Alle großen Hauptstraßen sind mittlerweile geräumt – aber in vielen kleineren Nebenstraßen ist’s weiter glatt.

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Das Ein- und Ausparken in der Platanenstraße ist für Anwohner Hafid Yousfi (29) zurzeit eine Herausforderung. Die Nebenstraße in der Elberfelder Südstadt (links) ist, wie auch die Sachsenstraße in der Nähe des Toelleturm, nicht vom Winterdienst geräumt worden.

Das Ein- und Ausparken in der Platanenstraße ist für Anwohner Hafid Yousfi (29) zurzeit eine Herausforderung. Die Nebenstraße in der Elberfelder Südstadt (links) ist, wie auch die Sachsenstraße in der Nähe des Toelleturm, nicht vom Winterdienst geräumt worden.

Andreas Fischer

Das Ein- und Ausparken in der Platanenstraße ist für Anwohner Hafid Yousfi (29) zurzeit eine Herausforderung. Die Nebenstraße in der Elberfelder Südstadt (links) ist, wie auch die Sachsenstraße in der Nähe des Toelleturm, nicht vom Winterdienst geräumt worden.

Wuppertal. Der ungewöhnlich harte Winter mit seinen Minusgraden bringt die Wuppertaler Mitarbeiter des Eigenbetriebs Straßenreinigung Wuppertal (ESW) mächtig ins Schwitzen. Seit den Schneefällen kurz vor Weihnachten haben die zirka 400 Einsatzkräfte der ESW bisher etwa 2500 Tonnen Streusalz auf Wuppertals Straßen verteilt, um dafür zu sorgen, dass der Verkehr nicht zum Erliegen kommt.

Bisher scheint das Konzept relativ gut aufzugehen, denn die Polizei hat - für diese Witterung ungewöhnlich - recht wenige Unfälle aufnehmen müssen. Ab Freitag soll es wieder schneien - und dann wird auch in Wuppertal mehr Salz benötigt. Derzeit haben die ESW noch zirka 500 Tonnen Salz auf Lager. "Wenn es am Wochenende kräftig schneit, dann könnten unsere Vorräte knapp werden", erklärt Hans Günter Dieckmann, Abteilungsleiter beim ESW.

Trotz des enormen Einsatzes der ESW-Mitarbeiter sind nicht alle Wuppertaler mit dem Winterdienst zufrieden. Marita Grobeis ist sogar sauer. Die Platanenstraße in der Elberfelder Südstadt, in der die 29-Jährige wohnt, ist immer noch voller Schneematsch. "Unsere Straße hat eine leichte Steigung, viele Anwohner kommen nicht mehr hinauf. Vor einer Woche hat es deswegen auch einen Blechschaden gegeben", klagt Grobeis, die meist in der angrenzenden Espenstraße parkt, damit sie ihren Wagen nicht festfährt.

"Wenn man hier ausparken will, dann drehen einem die Räder durch. Wofür bezahlen wir eigentlich Gebühren?"

Natale Di Stefano, Anwohner

Auch Nachbar Hafid Yousfi(29) ärgert sich über die Situation. "Hier gibt es ohnehin schon wenige Parkplätze. Autofahrer, die eine Lücke suchen, laufen Gefahr, einen Unfall zu bauen."

So wie die Platanenstraße sind noch einige kleinere Straßen im Stadtgebiet noch nicht vom Schnee befreit. Wer beispielsweise in den Nebenstraßen der Südhöhen einen Parkplatz sucht, der kann schon mal ins Rutschen geraten. Und auch rund um den Toelleturm ist eine Fahrt ohne Allrad fast unmöglich.

Der Winterdienst der räumt bei Schneefall zuerst die rund 600 Hauptverkehrsstraßen. Bei Bedarf werden diese Straßen bis zu dreimal von den Streufahrzeugen, die Flüssigsalz versprühen, befahren. Als so genannte Prioritätsstufe gelten die rund 1300 Neben- und Anliegerstraßen. Weil diese allerdings nicht so stark befahren werden, kann das Flüssigsalz dort nicht seine volle Wirkung entfalten. Einige reine Wohn- und Privatstraßen werden vom Räumdienst gar nicht angefahren.

nsgesamt sind rund 400 Mitarbeiter im Einsatz. Bisher wurden mit den 35 Streufahrzeugen rund 2500 Tonnen Salz verstreut. Bei erneuten Schneefällen könnte die verbleibenden Vorräte von etwa 500 Tonnen bald aufgebraucht sein. Mit Nachschub rechnet die ESW in der kommenden Woche.

In den meisten Baumärkten gibt es nur noch kleinere Restbestände an Streusalz. "Die Kommunen werden bei den Lieferungen bevorzugt. Dennoch rechnen wir in der kommenden Woche mit Nachschub", sagt Thomas Dohmen, Marktleiter bei Hornbach. Ähnlich sieht es im Hellweg Baumarkt aus. "Die Nachfrage nach Streusalz ist sehr groß. Doch im Moment bekommen wir keine Lieferungen", sagt ein Mitarbeiter. Auch im Obi-Markt gibt es nur vereinzelt noch Streusalz. Basaltsplit und Sand seien aber eine gute Alternative zum Salz und noch genügend vorrätig, sagt Geschäftsführer Matthias Wenskat.

Ähnlich sieht es auch in der Holsteiner Straße in Barmen aus. Die Oberfläche besteht aus einem Schnee-Eis-Gemisch. "Wenn man hier ausparken will, dann drehen einem die Räder durch. Wofür zahlen wir eigentlich Gebühren", schimpft Anwohner Natale Di Stefano (65).

Dieckmann versucht, die Bürger zu beruhigen. Auch die meisten Nebenstraßen seien bereits gestreut worden. "Dort wirkt das Flüssigsalz allerdings nicht so gut, weil die Straßen nicht so stark befahren werden." Marita Grobeis widerspricht: "Hier wurde bisher noch gar nichts gemacht. Ich habe mich auch schon beim ESW gemeldet, passiert ist aber noch nichts." Die Bürger bräuchten zurzeit schon Geduld, gibt Dieckmann zu. "Wir haben alle Hände voll zu tun."

Doch nicht nur ungeräumte Straßen ärgern einige Wuppertaler. Per E-Mail meldete sich WZ-Leser Dietmar Gräser und berichtet von der Bushaltestelle Lohsiepenstraße in Richtung Barmen, die aufgrund von Eisglätte kaum begehbar sei.

"Da können wir leider nichts machen."

Judith Birkenbach, Sprecherin der WSW, zur Räumpflicht von Eigentümern an WSW-Haltestellen.

Was viele nicht wissen: Für den Winterdienst an den meisten WSW-Haltestellen sind die Grundstückseigentümer zuständig. Judith Birkenbach, Sprecherin der Stadtwerke, sagt: "Nur etwa zehn Prozent der Haltstellen werden von uns geräumt, weil wir Eigentümer oder Pächter sind." Für die Haltestelle Lohsiepenstraße sei der dortige Eigentümer verantwortlich. "Da können wir leider nichts machen", meint Birkenbach.

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