Laut Studie dienen Leiharbeiter zusehends dazu, die Rendite abzusichern statt flexibel auszuhelfen.

Wuppertal. Die Beschäftigtenstruktur in den Betrieben im Zuständigkeitsbereich der IG Metall hat sich nicht nur während der vergangenen Jahre bereits drastisch geändert - die Gewerkschaft fürchtet weitere Variationen. Denn die Leiharbeiter werden nach Angaben von Knut Giesler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, längst nicht mehr überwiegend eingesetzt, um bei Krankheit einzuspringen oder in Produktionsspitzen auszuhelfen.

Vielmehr werden Leiharbeiter demnach derzeit als strukturelles Mittel verstanden. Das heißt: Die gesamte Kalkulation fußt bereits darauf, das ein großer Teil der Belegschaft nicht fest angestellt, sondern über günstigere Leiharbeit in der Firma ist. Giesler weiß von Betrieben, in denen 200 von 500 Menschen in der Produktion Leiharbeiter sind.
Die Alarmglocken schrillen also bei der IG Metall. Die Gewerkschaft beobachtet dementsprechend sehr genau, wo es zu Entlassungen kommt - und was danach passiert. Bereits beobachtet wurde, dass Mitarbeiter über den Sozialplan aus einem Unternehmen ausscheren, dann aber später als Leiharbeiter zu deutlich schlechteren Konditionen wieder zurückkehren.

Und erneut fallen schwarze Schafe der Branche auf: Der IG Metall liegt die Abrechnung für einen Leiharbeiter vor, der lediglich 4,88 Euro je Stunde bezahlt bekam. Bei seiner ersten Krankmeldung flog der Mann laut IG Metall zudem sofort raus. Ausstehende Zahlungen blieben aus, statt dessen wickelte die Personalfirma das über ein Freizeitkonto ab, so Giesler.

Rückenwind erhält die Argumentation der IG Metall durch eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung, die Wissenschaftsstiftung der Gewerkschaft. Die Kernaussagen dieser Studie: Leiharbeit wird (allerdings noch in geringem Maße) nicht mehr als Reaktion, sondern strategisch eingesetzt, um Rendite abzusichern.

Wird Leiharbeit erst einmal strategisch benutzt, so erhält der Betrieb allerdings auch gleich ein "strukturell verankertes" Disziplinarmitel. Leiharbeit dient dann also als ständige Mahnung vor sozialem Abstieg und als Mittel, die Konkurrenz zu erhöhen. Die Gewerkschaft fürchtet zudem eine zersplitterung der Belegschaft in eine Drei-Klassen-Hierarchie. Die besteht dann aus der Stammbelegschaft, den befristet eingestellten Mitarbeitern sowie den Leiharbeitern.

Zieht die Konjunktur erst einmal wieder an, so fürchtet die IG Metall, dass zusätzlich anfallende Arbeit vor allem über Leiharbeiter abgedeckt wird.

Bleibt ein Konjunkturaufschwung weiterhin aus, dann könnten die Leiharbeiter nach Befürchtung der gewerkschaft stärker als bislang als strukturelles Mittel verstanden werden.

Zudem sieht die IG Metall derzeit Begehrlichkeiten, wonach sich Firmen über Aufhebungsverträge ihre Olympia-Mannschaften bauen.

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