Im Haus der offenen Tür St. Bonifatius plädierte Dominik Schwaderlapp für den Erhalt solcher Einrichtungen.

Im Haus der offenen Tür St. Bonifatius plädierte Dominik Schwaderlapp für den Erhalt solcher Einrichtungen.
Pastor Dirk Baumgart (l.) und Weihbischof Dominik Schwaderlapp (2.v.l.) mussten sich Vasile (3.v.r.) und Alfio (r.) geschlagen geben.

Pastor Dirk Baumgart (l.) und Weihbischof Dominik Schwaderlapp (2.v.l.) mussten sich Vasile (3.v.r.) und Alfio (r.) geschlagen geben.

Gerhard Bartsch

Pastor Dirk Baumgart (l.) und Weihbischof Dominik Schwaderlapp (2.v.l.) mussten sich Vasile (3.v.r.) und Alfio (r.) geschlagen geben.

„Haushoch verloren“, musste Weihbischof Dominik Schwaderlapp eingestehen. Vasile und Alfio (beide 10) waren dem Team aus Weihbischof und Gemeindepfarrer Dirk Baumhof überlegen. Aber die Jungen hatten auch die größere Fangemeinde dabei: Der Kicker war umlagert von jungen Besuchern des Jugendhauses an der Varresbecker Straße.

Denn das ist montags bis donnerstags Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche aus der Umgebung. Sie bekommen Essen, Hilfe bei den Hausaufgaben und können an Kursen zum Malen, Basteln, Tanzen, Sport oder am Computer teilnehmen.

„Wir öffnen jetzt 16 Stunden in der Woche“, erklärt Leiterin Ana Quiles. Geplant waren nur 13, „aber der Bedarf ist da“, sagt sie. Das sähen sie daran, dass Kinder schon vor der Öffnung mittags vor der Tür stehen. „Das zeigt uns: Da gibt es Kinder, die wissen nicht, wohin.“ Sie stellten oft fest, dass Eltern mit eigenen Problemen beschäftigt sind, sich wenig um den Nachwuchs kümmern. Der findet dann im Jugendhaus geschützte Räume, andere Kinder und Betreuer, die bei schulischen und persönlichen Problemen zur Seite stehen.

Betreuerinnen hatten eine „tolle Kindheit“ im Jugendhaus

Daran erinnern sich auch Rosanna Maria Frazzetto (19) und Emanuela Cacciatore (18). Die eine ist heute Krankenschwester, die andere Abiturientin, beide sind ehrenamtliche Betreuerinnen im Jugendhaus, das sie selbst jahrelang besuchten. „Eine tolle Kindheit“, hätten sie hier gehabt, berichten sie. Hier hätten sie gespielt, an Ausflügen teilgenommen, Sport gemacht.

Beiden fehlte zuhause jemand, der bei den Hausaufgaben helfen konnte. Rosanna Maria Frazzetto wurde mit sieben Jahren von einer Lehrerin geschickt, weil ihr das Lesen schwerfiel. „Eine ehrenamtliche Helferin hat sich mit mir allein hingesetzt, damit ich lesen lerne“, berichtet sie noch immer beeindruckt. Bis sie das Lesen perfekt beherrschte.

An die Betreuer hätten sie sich auch wenden können, wenn es Stress mit den Eltern gab, sie etwas angestellt hatten und mit Aufklärungsfragen in der Pubertät. „Das Jugendhaus ist ein Zufluchtsort“, sagt Emanuela Cacciatore. Und Rosanna Maira Frazzetto sagt, ihre strengen Eltern hätten sie sonst nicht rausgelassen.

Von der Jugendarbeit ist auch Weihbischof Dominik Schwaderlapp überzeugt: „Es ist wichtig, dass es solche Einrichtungen gibt.“ Er war einer Einladung der Jugendlichen des Hauses gefolgt, denen er sich vor Jahren mal als Ansprechpartner angeboten hatte. Auf die schwierige Finanzierung der Jugendarbeit angesprochen sagt er: „Da müssen wir eine Lösung finden. Es kann nicht sein, dass in Zeiten florierender Wirtschaft der Schwarze Peter von A nach B geschoben wird. Wenn die Kinder auf der Straße herumhängen, wird es teurer.“

Mit so einem Angebot zeige sich christliches Engagement: „Die Botschaft ist, dass Christus jeden liebt“, betont er. Ihm gefällt auch die generationenübergreifende Arbeit in dem Haus, denn viele Ehrenamtler sind im Rentenalter – von den Köchinnen bis zu den Hausaufgabenbetreuern.

Leiterin Ana Quiles nutzte den Besuch, um den Weihbischof für die Situation der Jugendarbeit zu sensibilisieren: „Ich glaube, wir haben einen guten Fürsprecher gefunden.“

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