Zum Auftakt der Reihe waren unter anderem Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher und WZ-Chefredakteur Ulli Tückmantel zu Gast.

Zum Auftakt der Reihe waren unter anderem Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher und WZ-Chefredakteur Ulli Tückmantel zu Gast.
Helge Eikelmann, WZ-Chefredakteur Ulli Tückmantel, Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher, Marcus Kiesel, Horst Kläuser, Marcel-Melvin Kleinfeld und Mario Röllig (v.l.).

Helge Eikelmann, WZ-Chefredakteur Ulli Tückmantel, Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher, Marcus Kiesel, Horst Kläuser, Marcel-Melvin Kleinfeld und Mario Röllig (v.l.).

Andreas Fischer

Helge Eikelmann, WZ-Chefredakteur Ulli Tückmantel, Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher, Marcus Kiesel, Horst Kläuser, Marcel-Melvin Kleinfeld und Mario Röllig (v.l.).

Wuppertal. „Wie getz?!“ Noch eine Talkrunde in Wuppertal? Ja. Denn „Wie getz?!“ ist der Name des „etwas anderen Donners-Talks“, mit dem die Organisatoren und Moderatoren Marcus Kiesel und Helge Eikelmann am Donnerstag ihre Premiere im Elberfelder Kontakthof feierten. Etwas anders? Kiesel und Eikelmann wollen das Publikum mit einbeziehen. Wer den „Wie getz?!“-Button drückt, darf mittalken.

Die Gäste, die sich die Moderatoren eingeladen hatten, „weil wir sie interessant finden“, hatten auch dem Publikum Interessantes zu erzählen. Marcel-Melvin Kleinfeld etwa, ein junger Wuppertaler, der auf Facebook Furore gemacht hatte, weil er in dem Sozialen Netzwerk im Live-Video offen über sein Leben mit einer halbseitigen Bewegungsstörung (Cerebralparese) berichtet hatte. Im Gespräch mit Kiesel zeichnete der 21-Jährige seinen nicht immer einfachen Lebensweg nach, der dem ehrgeizigen Mann mittlerweile einen Job als IT-Techniker bei der Sparkasse beschert hat.

Um Weltpolitik ging es im Gespräch mit Horst Kläuser. Amerika habe sich verändert, aber die Leute, die Trump gewählt hätten, „die habe ich schon damals getroffen“, erinnerte sich der Ex-Amerika-Korrespondent des WDR. An Deutschland käme in Europa keiner vorbei, aber man müsse sich auch immer vergegenwärtigen, was um Deutschland herum passiere. „Das Einordnen ist wichtig“, betonte er, „das machen Populisten nicht. Bei Trump heißt es immer: America first.“

Fast ein Heimspiel hatte Birgitta Radermacher, Wuppertaler Polizeipräsidentin – auch wenn im Dialog deutlich wurde, dass sie immer „ein Kölsche Mädche“ bleiben wird. Viele Anekdoten gab die 60-Jährige preis. Ein wenig sprachlos war sie dann aber doch, als Kiesel sie mit einem Facebook-Gerücht konfrontierte, wonach Radermacher als Nachfolgerin für Dezernent Paschalis in Wuppertal gehandelt werde. Auch Nachfolgerin von Ralf Jäger werde sie wohl nicht, entgegnete sie schmunzelnd auf die nächste Frage.

Welche Rolle spielen Zeitungen eigentlich noch, in Zeiten von Facebook & Co.? Das war eine der Fragen, denen sich WZ-Chefredakteur Ulli Tückmantel stellen musste. Facebook sehe er kritisch, betonte er, als sich ein Zuschauer per „Wie getz?!“-Button einmischte. Man dürfe nicht vergessen, dass man auf einer Konzernplattform unterwegs, letztendlich das Produkt sei. Den Nutzern müsse man erstmal erklären, „was der Unterschied zwischen Nachricht, Propaganda, Werbung und Fake News ist“. Er habe den Eindruck, „dass in den letzten Jahren die Gerätekompetenz gewachsen ist, die Nachrichtenkompetenz nicht. Da müssen wir was machen. Aber das können Zeitungen nicht allein.“ Irgendwann werde das zum gesellschaftlichen Problem, so Tückmantel.

„Der Ost-Komplex“ heißt der Dokumentarfilm über Mario Röllig, der auf der jüngsten Berlinale gezeigt wurde. Weil Röllig sich als junger Mann geweigert hatte, für die Stasi zu spitzeln, wurde er massiv unter Druck gesetzt. Seine Flucht scheiterte, stattdessen kam er ins berüchtigte Gefängnis Hohenschönhausen und wurde schließlich ausgebürgert. Ein fesselndes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte, das gerade für die jüngeren Besucher im Kontakthof heute kaum vorstellbar war.

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