Die frühere Rampe zur Bahnhofstraße fällt dem Döppersberg zum Opfer. Sie wird radikal gekürzt. Eine Namensrettung ist nicht in Sicht.

Vorläufig existiert die Immermannstraße nicht mehr – aktuell ist dort nur Baustelle.
Vorläufig existiert die Immermannstraße nicht mehr – aktuell ist dort nur Baustelle.

Vorläufig existiert die Immermannstraße nicht mehr – aktuell ist dort nur Baustelle.

Die Immermannstraße im Oktober 2016.

Andreas Fischer, Bild 1 von 2

Vorläufig existiert die Immermannstraße nicht mehr – aktuell ist dort nur Baustelle.

Elberfeld. Die Immermannstraße kann man heute noch entlangfahren. Virtuell geht es noch immer von der Bundesallee rechts ab, vorbei am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium und weiter, parallel zur Südstraße, in Richtung Sackgasse vor der Bundesbahndirektion. Alles bei Google Street View einsehbar. In der Realität ist davon nichts mehr übrig. Die Straße, die als Rampe zur Bahnhofstraße fungierte, wird heute nicht mehr gebraucht. Die Brücke zwischen Wall und Südstraße war bereits 2011 abgerissen worden – auch vor den Bildern von Google. Die Sackgasse war daraufhin als Parkplatz genutzt worden. Aber da die Bahnhofstraße im Zuge des Döppersberg Umbaus auf B7-Niveau gesenkt wird, braucht es die Rampe eben gar nicht mehr.

„Die Immermann-Straße hat gelitten. Immer ist etwas verschwunden.“
Hans Jürgen Vitenius

Was bleibt, ist laut Stadtsprecherin Martina Eckermann die Kurve zur Südstraße und ein Parkplatz mit neuem Asphalt und neuer Baumbepflanzung. Die Immermannstraße wird also radikal gekürzt. Damit geht dann die Immermann-Straße nach Karl Leberecht Immermann beinahe komplett verloren. Wenn es nach dem Bezirksbürgermeister Hans Jürgen Vitenius geht, muss es auch keinen Ersatz geben, keine Rettung. Einen Dialog dazu gebe es jedenfalls nicht. „Dort hat auch keiner gewohnt“, erklärt er das fehlende Interesse.

Es erklärt sich aber auch anders. Immermann war von 1835 bis 1836 Theaterleiter in Elberfeld. Er verlies die Stadt im Streit. „Mir war der Ort seiner grenzenlosen Gemeinheit wegen so ekelhaft geworden, daß [...] ich mir das Gelübde ablegte, nie hierfür anders als gezwungen in diesem infamen Nest weilen zu wollen“, schrieb er in sein Tagebuch.

Schon die erste Immermann-Straße, die es von 1906 bis 1988 gab, wurde durch den Ausbau der B 7 gekürzt und der Rest schließlich zum Heinrich-Kamp-Platz umgewidmet. So steht es in „Wuppertaler Straßennamen“ von Wolfgang Stock von 2010. Vitenius sagt: „Die Immermann-Straße hat gelitten. Immer ist etwas verschwunden.“ Die Rampe sei damals die Rettungsaktion gewesen. Jetzt hege Vitenius aber wenig Ambitionen, den Namen erneut zu retten.

Dabei wäre die BV Elberfeld dafür zuständig. Sie vergibt Namen für Straßen, bekommt Vorschläge dafür von Bürgervereinen, Parteien oder Bürgern, oder holt sich welche von der Verwaltung, wo eine lange Liste von Anwärternamen liegt.

Jüngst wurde der Weg zwischen Gleis 1 und der ehemaligen Bahndirektion nach Elisabeth Schniewind benannt. „Eine Idee der Grünen“, sagt Vitenius, die er sehr passend findet, unterstütze die Frau eines Industriellen doch die Gründung der Bahnhofsmission. In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Elberfeld wurde dem Juristen Martin Gauger die Brücke an der Gerichtsinsel zum Hofkamp gewidmet. Der Elberfelder hatte den Eid auf Hitler verweigert.

Viele neue Straßen, die noch benannt werden könnten – ob nach Immermann oder nicht – gebe es nicht, sagt Vitenius. „Mir fällt kein Zipfel in Elberfeld mehr ein, der keinen Namen hat.“

Das sollte sich aber bald ändern, sagt Martina Eckermann. Sie geht davon aus, dass es mit der Fertigstellung des Döppersbergs eine größere Vorlage geben wird. Die Veränderungen dort – neue Plätze, anders laufende Straßen – werden einige Neubenennung erforderlich machen. Dafür soll es dann ein zusammenhängendes Konzept geben.

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