Politik und Wirtschaft diskutieren über die Einführung einer Frauenquote. Die WZ hat bei Frauen und Arbeitgebern nachgefragt.

Meinung
Antje Lützenberger, Geschäftsführerin von Bergisch Inkasso, ist für eine Frauenquote...

Antje Lützenberger, Geschäftsführerin von Bergisch Inkasso, ist für eine Frauenquote...

...Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher steht an der Spitze von 1623 Mitarbeitern...

...und Natalie Mekelburger, Coroplast-Geschäftsführerin lehnt die vorgeschlagene Quote als „ Einmischung in die Personalpolitik“ ab.

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Antje Lützenberger, Geschäftsführerin von Bergisch Inkasso, ist für eine Frauenquote...

Wuppertal. Wenn es nach Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ginge, wäre bald fast jeder dritte Vorstand oder Aufsichtsrat eine Frau. Sie setzt sich für eine Frauenquote von 30 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten ein. Natalie Mekelburger, Geschäftsführerin von Coroplast, hält nichts von einer staatlich vorgegebenen Frauenquote. „Das ist eine tiefgreifende Einmischung in die Personalpolitik.“

Leitungspositionen lassen sich nicht leicht mit der Familie vereinbaren

Allerdings würde sie es begrüßen, wenn sich mehr Frauen auf Leitungsfunktionen bewerben würden. Auch die Kunden hätten gerne mehr Frauen als Ansprechpartner. „Die haben eine lebendige Mischkultur sehr gern.“

Ihrer Meinung nach liegt es nicht allein am mangelnden Willen der Unternehmen, dass nicht mehr Frauen an der Spitze stehen. „Die Frauen selber wollen das zum Teil gar nicht und bewerben sich deshalb auch nicht auf entsprechende Stellen“, sagt Mekelburger. Frauen seien manchmal weniger flexibel, vor allem, wenn sie Kinder haben. „In Führungspositionen sind oftmals auch längere Reisen nötig. Das ist mit Familie schwer zu vereinbaren.“

Männern gelingt es besser, Beziehungen zu nutzen

Antje Lützenberger, Geschäftsführerin von Bergisch Inkasso, spricht sich dagegen deutlich für eine Quote aus: „Es gibt hinreichende qualifizierte Frauen, aber nur durch eine Quote kommen sie in die Leitungspositionen“, ist die Unternehmerin überzeugt. „Männer bewerben sich selbstbewusster, teils sogar mit Selbstüberschätzung auf Chefpositionen.“ Frauen würden sich das nicht immer trauen. Im Gegensatz zu ihren weiblichen Konkurrenten würden Männer ihre gesellschaftlichen Kontakte wie Studentenverbindungen, Rotarier-Clubs besser als Karrieresprungbrett nutzen.

Bei der Stadt gibt es eine Zielquotefür Führungspositionen: Nach einem Ratsbeschluss sollen 26 Prozent der Leitungsstellen weiblich besetztsein.Das Ziel ist erreicht. Roswitha Bocklage, Leiterin der Gleichstellungsstelle bei der Stadt, ist überzeugt, dass dieses Ziel ohne den Druck der Quote nicht erreicht worden wäre. „Es gibt noch immer viele Klischees Frauen gegenüber. Zierliche Frauen können sich beispielsweise genauso durchsetzen wie große Männer“, sagt sie.

Bei der Stadtverwaltung sind zirka 4000 Mitarbeiter beschäftigt, 56 Prozent davon sind weiblich. Nur etwa jede vierte Führungsposition wird von einer Frau besetzt.

An der Spitze der Polizei steht Birgitta Radermacher. Rund ein Viertel ihrer 1623 Mitarbeiter sind weiblich. 21 Prozent der Leitungsfunktionen sind mit Frauen besetzt.

Im sozialen Bereich sind Frauen meist stärker vertreten. So sind etwa 70 Prozent der Mitarbeiter des Caritasverbands Wuppertal Solingen weiblich. Unter dem männlichen Doppelvorstand arbeiten acht Personen, davon sind Frauen.

Beim Helios Klinikum arbeiten 2500 Menschen, von 165 Führungspositionen sind 40 mit Frauen besetzt. Helios fördert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, etwa mit einem Zuschuss für Kinderbetreuungskosten.

Natürlich müsse das ausschlaggebende Kriterium für die Besetzung einer Position immer die entsprechende Qualifikation sein. „Bei keiner anderen Quote außer bei der Frauenquote wird unterstellt, dass die Personen schlechter qualifiziert sein könnten“, sagt Bocklage mit Blick auf die negative Besetzung des Begriffs Quotenfrau.

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