Bei sinkenden Arbeitslosenzahlen steigt die Soziallast der Stadt, da immer mehr Menschen nicht von ihrer Arbeit leben können.

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Für immer mehr Wuppertaler reicht das Arbeitseinkommen nicht aus.

Für immer mehr Wuppertaler reicht das Arbeitseinkommen nicht aus.

dpa

Für immer mehr Wuppertaler reicht das Arbeitseinkommen nicht aus.

Wuppertal. Jobcenter heißt die Arge Wuppertal seit dem 1. Januar (die WZ berichtete). Die Umbenennung, die aus gesetzlichen Gründen erforderlich war, hat keine Folgen für die Kunden des Jobcenters. Und sie löst aus Sicht der Betroffenen leider auch nicht die strukturellen Probleme, die auf dem Wuppertaler Arbeitsmarkt weiterhin bestehen. Dennoch blickt Thomas Lenz, Geschäftsführer der Arge-Nachfolgeeinrichtung Jobcenter, zufrieden auf die Entwicklung im vergangenen Jahr zurück und wagt einen optimistischen Ausblick.

9770 Menschen in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt

Wuppertal hat vom allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung profitiert. Nach Angaben von Thomas Lenz konnten im vergangenen Jahr 9770 Menschen in Wuppertal in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden, die Zahl der beim Jobcenter betreuten Arbeitslosen ging 2010 um 433 auf 15 024 zurück. Ein positiver Trend, der bei einer weiteren Erholung der Wirtschaft auch 2011 anhalten sollte. 1000 Fortbildungen und Umschulungen seien finanziert worden – Maßnahmen, die in dieser Größenordnung auch für das laufende Jahr angepeilt werden, denn so soll dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel aufgrund des demografischen Wandels (Wuppertals Bevölkerung altert) begegnet werden.

„Es ist Bewegung in das System gekommen“

Martin Klebe, Arbeitsagenturchef

„Es ist Bewegung in das System gekommen“, sagt Martin Klebe, Arbeitsagenturchef und Vorsitzender der Trägergesellschaft des Jobcenters, und verweist auf die gestiegenen Vermittlungszahlen auch bei Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen hin. Eine Stagnation gibt es allerdings bei Arbeitslosen im Alter über 55 Jahren.

Einen Tropfen Wasser in den Wein goss bei der Vorstellung der Jahresbilanz Stefan Kühn, Sozialdezernent der Stadt, mit Hinweis auf die gestiegene Zahl der Bedarfsgemeinschaften. Als Bedarfsgemeinschaften gelten eine oder mehrere Personen, die auf finanzielle Unterstützung durch das Jobcenter angewiesen sind – unabhängig davon, ob sie auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sind oder nicht. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften stieg bis Ende Dezember 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent auf 24 048, gleichzeitig nahm die Zahl der Hilfsbedürftigen leicht auf 45 437 zu.

Als Hauptgrund, warum es trotz sinkender Arbeitslosenzahlen mehr Bedürftige gibt, nannte Kühn den „doppelten Skandal“ durch die sogenannten Aufstocker. „Der erste Skandal ist, dass wir zulassen, dass Menschen einer vollen Beschäftigung nachgehen und am Monatsende nicht das Existenzminimum verdient haben. Der zweite Skandal ist, dass wir mit Steuermitteln die Wirtschaftsunternehmen subventionieren, die solche Löhne zahlen“, sagte Stefan Kühn. Im August 2010 bezogen 7943 Beschäftigte neben ihrem Gehalt auch Sozialleistungen. 2009 waren es 7159.

Neue Internetadresse des Jobcenters Wuppertal

Die bisherigen Adressen und Telefonnummern behalten ihre Gültigkeit. Die Internetadresse:

www.jobcenter.wuppertal.de

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