Der Stadtwerke-Vorstand wirbt angesichts des zunehmenden Widerstandes im Gespräch mit der WZ für die Seilbahn. Er will sie bauen, aber nicht um jeden Preis.

Interview
Die WSW-Vorstände Andreas Feicht (l.) und Ulrich Jaeger. Archiv

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Andreas Fischer/WSW, Bild 1 von 2

Die WSW-Vorstände Andreas Feicht (l.) und Ulrich Jaeger. Archiv

Wuppertal. Die Seilbahn zwischen Döppersberg und Küllenhahn spaltet das Tal. Im Juli will der Stadtrat sich mit dem Projekt beschäftigen, von dem heute niemand weiß, ob es jemals Wirklichkeit wird. Die Gegnerschaft vor allem in der Südstadt kämpft erbittert gegen die Pläne, die Kommunalpolitiker zögern und wissen noch nicht, ob sie letztlich selbst über die Seilbahn entscheiden wollen oder den Wuppertalern in einem sogenannten Ratsbürgerentscheid das letzte Wort überlassen. Unterdessen werben die WSW-Vorstände Andreas Feicht und Ulrich Jaeger im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung für die Seilbahn, die das städtische Tochterunternehmen bauen will. Sie versprechen sich davon mehr Attraktivität für den Öffentlichen Personennahverkehr und stellen eine Entlastung der Südstadt vom Verkehrsaufkommen in Aussicht. Es gibt aber auch Ausstiegsszenarien.

Herr Jaeger, haben Sie angesichts des zunehmenden Widerstands überhaupt noch Lust auf die Seilbahn?

Jaeger: Absolut.
Feicht: Wir stehen zu diesem Projekt und vertreten das auch.

Haben Sie mit diesem Widerstand gerechnet?

Feicht: Ich kann nicht beurteilen, wie repräsentativ die Reaktionen für die Bevölkerung sind und ob nun eine Mehrheit für oder gegen das Projekt ist. Bei jedem Infrastrukturprojekt ist es normal, dass Gegner sich zu Wort melden. Es ist in Ordnung, dass dieses Thema hin und her diskutiert wird.
Jaeger: Wir sind von Beginn an sehr bewusst in die Öffentlichkeit gegangen, auch als wir noch nicht alle Fakten hatten. Die haben wir immer noch nicht alle. Das macht uns angreifbar. Aber wir nehmen das in Kauf. Wir wollten diese Transparenz haben.

Können Sie sich die Stärke des Widerspruchs erklären?

Feicht: Ich glaube, das liegt daran, dass dieses Projekt tatsächlich realisierbar ist.

Was macht Sie da so sicher?

Jaeger: Wir haben drei Gutachten, die das bestätigen. Zwei haben wir selbst in Auftrag gegeben, eines die Stadt Wuppertal. Alle attestieren uns, dass die Seilbahn machbar ist. Andernfalls wären wir auch schon ausgestiegen. Den Nutzen müssen wir auch nachweisen, um überhaupt gefördert werden zu können. Da gibt es bundesweit einheitliche und eindeutige Richtlinien.

Und mit den geplanten 82,7 Millionen Euro kommen Sie aus?

Jaeger: In diese Summe sind schon Puffer eingeplant. Wir haben 15 Prozent etwaige Kostensteigerungen eingerechnet. Feicht: Außerdem haben wir Posten, die mit 90 Prozent gefördert werden können nur zu 85 Prozent herausgerechnet. Planungskosten werden nur mit fünf Prozent gefördert. Diesen Posten haben wir deshalb bewusst höher kalkuliert.

Zur Klarstellung: Die Stadtwerke bezahlen alles, die Stadt bezahlt nichts.

Feicht: Ja, das ist so.

Und wenn Ihre Kostenplanung wider Erwarten gesprengt wird?

Feicht: Wenn das jetzt geplante Budget nicht reicht, dann steigen wir aus. Dann bauen wir die Seilbahn nicht.

Viele Kritiker fragen sich, für wen Sie die Seilbahn eigentlich bauen wollen?

Jaeger: Alle Gutachter sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bahn nutzt. Sie hat sogar einen Refinanzierungswert von 1,8. Das heißt, für jeden Euro, den wir investieren, fließen 1,8 Euro in die Volkswirtschaft zurück. Das ist sensationell. Selbst bei der Schwebebahn liegt dieser Wert deutlich niedriger.

Das würde bedeuten, dass genügend Leute die Gondeln nutzen.

Feicht: Ja. Wir stoßen heute schon beim Transport der Studenten vom Bahnhof zum Grifflenberg an unsere Grenzen. Und auch die Busse nach Küllenhahn sind morgens und nachmittags voll. Die Seilbahn wäre gut ausgelastet.

Zum Nachteil der Leute, die beispielsweise im Funkloch wohnen oder am Röntgenweg.

Jaeger: Diese Wohngebiete würden weiter von Bussen angefahren, allerdings nicht mehr im 20-, sondern im 30-Minutentakt.

Und damit sparen Sie Geld.

Jaeger: Das bringt 1,9 Millionen Euro im Jahr, mit denen wir die Investition in die Seilbahn finanzieren können. Wir sparen durch die Seilbahn nicht, aber wir geben auch nicht mehr für den ÖPNV aus.
Feicht: Uns ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die Kosten für den ÖPNV in Wuppertal von 52 Millionen auf 45 Millionen Euro zu senken. Daran soll sich nichts ändern.

Haben Sie in Ihrer Kostenkalkulation auch schon Entschädigungszahlungen berücksichtigt?

Feicht: Das haben wir getan. Und ich bin auch sehr sicher, dass es zu Klagen kommen wird. Dann ist es Aufgabe von Gerichten festzustellen, ob Bewohnern der Südstadt tatsächlich ein Schaden entstanden ist. Wenn das der Fall sein sollte, müssen und werden die WSW das bezahlen.

Noch ist ja nicht einmal sicher, dass die Seilbahn überhaupt gebaut wird. Die Bahn AG jedenfalls weiß nichts von Ihrem Interesse an einem Grundstück am Döppersberg für die Talstation.

Jaeger: Darüber haben wir uns gewundert, als wir das in der WZ lasen. Es hat bereits zwei Gespräche mit der Bahn über den Erwerb des Fundbüros gegeben. Dazu gibt es auch Schriftverkehr und die Zusage der Bahn, dass sie nichts macht, bevor wir uns melden.
Feicht: Die Bahn ist ein großer Konzern. Da weiß wohl nicht jeder alles.

Und sollten Sie das Grundstück nicht kaufen können?

Jaeger: Dann gibt es keine Talstation und damit keine Seilbahn.

Der Stadtrat befasst sich nun offenbar im Juli mit dem Projekt. Und noch weiß niemand, ob letztlich der Rat oder die Bürger über die Seilbahn entscheiden.

Feicht: Das macht für uns keinen Unterschied. Wir planen die Bahn, weil es ein Auftrag aus dem Projekt 2025 ist. Wir sind von der Seilbahn überzeugt und wollen sie 2023 in Betrieb nehmen. Wenn der Rat oder die Bürger sich gegen die Seilbahn entscheiden, dann respektieren wir das. Dann sind wir nicht beleidigt. Wir wollen die Bahn für die Bürger bauen. Wir bauen uns hier kein Denkmal.

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