Vor 75 Jahren zogen 40 Wuppertaler in den Spanischen Bürgerkrieg. Sie wollten den in Deutschland bereits verlorenen Kampf gegen die Nazis nachholen. Für einige war es der Beginn einer großen politischen Karriere.

Die Batteria Dimitroff der Internationalen Brigaden im Jahr 1937. Die Brigaden bestanden aus Freiwilligen aus 57 Ländern.
Die Batteria Dimitroff der Internationalen Brigaden im Jahr 1937. Die Brigaden bestanden aus Freiwilligen aus 57 Ländern.

Die Batteria Dimitroff der Internationalen Brigaden im Jahr 1937. Die Brigaden bestanden aus Freiwilligen aus 57 Ländern.

privat

Die Batteria Dimitroff der Internationalen Brigaden im Jahr 1937. Die Brigaden bestanden aus Freiwilligen aus 57 Ländern.

Die Ankunft in Spanien ist Helmut Kirschey ewig im Gedächtnis geblieben. Als er am 28. Juli 1936 nach einer wochenlangen Reise an der Grenze ankommt, ist er überwältigt. Hunderte Menschen stehen dort in ihrer Arbeitskleidung, haben Gewehre auf dem Rücken und empfangen die Freiwilligen. Sie jubeln und klatschen, umarmen und küssen die Neuankömmlinge.

Endlich, denkt sich der Elberfelder Kirschey, endlich ist er dort angekommen, wo er gegen den Faschismus kämpfen kann, der sich gerade rasend schnell in Europa ausbreitet. Deutschland, Italien und Portugal sind bereits unter der Herrschaft der Rassisten, doch in Spanien kämpfen die Arbeiter bewaffnet gegen den Militärputsch des faschistischen Generals Franco.

Als Kirschey und Fritz Benner die jubelnden Massen an der Grenze sehen, „fingen wir aus Begeisterung an zu weinen. Und das erste, an was wir dachten: So hätten wir es in Deutschland machen müssen“, hat Kirschey die damaligen Bilder auch noch 1989 im Kopf, als er mit dem Dokumentarfilmer Volker Hoffmann für die Dreharbeiten zum Film „A las Barricadas“ an die Orte zurückkehrt, an denen er gut 50 Jahre zuvor im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte.

Zweieinhalb Jahre lang lebte Kirschey illegal in den Niederlanden

So freudig Kirschey vom Empfang der Genossen erzählt, so wenig verklärt er die Kampfhandlungen. Auch Jahre danach sieht er den Krieg nur als Mittel gegen die Faschisten, nie als gewaltverherrlichenden Selbstzweck. Doch als die Meldungen vom Putschversuch der spanischen Faschisten gegen die demokratische Republik Anfang Juli 1936 bis zu Kirscheys niederländischem Exil vordringen, gibt es kein Abwägen. Die Anarchisten machen sich sofort auf den Weg.

Von Amsterdam aus – wo sie zuvor zweieinhalb Jahre illegal und in ständiger Angst, von den Behörden entdeckt und an die Deutschen ausgeliefert zu werden, gelebt hatten – geht es abseits der offiziellen Wege in den Süden. Heute vor 75 Jahren kommen sie in Spanien an. In den folgenden Wochen und Monaten erreichen zehntausende Freiwillige Spanien, darunter 3000 Deutsche. Allein aus Wuppertal sind es 40 Sozialdemokraten, Sozialisten, Anarchisten und Kommunisten, die sich 1936 aufmachen, um den Faschismus aufzuhalten.

Interne Machtkämpfe: Republikaner waren keine homogene Einheit

Der Spanische Bürgerkrieg tobte von Juli 1936 bis April 1939. Er endete mit dem Sieg der Faschisten um General Franco über die Zweite Spanische Republik. Franco konnte seine Diktatur von 1939 bis zu seinem Tod 1975 aufrecht erhalten. Neueste Forschungen sprechen von mehr als 300 000 Toten, weitere 400 000 Menschen flohen. Noch heute liegen etwa 35 000 Leichen in anonymen Massengräbern.
 

Auf der einen Seite kämpften die demokratisch gewählte Regierung der Spanischen Republik und ihre Unterstützer. Auf der anderen Seite kämpften die Putschisten – Militärs, Monarchisten, alte Eliten und die katholische Kirche – unter dem faschistischen Franco.
 

Da der Bürgerkrieg mitten in die ideologischen Kämpfe der 20er und 30er Jahre hineinfiel, erhielten beide Seiten Unterstützung aus dem Ausland. Die Republik wurde von Sozialdemokraten, Sozialisten, Anarchisten und Kommunisten aus Europa und Südamerika sowie durch Geld und Waffen der Sowjetunion unterstützt. Francos Truppen bekamen (militärische) Hilfe von den Regierungen in Deutschland, Portugal und Italien.
 

Für das Deutsche Reich bot der Krieg die Chance, den sich vermeintlich ausbreitenden Bolschewismus aufzuhalten. Gleichzeitig war er ein Experimentierfeld für die eigene Luftwaffe. Exemplarisch dafür steht die Zerstörung der baskischen Stadt Guernica am 26. April 1937. Pablo Picasso widmete der zerstörten Stadt eines seiner berühmtesten Gemälde.
 

Die Wahl 1936 gewann ein Bündnis aus Republikanern, Liberalen, Anarchisten und Kommunisten. Die rechte Minderheit gestand ihre Niederlage ein, erkannte die Republik aber nicht mehr an. Streiks, Straßenkämpfe und Terror prägten die nächsten Monate. Der Staat sah machtlos zu. So konnten die Militärs offen ihren Putsch vorbereiten.
 

Es ist eine illustre Auswahl aus dem linken Spektrum Wuppertals, die vor 75 Jahren der Traum von einer besseren, klassenlosen Gesellschaft eint. Für viele ist der Gang nach Spanien auch eine Flucht vor den Gefängnissen und Folterkellern der Nazis, die mehr als 1000 ihrer Genossen 1935 durch die weltweit beachteten Gewerkschaftsprozesse erleiden müssen. Dennoch ist die Truppe keine homogene Einheit. Der Feind ist zwar derselbe, doch die Ideologien und Hintergründe der Antifaschisten sind teilweise grundverschieden.

„Das erste, an was wir dachten: So hätten wir es in Deutschland machen müssen.“

Helmut Kirschey nach seiner Ankunft an der spanischen Grenze

 

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Artikels.

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