Der Gewürzhandel des Wuppertalers Cesare Aspes zeigt, dass sich Wirtschaftlichkeit und Entwicklungshilfe nicht widersprechen.

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Unternehmer mit humanitärem Anspruch: Cesare Aspes.

Unternehmer mit humanitärem Anspruch: Cesare Aspes.

Funktionierende Entwicklungshilfe in einem gewinnbringenden Unternehmen: 1600 Kleinbauern in Kenia bauen für Cesare Aspes Chilis und getrocknete Gewürze im Hochpreissegment an. Durch faire Löhne können die Bauern ihre Familien eigenständig versorgen.

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Unternehmer mit humanitärem Anspruch: Cesare Aspes.

Wuppertal. "Musungu", so wird Cesare Aspes begrüßt, wenn er die Mitarbeiter seiner Firma besucht. "Musungu", das ist afrikanisch und heißt "weißer Mann". Diesem weißen Mann haben viele Menschen in Afrika viel zu verdanken. Denn Cesare Aspes hat ihnen mit seiner Firma "Mace Foods Limited" in Kenia das gegeben, worum sich Entwicklungshelfer oft vergeblich bemühen: eine Arbeit, die sie selbst und ihre Familien ernährt.

Heute sind Aspes Chilis Marktführer in Europa

Der 71-Jährige mit der italienisch-deutschen Staatsbürgerschaft war einige Jahre für verschiedene Firmen als Berater für Geschäfte in Afrika tätig, bevor er den Schritt in die Selbständigkeit wagte. Seine Motivation: "Wenn Sie gesehen haben, wie die Menschen beinahe vor Ihren Augen verhungern, dann vergessen Sie das nie." Oft habe er Familien besucht, hat Kinder auf dem Arm gehalten, von denen er wusste, dass sie bei seinem nächsten Besuch nicht mehr leben würden.

Zwei Dinge sollte das Unternehmen des studierten Maschinenbauers daher leisten: "Ich wollte Gewinn einfahren und etwas für die Menschen tun", sagt Aspes. Mit getrockneten Chilis und Gewürzen in hoher Qualität, die in Afrika produziert und in Europa verkauft werden, sollte das klappen. Doch für viele Entwicklungshilfe-Fördertöpfe war der Geschäftsmann mit seinem auch profitorientierten Ansatz nicht interessant. "Wirtschaftlicher Erfolg wird von Entwicklungshelfern argwöhnisch beäugt."

"Wenn Sie gesehen haben, wie die Menschen beinahe vor Ihren Augen verhungern, vergessen Sie das nie."

CesareAspes über seine Motivation, sich in Afrika zu engagieren.

Cesare Aspes hat es auch ohne Hilfe geschafft. Heute, acht Jahre nach der Gründung, ist Mace Foods mit seinen Chilis (African Bird’s Eye Chilis im Hochpreis-Segment) Marktführer in Europa. "Wir sind sozusagen der Mercedes unter den Chilis", witzelt Apses und verweist auf die Zahlen: 2009/2010 machte sein Unternehmen einen Umsatz von 300.000 Euro und hat in Kenia 1.600 Kleinbauern unter Vertrag.

Mace Foods Limited hat ihren Sitz in Eldoret, Kenia, fast am Äquator, auf 2250 Meter Höhe. Die Lage garantiert eine gute Qualität der Kräuter und Früchte, sorgt aber auch für einen geringeren Ertrag. In Afrika werden die Früchte und Kräuter gepflanzt, geerntet, getrocknet und anschließend sortiert.

Mehr als 80 Prozent der Produktion verkauft Aspes innerhalb der Europäischen Union, vornehmlich nach Großbritannien, Italien, Deutschland und Spanien. Seit zwei Jahren exportiert er auch in die USA. Der Großteil geht direkt an Großkunden, die die Ware selbst weiter verarbeiten. Eine kleinere Einheit wird in Afrika abgepackt und geht direkt an die Händler. In Deutschland hat Mace Foods Limited kein Lager, nur das Büro in Wuppertal.

Viele von ihnen lebten vorher an der Armutsgrenze, ihr Einkommen hat sich seither fast verdreifacht. Jetzt können sie dringende Operationen für die Kinder und auch deren Schulbesuch bezahlen. Seit August dieses Jahres besitzt seine Firma auch das "Fair Trade"-Zertifikat. Sein Büro hat Aspes, der einst bei Vorwerk seine Karriere begann, noch immer in Wuppertal.

In den ersten Jahren bereiteten kulturelle Unterschiede Probleme

Bis zum Erfolg war es ein langer Weg. Gut 800.000 Euro hat Aspes von der Gründung 2002 bis 2007 investiert - und dabei vor allem gegen die afrikanische Mentalität und das Misstrauen gegenüber ausländischenGeschäftspartnern gekämpft. "Afrikaner denken extrem kurzfristig, sie möchten spätestens nach sechs Wochen ein Ergebnis sehen", sagt Aspes, der seit 1970 mit seiner Frau in Wuppertal lebt.

Weitere Probleme: Einmal konnte er eine ganze Ladung Setzlinge wegwerfen, weil die Bauern wegen einer dreitägigen Hochzeit vergessen hatten, die Setzlinge rechtzeitig zu pflanzen. Ein anderes Mal hatten die Bauern verbotene Pestizide verwendet - "Dadurch habe ich eine ganze Containerladung im Wert von 30.000 Euro verloren", sagt Aspes.

"Die Zeit läuft", sagt Aspes, lange werde er den Job nicht mehr machen können. Doch ein geeigneter Kandidat sei schwer zu finden, und eigene Kinder hat der 71-Jährige nicht. Dabei gibt es viel zu tun. "Die Aufbauarbeit ist abgeschlossen", sagt Aspes, "jetzt geht es darum, zu expandieren."

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