Der 51-jährige Wuppertaler gab selbst zwei Schüsse zu. Zeugen widersprechen sich.

Im Prozess um die Schießerei auf dem Rathausmarkt in Viersen am 4. Juli vergangenen Jahres, bei der der 51-jährige Wuppertaler Seyho H. den Döner-Imbiss-Besitzer Ökkes B. am Rathausmarkt mit Schüssen verletzt hatte, sollten viele Zeugen für Aufklärung sorgen.

Aber: Es ist noch immer unklar, wie oft der Wuppertal auf den Döner-Besitzer geschossen hat. Zwei Schüsse hatte Seyho H. eingeräumt. Die Zeugen erinnerten sich an unterschiedliche Zahlen zwischen zwei und „vier bis fünf“.

Für Nebenklage-Anwalt Gerhard König war vor allem interessant, ob der Täter auch von hinten auf seinen Mandanten geschossen habe, als dieser bereits auf der Flucht gewesen sei. Das bestätigten einige der Zeugen, andere wiederum erinnerten sich überhaupt nicht an dieses Detail.

Auch bei der Beschreibung der Gangart gehen die Aussagen weit auseinander. Eine 26-jährige Hausfrau sprach von „Sprüngen wie in einem Cowboy-Film“, mit denen das Opfer versucht habe, den Schüssen auf die Füße zu entgehen. Andere bemerkten später, dass das Opfer humpelte, für andere war es ganz normal geflüchtet. Auch ob der Täter ebenfalls gelaufen oder eher „hinterher geschlendert“ sei, ließ sich nicht mehr klären.

Eine besondere Rolle spielte der Zeuge, der sich selbst dazu berufen hatte, Detektivarbeit zu leisten: Er beobachtete den Schluss der Verfolgungsjagd und rekonstruierte dann, wo denn eine mögliche Patronenhülse liegen müsse. Als er sie dann tatsächlich einen Meter vor dem Eingang des Geschäfts fand, hob er sie auf. „Ich habe doch nicht darüber nachgedacht, dass ich das nicht tun sollte“, entschuldigte er sich vor Gericht.

Er schilderte dem Gericht auch das Verhalten der Kontrahenten, als die Polizei bereits im Anmarsch war: „Das Opfer hat die ganze Zeit noch gestanden, erst als die Polizisten kamen, ist der Mann zusammengebrochen“, berichtete er. Und über den Angeklagten, auf den er noch einen Blick erhaschte, als dieser abgeführt wurde: „Der hat erleichtert gewirkt, sogar gelächelt.“