Jürgen Scheugenpflug ist Wuppertaler Kabarettist und Leiter der Kabarett-Academy. In seinem satirischen Wochen-Rückblick kommentiert er Ereignisse aus dem Stadtleben.

Und wieder grüßt das Murmeltier Die Schlacht geschlagen und alles bleibt wohl beim Alten. Nachdem sich die geschlagenen Protagonisten - und das sind fast alle - die Worthülsen vom Mund abgewischt haben, wird jetzt für die Kulisse noch ein wenig rumverhandelt. Dann geht es weiter zur schwarz-roten Tagesordnung. Verloren hat sowohl der Bürger als auch die Demokratie, denn die Wahlbeteiligung spottete jeder Vorhersage.

Bezeichnend für den Enthusiasmus des Volkes am demokratischen Prozess war die Antwort eines Wahlhelfers auf die Frage im Wahllokal, wie die Beteiligung denn aussehe: "Eck bin froh, datt DU komms. Sonz säh et bitter aus!" Dabei hat sich zumindest eine Gruppierung nun wirklich große Mühe gegeben. So verschickte zum Beispiel die "Bildungsoffensive" wenige Tage vor dem Wahltermin persönlich adressierte Schmusebriefe an das gemeine Volk, deren intellektueller Inhalt Anstoß zum Nachdenken geben sollte.

Anlass zur Sorge gibt jedoch die Herkunft der Adressen und der geäußerte Verdacht vom widerrechtlichen Datentransfer. Empfänger waren nämlich insbesondere Mitglieder des Sportparks Wuppertal, wo auch ich meine alternden Muskeln stärke. Gerade dort, wo man früher eher auf dopinggeschädigte Luftpumpen zu treffen drohte, suchen heute der Jurist Dr. Köster und seine Mitstreiter ihre Wahlklientel. Die Frage, "warum hat die Bildung in Wuppertal eigentlich so wenige Freunde", die in übergroßen Lettern auf dem Flyer der Bildungsoffensive prangt, wurde jedenfalls klar beantwortet. Lediglich um die zwei Prozent der Wähler, damit also weniger als ein Prozent der Wahlberechtigten, fanden Gefallen an den hübschen Ideen der agilen Bürgerbewegung. Das bewegt sich gerade einmal in der Größenordnung einer mittleren Gymnastikgruppe.

In zwei Wochen wird nun der neue Bundestag gewählt und die Kandidaten haben ihre überaus ansprechenden Konterfeis an exponierten Stellen platziert. Nun kennt ja jeder das Phänomen, dass man auf älteren Bildern meist jünger aussieht. Dies trifft im Fall des Bundestagsabgeordneten Manfred Zöllmer allerdings nicht zu. Ob für diesen Jungbrunnen ein zur Retusche genutztes Bildbearbeitungsprogramm verantwortlich zeichnet, oder ob er sich an der Spree besonders gut erholt, bleibt Spekulation.

Zöllmer will jedenfalls weiter mit CDU-Kumpel Peter Hintze, der milde pastoral lächelt, eine entspannte Fluggemeinschaft bilden und - natürlich für Wuppertal - nach Berlin reisen. Die beiden freuen sich dann wieder auf ihr Wuppertal, denn bekanntlich wird die Heimat mit zunehmender Distanz immer schöner. Vielleicht hat das Duo sich aber auch an das beschauliche Sitzungs-Gleichmaß in der Bundeshauptstadt so gewöhnt, dass sie im fortgeschrittenen Alter ihren Biorhythmus nicht mehr umstellen möchten. Spätestens im Herbst ist nämlich im Tal Schluss mit lustig, Ehrenwort.

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