Die Tafel besteht seit 15 Jahren. Anders als zu Beginn ihrer Arbeit ist Armut heute in Wuppertal weit verbreitet.

Wuppertal. Die aktuelle Diskussion um Hartz IV und die - laut Guido Westerwelle - vorherrschende "spätrömische Dekadenz" unter Arbeitslosen kann Wolfgang Nielsen nicht mehr hören. Denn bei seiner täglichen Arbeit als Vorsitzender der Wuppertaler Tafel erlebt er das Gegenteil: "Wir müssen den Leuten klar machen, dass sie sich nicht schämen müssen, zu uns zu kommen." Auch nach 15Jahren Wuppertaler Tafel - die Sozialeinrichtung feiert in diesen Tagen Jubiläum - gibt es immer noch Menschen, die sich nicht trauen, zur Tafel zu gehen. Nielsen spricht in diesem Zusammenhang von "verschämter Armut", von Rentnern, die er gerne mit warmen Mahlzeiten versorgen würde, die er aber nie zu Gesicht bekommt.

Als vor 15 Jahren die Wuppertaler Tafel aus dem Sozialkaufhaus "Allgemeinen Hilfskreis" hervorging, stand Wolfgang Nielsen noch vor viel grundlegenderen Problemen: "Wir hatten damals viele Helfer, aber noch nichts zu verteilen." Erst langsam erklärten sich Lebensmittelhändler, Bäcker und Betriebskantinen bereit, der Tafel Essen zu spenden. Denn Armut war 1995 noch ein absolutes Tabuthema, so Nielsen. "Wir sind froh, dass heute alle Parteien anerkennen, dass es Armut in Wuppertal gibt."

Forscher: Angebot der Wuppertaler Tafel ist "Vorbild" für andere Städte

Mittlerweile ist die Tafel gewachsen. Besonders das ganzheitliche Angebot unterscheidet die Wuppertaler Tafel von ähnlichen Einrichtungen in anderen Städten: Medimobil für die gesundheitliche Grundversorgung, Kindertafel für die Kleinen, Büchermarkt und ein Möbelhaus für die Wohnungseinrichtung. Entsprechend bescheinigt der "Tafelforscher" Konstantin von Normann der Wuppertaler Einrichtung extrem professionelle Arbeit. Der Ökonom und Soziologe hat die Geschichte der deutschen Tafeln untersucht und betont: "Das umfassende Angebot ist heute noch Vorbild für viele andere Städte."

» Eine Ausstellung zur Arbeit der Tafel in den vergangenen 15 Jahren ist in ihrem Gebäude der Tafel am Rauen Werth 18 ist noch bis morgen, 18 Uhr, zu sehen.

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