Im Interview spricht Marco Trienes von der Wuppertaler Wirtschaftsförderung über die Innenstadt.

Im Interview spricht Marco Trienes von der Wuppertaler Wirtschaftsförderung über die Innenstadt.
Die Elberfelder City (hier die Poststraße) steht vor Herausforderungen. Archiv

Die Elberfelder City (hier die Poststraße) steht vor Herausforderungen. Archiv

Anna Schwartz

Die Elberfelder City (hier die Poststraße) steht vor Herausforderungen. Archiv

Elberfeld. Seit Februar kümmert sich Marco Trienes bei der Wirtschaftsförderung um den Einzelhandel und Büroimmobilien. Er trat die Nachfolge von Sven Macdonald an, der die Geschäftsführung der Wuppertaler Quartiersentwicklungsgesellschaft (WQG) übernommen hat. Trienes hat schon einige „Kennenlernen-Touren“ hinter sich, wie er schmunzelnd erzählt. An Wuppertal gefalle ihm die lebendige Vielfalt und spannende Topographie. Hervorzuheben sei vor allem das hohe Engagement der Menschen, ob es jetzt um die Nordbahntrasse und die Utopiastadt oder den Verein Neue Ufer gehe. Das gelte insbesondere auch für den Einzelhandel, sagt Trienes, und hebt die Arbeit der verschiedenen Interessengemeinschaften (IG) und Immobilienstandortgemeinschaften (ISG) hervor. Im Interview spricht er über die Entwicklung der Elberfelder City.

Wenn von Wuppertals Zentrum die Rede ist, was ist gemeint?

Marco Trienes: Die Investitionen der Immobilienwirtschaft und des Einzelhandels waren in den vergangenen Jahren stärker auf Elberfeld konzentriert. Elberfeld hat sich als die City für die Gesamtstadt entwickelt. Die Zeiten, in denen es stadthistorisch begründet zwei auch vom Angebot gleichartige Zentren in Wuppertal gab, sind vorbei. Vielmehr muss es darum gehen, in Elberfeld wie Barmen ein unverwechselbares Profil mit einer eigenen Wertigkeit zu entwickeln.

Jetzt fürchten sich aber die Elberfelder Händler vor der Entwicklung rund ums FOC.

Trienes: Wir haben die begründete Hoffnung, dass sich durch das FOC die Attraktivität der gesamten City erhöht. Es muss aber auch für eine größere Vielfalt und Qualität bei den Angeboten gesorgt werden. Kein „Copy & Paste“ der Produkte im City Outlet Wuppertal, die es in der City schon gibt. Es kommt dabei sehr auf die Auswahl der Hersteller an, die im FOC ihre Waren anbieten. Die von der Clees-Gruppe mit dem Vertrieb beauftragten Spezialisten von Retail Outlet Shopping besitzen diesbezüglich beste Kontakte. Die positiven Kopplungseffekte zwischen dem FOC und der gewachsen City werden dann besonders groß ausfallen, wenn man komplementäre Strukturen schafft.

Und die Bedenken der Einzelhändler?

Trienes: Die kann ich teilweise nachvollziehen. Die Einzelhandelslandschaft wird sich durch die Investitionen am Döppersberg verändern und der eine oder andere Händler verbindet damit eher Risiken als Chancen. Allerdings muss man auch sagen, dass der Einzelhandel auch ohne FOC vor Herausforderungen steht – insbesondere durch das Thema Online-Shopping. Ich sehe das FOC als Motor, der mehr Menschen in die City bringt und somit den stationären Einzelhandel stärkt.

Wie kann das gelingen?

Trienes: In Zukunft muss es darum gehen, die Attraktivität in der City durch öffentliche und private Investitionen weiter zu stärken. Mit der Qualitätsoffensive Innenstadt Elberfeld und der hoffentlich bald realisierten ISG Poststraße/Alte Freiheit ist man auf einem guten Weg. Die städtebaulich sehr gute Integration des FOC und die attraktive Geschäftsbrücke werden für eine starke Vernetzung der Teilräume sorgen. Dabei sollte man auch die Funktion des Döppersbergs als Mobilitätsknotenpunkt Wuppertals nicht vergessen.

Stichwort Herausforderungen: Die Rathaus-Galerie und die Friedrichstraße tun sich bereits jetzt schwer und befürchten durch das FOC weitere Einbußen.

Trienes: Hinsichtlich der Rathaus-Galerie hoffe ich auf ein innovatives und dem Standort angepasstes Konzept des neuen Centermanagements.

Wie könnte das aussehen?

Trienes: An der Barrierewirkung der Neumarktstraße wird man wohl kurzfristig wenig ändern können. Eine Umgestaltung von Karlsplatz und Willy-Brandt-Platz wäre aber sicherlich auch förderlich für die Rathaus-Galerie, insbesondere wenn man an die Möglichkeiten für die Außengastronomie denkt. Interessant finde ich auch den Gedanken über die Funktion der Rathaus-Galerie für die Nahversorgung der Nordstadt nachzudenken. Wichtig wäre auch, über die zukünftige Nutzung und Gestaltung des Neumarkts in seiner Relaisfunktion für die City weiter nachzudenken.

Viele Bürger hadern mit dem Leerstand. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Trienes: Leerstand ist natürlich nicht wünschenswert, ergibt sich aber auch durch eine normale Fluktuation. Das ist aus unserer Sicht in den Citybereichen kein strukturelles Problem.

Welche Veränderungen ergeben sich zukünftig?

Trienes: Langfristig muss man intensiv darüber nachdenken, welchen Einfluss der wachsende Onlinehandel auf die Entwicklung der Verkaufsfläche hat. Auch jetzt sollte es nicht nur um die Betrachtung des Leerstands gehen, sondern auch darum, was nach dem Leerstand folgt. Wir wünschen uns qualitätsvolle und spannende Händler und Gastronomen, müssen aber auch die immobilienwirtschaftlichen Gegebenheiten berücksichtigen. In Bereich Alte Freiheit/Poststraße müssen wir auf einen attraktiven Mix aus Einzelhandel und Gastronomie achten, so dass keine übermäßige ungewollte Gastronomisierung stattfindet.

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