Oberbürgermeister Andreas Mucke will ein breites Bündnis gegen Armut - für soziale Gerechtigkeit ins Leben rufen.

Oberbürgermeister Andreas Mucke und Sozialdezernent Stefan Kühn stellten die Idee des Bündnisses gegen Armut vor.
Oberbürgermeister Andreas Mucke und Sozialdezernent Stefan Kühn stellten die Idee des Bündnisses gegen Armut vor.

Oberbürgermeister Andreas Mucke und Sozialdezernent Stefan Kühn stellten die Idee des Bündnisses gegen Armut vor.

Stefan Fries

Oberbürgermeister Andreas Mucke und Sozialdezernent Stefan Kühn stellten die Idee des Bündnisses gegen Armut vor.

Wuppertal. Zur Auftaktveranstaltung am heutigen Donnerstag, 14. September, in der St.-Laurentius-Schule an der Bundesallee sind Vereine, Träger, Institutionen, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Bürger sowie Betroffene eingeladen. Schon viele haben ihr Kommen zugesagt. Andreas Mucke und Sozialdezernent Stefan Kühn erläutern im Gespräch mit der WZ Hintergrund und Ablauf.

Wie groß ist die Armut in Wuppertal?

Stefan Kühn: Menschen gelten als arm, wenn sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens haben. Das gilt in Wuppertal für rund 80 000 Menschen. Dazu zählen nicht nur Arbeitslose und Menschen, die von staatlichen Leistungen leben, sondern auch die, die trotz Arbeit arm sind – und das sind zirka zehn Prozent aller Arbeitnehmer. Ein wichtiger Grund dafür: Seit 2006 haben wir zwar 15 000 Arbeitsplätze dazugewonnen, aber davon sind 13 000 Teilzeitjobs. Außerdem sind die Zeitarbeit und der Niedriglohnsektor angestiegen.

Was kann eine Stadt gegen Armut tun?

Andreas Mucke: Beispielsweise weisen wir neue Gewerbeflächen aus, damit Firmen dort Arbeitsplätze schaffen, möglichst auch für Menschen, die wenig qualifiziert sind. Wir tun als Stadt einiges für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zum Beispiel durch den Ausbau von Kitas und Offenem Ganztag, und zahlen als Arbeitgeber Tarifgehälter.

Kühn: Da wir als Stadt auch eine Vorbildfunktion haben, stellen wir Erzieherinnen und Erzieher nicht mehr mit befristetem Vertrag, sondern unbefristet ein, ebenso Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter.

Mucke: Und mit dem Bündnis gegen Armut beabsichtigen wir, vorhandene und neue Maßnahmen zu bündeln. Das geht aber nur im Zusammenspiel vieler Akteure.

Was ist langfristig wichtig?

Kühn: Bildung ist der Schlüssel. In Kitas, Offenen Ganztag und Schulen werden wir in den nächsten Jahren viel Geld stecken.

Mucke: Dazu gehört auch die Betreuung außerhalb der Schule wie zum Beispiel beim CVJM Oberbarmen und der Alten Feuerwache. Das wird langfristig Wirkung zeigen. Für mich hat die Prävention große Bedeutung. Vorbeugen ist besser als heilen.

Kühn: Wir entwickeln gerade gemeinsam mit den freien Trägern und dem Sport ein Präventionskonzept. Für die darin vorgeschlagenen Maßnahmen wollen wir Drittmittel einwerben, zum Beispiel beim Europäischen Sozialfonds.

Brauchen wir nicht mehr Kooperationen zwischen öffentlichen und privaten Geldgebern?

Mucke: Genau das ist auch eins der Ziele des Bündnisses. Bürger sollen sich einbringen können, zum Beispiel durch Patenschaften. Firmen könnten Geld für Projekte zur Verfügung stellen. Sponsorengelder können wie städtisches Geld ein Hebel sein, um weitere Fördergelder einzuwerben. Bei der Veranstaltung wollen wir möglichst viele gute Ideen sammeln.

Wir haben in Wuppertal Projekte wie die Junior Uni oder die Nordbahntrasse, die von privatem Engagement getragen wurden.

Mucke: Dieses private Engagement wollen wir aktivieren. Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man ein konkretes Projekt hat, bekommt man Unterstützung. Für gute Projekte gehe ich gern Klinken putzen. Bekämpfung von Armut ist eine Investition in die Zukunft - auch für die Wirtschaft, die Nachwuchs braucht. Mit diesem Argument öffnen sich viele Türen. Viele Firmen in Wuppertal sind da vorbildlich im Engagement, und dafür bin ich sehr dankbar.

Kühn: Das zeigt sich jedes Jahr auch darin, dass Unternehmen Jugendlichen Praktika anbieten, die ihnen helfen, den richtigen Beruf zu finden.

Mucke: Schon jetzt gibt es viele Vorzeigeprojekte. Ich kenne Betriebe, die Alleinerziehende in Teilzeit und Menschen mit Handicap ausbilden.

Welche Ziele soll das Bündnis haben?

Mucke: Wir wollen einen breiten und ideenreichenStart, anschließend zügig auswerten, welche Themen wir verfolgen. Wichtig ist, dass wir noch vor den Herbstferien einen Fahrplan festlegen und mit der Arbeit starten.

Kühn: Ein Mitarbeiter des Sozialamtes beschäftigt sich ausschließlich mit diesem Thema.

Wie sollen die ersten Schritte aussehen?

Kühn: Das hängt davon ab, wer zu der Veranstaltung kommt und welche Ideen dabei diskutiert werden. Wir haben sechs inhaltliche Schwerpunkte, zu jedem ist je ein Experte von der Stadt und von den Wohlfahrtsverbänden eingeladen. Dadurch gibt es schon eine Menge Expertenwissen.

Mucke: Es wird keine langen Vorträge geben, sondern wir wollen schnell in die Gruppenarbeit starten und am Ende alles zusammentragen.

Kühn: Der Koordinator wird die Ergebnisse dokumentieren, damit wir weitermachen können.

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