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Ein Kommentar von Martina Thöne.

Ein Kommentar von Martina Thöne.

Ein Kommentar von Martina Thöne.

Wuppertal. Es ist ein wahres Trauerspiel: Wo immer man derzeit in der Kultur-Republik über die Wuppertaler Bühnen spricht, ist vom Niedergang des Theaters die Rede. Das ist zunächst verständlich. Seit die Schließung des Schauspielhauses angedroht wurde, ist das Haus an der Kluse das Gesprächsthema Nummer eins - dahinter steckt die flächendeckende Angst, dass Wuppertal erst der Anfang ist. Doch wer redet eigentlich noch über einzelne Inhalte?

Die Bühnen schreiben zwar überregional Schlagzeilen, werden dabei jedoch kaum als Ort innovativer Experimente, sondern vor allem als möglicher Präzedenzfall wahrgenommen. Das zeugt von Anteilnahme, wird dem Programm in seiner Fülle aber nicht gerecht. In der ganzen Debatte um Gebäude, Kosten und Kürzungen sollte der Blick nicht nur oberflächlich dahin gehen, wo sich das Wesentliche abspielt: Entscheidend ist, was auf der Bühne passiert. Dort beweisen die neuen Intendanten, dass sie ihre erste gemeinsame Spielzeit keinesfalls langsam angehen oder als Warmlauf-Phase sehen.

Vor allem im Sprechtheater entwickelt sich eine neue Ästhetik. Während Zeitgenössisches in der Oper Tradition hat, konsequent weiterentwickelt wird und jüngst mit "Proserpina" ein frisches Glanzlicht setzte, hat man in der Sprech-Sparte lange nicht mehr eine derart geballte Offensive gesehen. Auch wenn nicht jedes Stück gleich gut ist, gilt doch unter dem Strich: Die Auswahl ist mutig.

Hut ab also vor den Schauspielern, die ein dichtes, nicht zuletzt körperlich anstrengendes Programm stemmen - trotz der äußeren Umstände. Dabei scheint es fast so, als habe die Debatte über die Existenzberechtigung des Theaters sogar etwas Befreiendes. Das Ensemble muss nicht (mehr) "gefallen", es geht an und - aus Sicht mancher Zuschauer - auch über Grenzen. Das ist gut so. Wuppertal braucht engagiertes Theater. Wuppertal hat es derzeit. Das sollte bedenken, wer mehr über die Zukunft als über die Gegenwart spricht.

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