Stephan Trutzenberg ist seit diesem Monat Leiter des Bergischen Veterinäramts. Mit der WZ sprach er über wilde Tiere in Wohngebieten.

Wenn Füchse in den Garten kommen, sollten dort wachsende Beeren besser nicht verzehrt werden.
Wenn Füchse in den Garten kommen, sollten dort wachsende Beeren besser nicht verzehrt werden.

Wenn Füchse in den Garten kommen, sollten dort wachsende Beeren besser nicht verzehrt werden.

Stephan Trutzenberg. Archiv

Karl-Joachim Lohkamp, Bild 1 von 2

Wenn Füchse in den Garten kommen, sollten dort wachsende Beeren besser nicht verzehrt werden.

Herr Trutzenberg, welche wildlebenden Tiere trauen sich in Wuppertal zu den Menschen?

Trutzenberg: Wildtiere, die sich in Städten verirren, sind vorwiegend Füchse, Marder, Wildschweine, Kaninchen, Fledermäuse und Waschbären. Auch Enten fühlen sich bisweilen in Gärten mit Teichanlagen wohl.

Wieso kommen diese Tiere in die Wohnbereiche?

Trutzenberg: Viele Städte wachsen von Jahr zu Jahr mehr in die angrenzenden Waldgebiete hinein und bieten den Wildtieren einen neuen, urbanen Lebensraum. Durch intensivierte land- und forstwirtschaftliche Nutzung werden die Tiere aus ihren ursprünglichen Lebensräumen verdrängt. Die Städte bieten ihnen ein umfangreiches Nahrungsangebot, vielfältigere Unterschlupfmöglichkeiten, geschützte Bereiche zur Aufzucht ihrer Jungtiere sowie ein warmes und trockenes Klima.

Wo genau leben die Tiere?

Trutzenberg: An den Stadträndern finden die Tiere in Flüssen und Stillgewässern, in Mülltonnen, auf Streuobstwiesen und in Vorgärten ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Zudem führt eine unzureichende Bejagung der Tiere zum Anstieg der Populationen in den Waldgebieten und damit werden die Ressourcen an Nahrungsmittel für die Tiere knapp.

Welche Krankheiten übertragen Wildtiere?

Trutzenberg: Krankheiten, die auf den Menschen übertragen werden können, werden als Zoonose bezeichnet. Hierzu zählen insbesondere die Tollwut, die vornehmlich von Füchsen oder von Fledermäusen und Mardern übertragen wird und der ebenfalls von Füchsen übertragene Fuchsbandwurm.

Wie stecken sich Menschen mit Zoonosen an?

Trutzenberg: Tollwut wird durch Biss auf den Menschen und andere Tiere übertragen. Allerdings ist Nordrhein-Westfalen seit längerer Zeit tollwutfrei, so dass das Risiko als gering einzuschätzen ist. Die letzten Tollwutfälle sind bei Fledermäusen festgestellt worden, die schon aus diesem Grund nicht angefasst werden sollten. Mit dem Fuchsbandwurm kann sich der Mensch durch den Verzehr von bodennahen Beeren anstecken. Die ansteckenden Eier werden mit dem Kot des Fuchses ausgeschieden. Daher sollten in Wald- oder Erholungsgebieten keine ungewaschenen Früchte verzehrt werden.

Wie schützt man sich?

Trutzenberg: Grundsätzlich sollte jeder Kontakt mit einem Wildtier vermieden werden. Auch sollten nur Beeren aus dem Garten verzehrt werden, die hinreichend durch eine Einfriedung vor dem Zugang von Füchsen geschützt sind. Sollte sich ein Tier in einem Stadtgebiet nähern, sollte man dieses nicht anfassen oder gar anlocken. Auch an Myxomatose erkrankte Kaninchen sind bisweilen sehr zutraulich und gerade Kinder neigen dazu, diese Tiere streicheln zu wollen. Myxomatose ist allerdings nicht auf den Menschen übertragbar, wohl aber auf ungeimpfte Hauskaninchen.

Was soll man tun, wenn man ein Wildtier auf seinem Grundstück findet?

Trutzenberg: Für den Fall, dass sich ein Wildtier im Garten verirrt hat, sollte es ganz in Ruhe gelassen werden. Meistens wandert es von alleine wieder ab. Der Waschbär gilt ohnehin als opportunistischer Flächennutzer und zieht regelmäßig weiter. Weiterhin ist es ratsam, die Tiere nicht zu füttern. Werden Essensreste gut verpackt entsorgt und die Mülltonnen im besten Falle unzugänglich für Tiere untergestellt – beispielsweise in der Garage oder in verschließbaren Mülltonnen-Schränken –, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Wildtiere Interesse an stadtnahen Gärten haben.

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