Münster bleibt beim ADFC-Fahrradklimatest an der Spitze. Insgesamt bewerten die Radler ihre Städte meist nur mit „ausreichend“. Das hügelige Wuppertal hingegen macht in der Bewertung einen gewaltigen Sprung nach vorn.

Düsseldorf. Was tut meine Stadt für den Radverkehr, wie steht es um das Radwegenetz? Sind die Radwege breit genug, ist der Winterdienst ausreichend? Wie sicher fühle ich mich, wenn ich in meiner Stadt aufs Rad steige? Solche und weitere Fragen stellt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) regelmäßig Menschen, die mit dem Rad unterwegs sind. Der „Fahrradklimatest“, das sagen auch die Macher der vom Bundesverkehrsministerium unterstützten Studie, ist keine repräsentative Erhebung. Er sagt etwas über die gefühlte Fahrradfreundlichkeit der Städte.

Doch die große Zahl der Teilnehmer – bundesweit 120 000, allein in NRW 28 000, gibt schon ein brauchbares Bild. Und das ist ganz und gar nicht schmeichelhaft für die Kommunen, die durch eine Verbesserung der Bedingungen gerade in Zeiten von Elektrofahrrädern mehr Menschen aufs Rad bringen und damit sowohl die Verkehrsprobleme als auch die innerstädtischen Schadstoffausstöße verringern könnten.

Bei den Einzelergebnissen der Befragung wird unterteilt nach Größe der Stadt. Unsere Infografik – am Beispiel des bundesweiten Tabellenführers Münster – ist so zu lesen: Bei den größeren Städten mit einer Einwohnerzahl von mehr als 200.000 rangiert die westfälische Metropole auf dem ersten Platz von insgesamt 39 bewerteten Städten. Aber selbst die deutsche Fahrradhauptstadt wird am Ende nur mit einer Schulnote von 3,1, also einem knappen „befriedigend“ bewertet. Kritikpunkte der Befragten: häufiger Fahrraddiebstahl, häufige Konflikte mit Kfz, schmale Radwege.

Viele Städte nur mit "ausreichend" bewertet

In unserer Region haben die Befragten meist nur ein „ausreichend“ bei der Bewertung der Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt gegeben. Wuppertal macht immerhin einen gewaltigen Sprung nach oben. Während die Stadt 2012 noch auf dem letzten Platz der großen Städte landete, sprang sie 2014 bereits auf Platz 32 und jetzt sogar auf Platz 16. Daniel Wegerich, Geschäftsführer des ADFC NRW: „Der Positiveffekt der Nordbahntrasse wirkt nach und es zeigt sich, dass bürgerschaftliches Engagement den Radverkehr der ganzen Stadt euphorisieren kann.“ Die 23 Kilometer lange Nordbahntrasse sei ein Highlight, doch sei damit noch lange nicht das gesamte Stadtgebiet fahrradfreundlich. Die Befragten kritisieren in Wuppertal schlechte Ampelschaltungen für Radfahrer und schlechte Führung an Baustellen.

Eben diese Kritikpunkte haben die Radler auch in Düsseldorf. Sie loben aber das gute Angebot öffentlicher Leihfahrräder und dass viele Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet sind. In Krefeld betonen die Befragten zwar die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad, kritisieren aber unter anderem holprige und unebene Radwege. Und, dass Falschparker auf Radwegen nur selten ein Knöllchen bekommen.

Die bergischen Städte Solingen und Remscheid sehen sich mit identischer Kritik konfrontiert: kaum Winterdienst auf Radwegen, kein oder nur ein geringes Angebot öffentlicher Leihfahrräder und schlechte Ampelschaltungen für Radfahrer.

Das große Thema eines fehlenden Sicherheitsgefühls ist Grund dafür, dass Aachen bei den großen Städten von Rang 16 auf Rang 30 abrutschte. Der ADFC hat dafür folgende Begründung: Die Fahrradfahrer werden viel zu eng überholt, Das schüre Ängste, denn das Sicherheitsempfinden spiele eine entscheidende Rolle bei der Fahrradfreundlichkeit einer Stadt.

Wenn Radfahren zur Chefsache wird

Der ADFC stellt fest, dass es immer nützlich sei, wenn der jeweilige Bürgermeister das Radfahren zur Chefsache macht. Der Fahrradclub bietet den Kommunen Mithilfe bei der Verbesserung der Fahrradfreundlichkeit an. Dafür müsse man sich aber auch, wie es Geschäftsführer Wegerich sagt, zu einer Umverteilung bekennen: „Dem fahrenden und ruhenden Auto muss Raum genommen werden – zugunsten des Fahrrads.“ Die Ergebnisse im Detail: fahrradklima-test.de

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