Viele Anwohner der Siedlung Zum Großen Busch sehen die gestiegenen Kosten für den Winterdienst als ungerechtfertigt an.

Dornap
Auch Wolfgang Herkenberg (AWG) und Almuth Salentijn (Steueramt/re.) stellten sich den Fragen.

Auch Wolfgang Herkenberg (AWG) und Almuth Salentijn (Steueramt/re.) stellten sich den Fragen.

Andreas Fischer

Auch Wolfgang Herkenberg (AWG) und Almuth Salentijn (Steueramt/re.) stellten sich den Fragen.

Dornap. Ist der Winterdienst in Wuppertal sein Geld wert? Das war die Frage am WZ-Mobil an der Siedlung Zum Großen Busch. Auch die Anwohner dort sind von der Gebührenerhöhung zwischen 70,5 und 110,2 Prozent betroffen. Doch die Bewohner der Siedlung üben Kritik am Winterdienst, sehen sich durch die Gebühren „abgezockt“.

Hinterlieger fühlen sich benachteiligt

Volker Weskott führt gleich mehrere Punkte an, warum er die Gebühren in der aktuellen Höhe für ungerechtfertigt hält: „Die Schneeräumung im vergangenen Winter war schlichtweg unzureichend. Bei unseren engen Straßen müsste der Schnee mit einem Schaufler gesammelt und abtransportiert werden. Ihn nur auf die parkenden Autos zu schieben, ist keine Lösung.“ Außerdem sieht er sich als Hinterlieger benachteiligt. „Wir Hinterlieger werden nicht durch die Straße erschlossen, sondern durch die Privatwege. Trotzdem zahlen wir sogar mehr als die Menschen, die direkt an der Straße wohnen“, sagt Weskott.

Nicht nur die Art der Räumung wird kritisiert: „Viel schlimmer ist, dass in den Nebenstraßen gar nicht geräumt wird. Selbst bei dem geringen Schneefall Anfang der Woche haben die Wagen vorher kehrt gemacht“, sagt Holger Szalla.

Auch die Kommunikation mit der für den Winterdienst zuständigen AWG sorgt für Kritik: „Ich habe mich schriftlich beschwert, aber habe nur einen Formbrief als Antwort erhalten. Der war so nichtssagend, den hätte ich auch selber schreiben können“, sagt Roland Söhnge.

Stadt, ESW und AWG wehren sich gegen die Vorwürfe

Überhaupt sei die Grundlage für die Berechnung des Winterdienstes falsch, erklärt Karl-Heinz Claßen. Der Eigenheim-Besitzer hat Einspruch gegen den Bescheid eingereicht. Aus einer Klarsichthülle fischt er den Briefwechsel heraus, den er sich mit den Verantwortlichen geliefert hat. Eine zufriedenstellende Antwort habe er nicht erhalten. Das Problem seiner Meinung nach ist: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht.“ Angesichts von der Preiserhöhung spricht er von „Abzocke“.

„Die Grundlage für die Berechnung der Winterdienstgebühren ist falsch. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht. Das ist meiner Meinung nach reine Abzocke des Bürgers“
Karl-Heinz Claßen

„Die Stadt kassiert Geld für Straßen, die eigentlich gar nicht existieren und somit auch nicht von Schnee befreit werden müssen. Ich fühle mich als Hinterlieger veräppelt.“
Angela Fröhlich

"Mich stört die die Berechnungsgrundlage. Die Stadt geht dabei nach der maximalen Größe des Grundstücks und nicht nach dem Frontbereich, wo gekehrt wird."
Bernhard Heil

Auch Vertreter der Stadt Wuppertal, des ESW und der AWG stellten sich am WZ-Mobil den Fragen der Anwohner. Almuth Salentijn, seit Oktober Leiterin des Steueramtes, stellte die Position der Stadt klar: „Ich wehre mich gegen den Begriff ,Abzocke’. Die Hinterlieger werden nach der Gebührensatzung und der Rechtssprechung des Oberverwaltungsgerichtes abgerechnet.“ Außerdem stellte die Juristin klar: „Ein Drittel der Kosten für den Winterdienst bezahlt die Stadt für die Verkehrssicherung. Der Rest wird auf die Bürger umgelegt. Wir füllen damit nicht unsere Kassen.“ Zudem seien private Räumdienste unverhältnismäßig teurer.

Und auch Angela Fröhlich fühlt sich „veräppelt“, wie sie sagt. Als sogenannter „Hinterlieger“ zahlen sie und ihr Mann Gebühren für den Winterdienst, wobei bei ihnen nicht der Räumdienst, sondern sie selbst mit der Schippe den Bürgersteig von Schnee befreit. „Die Stadt kassiert Geld für Straßen, die gar nicht existieren.“

Jürgen Buschmann verweist auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster aus dem Jahr 2005. Die Stadt, so erläutert er, sei danach verpflichtet, die Leistung Kehren und Schneeräumen rechnerisch voneinander zu trennen. In seinen Abrechnungen lässt sich das nicht nachvollziehen. „Die Gebühren sind sogar noch weiter angestiegen“, moniert er. Er will weiter Briefe schreiben, „um für mein Recht zu kämpfen“.

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