Kolumnist Uwe Becker über TV-Analysen bei der Fußball-WM.

Kolumnist Uwe Becker über die Entlassung Adolphe Binders.
Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Joachim Schmitz

Uwe Becker, 1954 in Wuppertal geboren, ist Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins Italien und Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic. Jeden Mittwoch schreibt er in der WZ über sein Wuppertal.

Mein persönlicher Verlierer bei der WM steht bereits fest: Holger Stanislawski, der „Taktik-Experte“ des ZDF. Wie er den Zuschauern gezeigt hat, wie der Mexikaner die Räume eng macht, und erklärt, wie sich Viererketten schnell mal zu Fünferketten verschieben, das war schon schlimm. Wäre unser Team im Turnier geblieben, dann hätte ich diesen ganzen langweiligen, uninteressanten und fachlich höchst bedenklichen Analysen-Quatsch mit Soße, diesen ganzen hirnrissigen Blödsinn, ja noch irgendwie ertragen, auch weil Halbzeitpausen überbrückt werden müssen. Aber in Wahrheit möchte ich nur 90 Minuten puren Fußball plus Nachspielzeit, und wenn es sein muss, auch noch mit Verlängerung und Elfmeterschießen.

Begrabt mein Herz

in Wuppertal

Allerdings verzichte ich gerne auf diese Erklärbären. Ich war selber aktiver Fußballer, mit einem großen Spielverständnis und einem starken Kopfballspiel, daher muss man mich auch nicht darüber in Kenntnis setzen, dass ein Mexikaner Toni Kroos in Manndeckung genommen hat – ich bin doch nicht blind, ich kann ein Spiel selber lesen! Wenn Stanislawski wenigstens mal zwischendurch einen Witz erzählt hätte, einen wie diesen, den kürzlich meine in Amsterdam (Holland) lebende Freundin Astrid Nolte auf Facebook postete: „Kasse im H&M: Eine Frau wirft ihrer Freundin, welche schon ganz vorne steht, ein Oberteil zum Mitbezahlen zu. DAS, liebe Mädels, ist ‚Abseits’!“ Aber nein, da werden lieber alle Spiele langweilig und ausgiebig zerredet.

Nun, viele von Ihnen denken jetzt, müsste denn Holger Stanislawski nicht über eine sehr hohe Fachkompetenz verfügen? Ja, das müsste er eigentlich, sieht man sich aber seine letzen beiden Trainerstationen in Hoffenheim und Köln an, dann kommt man aber zu dem Schluss, dass eine erfolgreiche Arbeit, vor allem im taktischen Bereich, anders aussieht. Nicht jeder Profi-Fußballer muss auch zwangsläufig ein hohes Fachwissen haben, um selbst als Trainer erfolgreich zu sein. Nehmen wir den ehemaligen „Bomber der Nation“, Gerd Müller, ein typischer Instinktfußballer, der nur immer zu richtigen Zeit am richtigen Ort war (Fünfmeterraum).

Man sollte jedoch bei aller Kritik an Holger Stanislawski berücksichtigen, dass der sogenannte „Taktik-Experte“ im Hauptberuf Leiter eines Lebensmittelmarktes in Hamburg-Winterhude ist. Als ich vor einigen Tagen deren Filiale in Wuppertal-Unterbarmen aufsuchen musste, weil ich einige lebensnotwendige Nahrungsmittel nicht mehr vorrätig hatte, stellte ich mir vor, Holger Stanislaswski sitzt im Schneidersitz auf der Kühltruhe und analysiert live meine Laufwege und mein Einkaufsverhalten: „Jetzt sehen Sie Uwe Becker am Obst- und Gemüsestand. Er greift den Blumenkohl und wirft ihn mit Effet auf die Waage. Dann macht er zwei, drei kleine, elegante Schritte mit dem Einkaufswagen, und steht völlig ungedeckt vor der Waage. Becker tippt blitzschnell die Blumenkohl-Nummer 54 ein, klebt das Etikett auf das Gemüse, und zieht souverän links an der Kühltruhe vorbei zum Pfandautomaten. Man kann jetzt gut sehen, dass Becker nicht überhastet agiert, sondern ruhig und präzise eine nach der anderen Pfandflasche in das schwarze Loch schiebt. Jetzt drückt Becker kurz die Bon-Taste und marschiert unaufhaltsam zur Kasse. Das ist absolute Weltklasse!“ Danke, Stanislawski.

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