Studie zum bergischen Mittelstand: Gute Eigenkapitalquote, aber schlechte Aussichten.

Wuppertal. Nahezu wöchentlich übertreffen sich derzeit Wirtschaftsexperten entweder mit schlechten Prognosen - oder berichten, dass die ganze Misere in einem Jahr schon wieder vorbei sein kann. Nun legt die Creditreform ihre Studie zur Wirtschaftslage des Mittelstands im Bergischen Städtedreieck vor. Eine Erkenntnis: Auf die heimischen Firmen kommen schwierige Zeiten zu.

Von Krise stärker betroffen als deutscher Durchschnittsbetrieb

Nach Angaben von Achim Kirschner sind die bergischen Unternehmen deutlich stärker in den Abwärtssog geraten als der bundesdeutsche Durchschnittsbetrieb. Denn in der bundesweiten Befragung nennen immerhin 44 Prozent der Firmen ihre Lage gut oder sehr gut, im Bergischen ist jedoch nur ein Drittel der Firmen so zuversichtlich. Auch die Gefahr einer Insolvenz ist im Städtedreieck deutlicher als im Bundesgebiet ausgeprägt: Statisch kommen im Bergischen auf 10.000 Unternehmen 256 Insolvenzen, im Bundesdurchschnitt sind es 222.

Gewinn-Prognosen so mies wie lange nicht

Zwar haben die zufrieden stellenden Umsätze der Vorjahre auch für mehr Beschäftigung im heimischen Mittelstand gesorgt. Doch gerade in den Industrie-Betrieben fallen die Umsatzerwartungen schlecht aus. Noch mieser jedoch sind die Erwartungen hinsichtlich der Gewinne: 62,5 Prozent der Firmen erwarten ein Absinken. So schlechte Aussichten gab es zuletzt Ende der 90er Jahre.

Das hat auch Folgen für die Zahl der Mitarbeiter. Kirschner geht davon aus, dass in der Region knapp 2000 Arbeitsplätze in mittelständischen Betrieben akut bedroht sind.

Was die Zahlungsmoral der Kunden angeht, freuen die die Mittelständler zwar insgesamt über zügige Zahlungen. Aber fast 18 Prozent warten trotzdem länger als zwei Monate auf ihr Geld. Dabei zahlt die früher häufig gescholtene öffentliche Hand mittlerweile offenbar wieder zügiger - und zwar innerhalb von 30 Tagen.

Creditreform hat rund 340 Unternehmen im Bergischen befragt, mehr als die Hälfte stammt aus Wuppertal.

Crefo-Factoring hat im vergangenen Jahr 76 000 Forderungen für bergische Kunden eingeworben, ein Anstieg von 30 Prozent. Immer mehr Firmen wollen ihre Forderungen offenbar nicht selbst abwickeln.

Industriebetriebe und Dienstleister kommen jedoch mitunter überhaupt nicht an ihr Geld. So genannte Forderungsverluste gibt es bei mehr als der Hälfte aller Unternehmen. Der Grund: Insolvenz eines oder mehrerer Kunden.

Deutlich punktet der heimische Mittelstand laut Creditreform beim Eigenkaiptal. Gut 44 Prozent haben eine Eigenkapitalquote von mindestens 30 Prozent. Bei den Dienstleistern sind es aber nur 15 Prozent mit solch guter Ausstattung.

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