Die Branche boomt – 18 Konzessionen zum Betrieb von Büros für Sportwetten hat die Stadt seit dem Sommer erteilt.

Sportwetten
Sportwetten sind in Wuppertal wieder schwer angesagt – wie hier in einem Wettbüro an der Hochstraße, wo Mitarbeiter Claudio Bonifazi (links) einen Kunden berät.

Sportwetten sind in Wuppertal wieder schwer angesagt – wie hier in einem Wettbüro an der Hochstraße, wo Mitarbeiter Claudio Bonifazi (links) einen Kunden berät.

Andreas Fischer

Sportwetten sind in Wuppertal wieder schwer angesagt – wie hier in einem Wettbüro an der Hochstraße, wo Mitarbeiter Claudio Bonifazi (links) einen Kunden berät.

Wuppertal. Licht aus – Licht an. Als hätte es eine fünf Jahre dauernde Zwangspause nie gegeben, boomt die Branche der Büros für Sportwetten – abschätzig auch Wettbuden genannt – wieder in Wuppertal. 18 Konzessionen zur „Vermittlung von Sportwetten“ hat die Stadt Wuppertal in den vergangenen Monaten bewilligt – besser gesagt, bewilligen müssen.

EU-Urteil kippt das staatliche Wettmonopol

2006 hatte die Stadt unter Berufung auf das staatliche Wettmonopol alle Wettbüros schließen lassen. Dort flimmern jetzt wieder täglich von 6 Uhr morgen bis 1 Uhr nachts die Großbildschirme mit Sportübertragungen aus aller Welt. Im Sommer 2011 kippte ein Urteil der Europäischen Union das Wettmonopol und stärkte so die Position der Betreiber, die ihr Geschäft wieder aufnahmen und nun den Städten mit Schadenersatzklagen wegen der Verdienstausfälle in den zurückliegenden Jahren drohen. Auch auf die Stadt Wuppertal könnten Forderungen in Millionenhöhe zukommen.

„Juristisch entschieden ist zwar noch nichts, aber eine Handhabe gegen den Betrieb von Wettbüros hat die Stadt derzeit nicht“, erklärt Stadtsprecherin Kathrin Petersen. Während bei der Stadt Bochum schon Klagen vorliegen, trifft das auf Wuppertal noch nicht zu. Ein Musterprozess steht noch bevor.

Die Wettbranche beruft sich zudem auf das sogenannte Lotto-Urteil, das vor zwei Wochen vom Oberverwaltungsgericht Münster gefällt wurde. Nach Auffassung des OVG kann der Staat, der selbst aktiv für Lotto wirbt, nicht gleichzeitig andere Glücksspielformen mit dem Hinweis auf die Gefahren der Spielsucht verbieten.

Die bürokratischen Hürden zum Betrieb eines Büros für Sportwetten sind derzeit nicht allzu hoch: 20 Euro Gebühr kostet die Konzession, außerdem müssen lediglich die Geschäftsräume die baulichen Auflagen der Stadt erfüllen. Eine weitere Regel lautet: Der Abstand zwischen den Wettbüros soll mindestens 100 Meter betragen.

Wuppertaler Buchmacher ist über die Stadt verärgert

Die Investitionen der Betreiber scheinen gut angelegt, da die aktuellen Diskussionen über einen neuen Glücksspielstaatsvertrag, der zwischen Bund und Ländern im Dezember ausgehandelt werden soll, in Richtung Liberalisierung des Marktes zielen.

Aus Sicht des Cronenberger Buchmachers Michael Sieberts sind die Verhältnisse nun wieder zurechtgerückt. Seit 40 Jahren ist Sieberts als staatlich konzessierter Buchmacher im Geschäft. In seinem Büro an der Berliner Straße durfte er seit 2006 nur noch Pferdewetten annehmen. „Von einem Tag auf den anderen wurden mir damals die Sportwetten untersagt. Das war ungerechtfertigt, wie nun das EU-Urteil gezeigt hat“, sagt Sieberts, der darauf verweist, dass in seinen beiden Geschäften in Neuss der Betrieb ohne Einschränkung bei den Sportwetten weitergelaufen sei. Die Stadt Neuss habe vorsichtiger agiert.

Sieberts glaubt zu wissen, „dass sieben oder acht Betreiber in Wuppertal über Schadenersatzforderungen nachdenken.“ Er persönlich scheue sich, seine Heimatstadt Wuppertal zu verklagen, ausschließen will er diesen Schritt aber nicht. In seinem Fall gehe es um eine sechsstellige Summe. Dass sich Wuppertal angesichts des Booms der Wettbüros in ein kleines Las Vegas verwandeln könnte, schließt Sieberts aus. Der Markt werde sich nach einer Wachstumsphase selbst wieder regulieren.