich nicht nur die Kosten, sondern auch der Zeitaufwand für den einzelnen Reiter und Urlaube sind leichter planbar. Für viele ihrer Kunden – zumeist Frauen – zähle eher der Entspannungsfaktor und der Umgang mit dem Pferd als sportlicher Ehrgeiz, berichtet Birte Weyermann.

Billig ist dieser Sport nicht. Wer nur einen Stellplatz für sein Pferd sucht und es komplett selbst versorgt, muss mit rund 150 bis 200 Euro im Monat für den Platz rechnen. Wer noch die Verpflegung und das Ausmisten hinzubucht, zahlt 300 bis 400 Euro oder noch mehr. „Das kommt darauf an, wie die Anlage ausgestattet ist“, sagt Birte Weyermann. Je größer die Reithalle und Weiden, je komfortabler der Stall, desto höher die Miete. Viele landwirtschaftliche Betriebe nehmen entweder zusätzlich zur Hofwirtschaft Pferde auf oder sie stellen ihren Hof gleich ganz auf einen Pferdebetrieb um.

Nur zwei bis drei Tierärzte in Wuppertal behandeln Pferde

Zu den Kosten für den Stellplatz addieren sich solche für das Futter. Dieses unterscheidet sich stark bei Freizeit- und Turnierpferden. Rund einen halben kleinen Heuballen vertilgt ein Pferd pro Tag – und der kleine Ballen kostet je nach Witterung zwischen 3 und 4,50 Euro. Dazu kommen, je nach Aktivität des Pferdes und Anspruch des Halters, Saftfutter wie Möhren und Äpfel sowie Kraft- und Mineralfutter. Ein Hochleistungspferd braucht entsprechend mehr Mineralien und Zusatzstoffe.

Mindestens zweimal im Jahr muss ein Freizeitpferd auch zum Tierarzt. Die Leitlinien zur Pferdehaltung des Bundesministeriums empfehlen Impfungen gegen Tetanus und Influenza. Dazu kommt die Behandlung von Parasiten. „Auf kleinen Weiden mit vielen Tieren ist der Infektionsdruck größer“, lautet die Erfahrung von Tierärztin Dr. Stephanie Nickolmann. Pferde können ebenso wie Menschen Husten bekommen oder sich verletzen. Tiere, die auf großen Turnieren antreten, brauchen zusätzliche Impfungen, Dopingkontrollen und oft Behandlungen des Bewegungsapparats. Zwei bis drei Tierärzte in Wuppertal behandeln neben Kleintieren auch Pferde; doch die großen Pferdepraxen befinden sich in den ländlichen Nachbargemeinden.

Jeder Reiter muss im Jahr 25 Euro Reitabgabe bezahlen, bei gewerblicher Nutzung 75 Euro. Davon wird die Pflege von Reitwegen bezahlt. Derzeit diskutieren Reiterverbände und Untere Naturschutzbehörde, in wieweit Reiter öffentliche Fahrwege in Wald und Feld benutzen dürfen. In einigen Stadtgebieten sind außerdem Reitwege (insgesamt 72 Kilometer) ausgeschildert.

Auch die Hufschmiede betreuen einen großen Umkreis. „Ich fahre manchmal bis Köln oder Mühlheim“, erzählt André Dumschat. In Wuppertal selbst gibt es nur zwei Hufschmiede, dazu einige in den Nachbarstädten. „Unser Beruf stirbt gerade aus“, bedauert Dumschat. Die Lehrgänge seien teuer und die Tätigkeit körperlich anstrengend und verantwortungsvoll. „Die ganze Orthopädie spielt bei uns mit rein.“ Rund 40 bis 50 Pferde beschlägt Dumschat pro Woche. Ein normaler Beschlag kostet rund 110 bis 150 Euro, Spezialbehandlungen mehr.

Jetzt müssen Pferd und Reiter noch angezogen werden. Zumindest ein Zaumzeug und Pflegezubehör benötigt jedes Pferd; wer reiten will, braucht außerdem Sattel, Reithosen und -stiefel, Helm sowie Gerte. Diverse Fachgeschäfte in Wuppertal haben sich darauf spezialisiert. Immer mehr wird jedoch über das Internet bestellt. „Das Reitsportgeschäft ist vorbei“, sagt Martin Groskorth, der sein Geschäft mit zwei Mitarbeitern Am Elisabethheim betreibt. Er verkauft über seinen Onlineshop in die ganze Welt und steht gerade auf der Equitana. 14 weitere Pferdemessen füllen jedes Jahr seinen Terminkalender. Andere bieten im Laden die ganze Palette von Futtermitteln bis Kleidung an. Und während männliche Reiter einmal Hose und Weste kaufen und dann sehr lange tragen, wählen die Damen gerne zusätzliche Modelle in den Farben der Saison.

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