Das Ensemble des Schauspiels spielt an verschiedenen Orten Wuppertals – mit offenem Programm. Das Format heißt „Schnappschuss“.

Das Ensemble des Schauspiels spielt an verschiedenen Orten Wuppertals – mit offenem Programm. Das Format heißt „Schnappschuss“.
Mit neuem Format vom Boden abheben: (v.l.) Peter Wallgram, Barbara Büschmann und Thomas Braus vom Schauspiel.

Mit neuem Format vom Boden abheben: (v.l.) Peter Wallgram, Barbara Büschmann und Thomas Braus vom Schauspiel.

Andreas Fischer

Mit neuem Format vom Boden abheben: (v.l.) Peter Wallgram, Barbara Büschmann und Thomas Braus vom Schauspiel.

Stell dir vor, du gehst ins Barmener Rathaus, betrittst den Paternoster – und bist nicht etwa auf dem Weg zu einem Beamten, der dir freundlich beim Behördengang weiterhilft, sondern Teil einer Theateraufführung. Genau das kann den Wuppertalern am 30. November ab 17 Uhr passieren. Der lange Behördendonnerstag wird dann einfach mal für ein neues Kind der Wuppertaler Bühnen genutzt. „Schnappschuss“ heißt es und verspricht „Einfach mal Szene gerade sein lassen!“.

Ratlos im Rathaus den Paternoster rauf und runter

„Wir wollen mit dem Schauspiel in die Stadt“, gibt Intendant Thomas Braus die Parole aus und beschreibt den Weg: „Es soll ein kleines, machbares und reizvolles Format sein, das an ungewöhnlichen Orten stattfindet, die wiederum vorgeben, was dort geschieht.“ Weshalb „Schnappschuss“ vor allem offen ist. Für weitere Spiel-Orte, für Inhalte, für Interaktion mit den Zuschauern. „Wir geben den Schauspielern nur die grobe Struktur vor. Von klassischer Weltliteratur bis Comic ist praktisch alles möglich“, erklärt Barbara Büschmann. Die Regieassistentin (und ausgebildete Schauspielerin) ist neben Regisseur Peter Wallgram für das neue Angebot des Wuppertaler Schauspiels verantwortlich. Wallgram erklärt, warum die Orte so wichtig sind: „Sie geben einen kreativen Impuls, wir gehen hin, lassen uns inspirieren. Vor Ort fällt uns dann ein, was wir machen wollen.“

Auf der Suche nach Orten in der Stadt kristallisierten sich schnell zwei Arten heraus, Kneipen und öffentliche Orte. Von da war der Weg zum Rathaus nicht mehr weit, das nun Martin Petschan, Konstantin Rickert, Thomas Braus und Alexander Peiler unter dem Motto „Ratlos im Rathaus“ bespielen. Braus: „Es wird improvisiert, vielleicht mit Textvorlage schnell, einmalig und nicht reproduzierbar.“ Dauer: etwa 60/70 Minuten. Ziel: (Junge) Leute erreichen, die sonst nicht ins Theater gehen, die „wir vielleicht auch vom Weihnachtsmarkt ins Rathaus lotsen“. Kleine Einschränkung wie reizvolle Herausforderung: Das Spiel muss in den Paternoster passen. Und das Publikum muss einer fahrbahren Bühne folgen. Weshalb die Schauspieler wohl auch Texte wiederholen, wenn der Kontakt zwischendurch abreißt.

Einmal im Monat soll es den „Schnappschuss“ geben, möglichst als feste Einrichtung und möglichst kostenlos – solange keine Kosten für die Orte anfallen. Der Aufwand ist jedenfalls klein. „Wir nehmen den Raum, so wie er ist, und bringen nur mit, was wir in die Taschen stecken können“, erklärt Braus.

Weitere Termine gibt es auch schon: Der zweite Schnappschuss findet am 14. Dezember in der Schankwirtschaft Marlene an der Hochstraße statt. Hier werden Philippine Pachl und Lena Vogt einen musikalisch-szenischen Abend (ab 21 Uhr) gestalten. Sie singen und performen Texte der österreichischen Autorin Stefanie Sargnagel, die über das Leben einer Callcenter-Mitarbeiterin schrieb. Bei „Schnappschuss“ drei steht bislang nur fest, dass er eine Lesung in der Mayerschen Buchhandlung (am Werth) am 18. Januar, 18.30 Uhr, sein wird. Derweil wird schon mal über den vierten „Schnappschuss“ (23. Februar) philosophiert. Der könne in einer Szene-Kneipe, einem Museum oder (natürlich) in der Schwebebahn über die Bühne gehen, regt Braus an, während Wallgrams Traum das Vereinsheim eines Kleingartenvereins ist. Vielleicht finde er aber auch an einem Ort statt, von dem man jetzt noch nichts wisse.

„Das wird sicher spannend“, freut sich der Intendant auf das Experiment, das natürlich auch scheitern könne und ganz sicher Zeit brauche, um sich zu etablieren, einen Bekanntheitsgrad zu erwerben. Das kenne er schon von seinen Lesungen in der Citykirche in Elberfeld. Wichtig ist ihm noch, dass die Zuschauer ins Spiel einbezogen werden können – wenn sie wollen. Aus diesen Begegnungen wiederum können sich neue Ideen ergeben. Theater habe immer auch mit Interaktion zu tun. Die Trennung Schauspieler – Publikum wie in der etablierten Guckkastenbühne sei nicht zementiert. Sein Versprechen lautet jedenfalls: „Wuppertal wird stückchenweise zur Bühne.“

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