Künstler und Galerie Grölle pass:projects haben sich über die Stadt hinaus einen Namen gemacht.

Künstler und Galerie Grölle pass:projects haben sich über die Stadt hinaus einen Namen gemacht.
Jürgen Grölle in seiner Galerie Grölle pass:projects. Heute wird die Ausstellung „cut/uncut“ mit Arbeiten von Volker Saul eröffnet.

Jürgen Grölle in seiner Galerie Grölle pass:projects. Heute wird die Ausstellung „cut/uncut“ mit Arbeiten von Volker Saul eröffnet.

Andreas Fischer

Jürgen Grölle in seiner Galerie Grölle pass:projects. Heute wird die Ausstellung „cut/uncut“ mit Arbeiten von Volker Saul eröffnet.

Als junger Mann hat er beschlossen, dass sein Leben aus drei Phasen bestehen solle. Eine zum Träumen, eine zum Denken und eine zum Handeln. „Geträumt habe ich lange, ab 20 habe ich in meinen Bildern und meiner Musik gedacht, mit der Galerie kam das Handeln. Mein Lebensprojekt sozusagen“, sagt Jürgen Grölle. Vor gut sieben Jahren hat der Wuppertaler Phase drei eingeläutet, in einem ehemaligen Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert. Wo mit Eisenwaren gehandelt wurde, will die Galerie Grölle pass:projects Plattform für aktuelle künstlerische Haltungen sein.

Wuppertaler

Kunst(t)räume

Was macht man, wenn man vielseitig interessiert ist, Kunst und Wissenschaft mag, durch den Großvater, der eine Schreinerei besaß, handwerklich und unternehmerisch „vorbelastet“ ist? Jürgen Grölle (Jahrgang 1958) probierte alles aus. In der Schule schon malte er gern und gut, absolvierte aber ab 1976 eine Lehre zum Elektroanlagenelektriker bei Bayer, um dann das Fachabitur für Kunst und Gestaltung nachzuholen und ab 1981 Kommunikationsdesign an der Wuppertaler Uni zu studieren. Schon damals spielte er Saxophon, gründete die Band „Don“ und beschäftigte sich bei einem Studienaufenthalt in Wien mit multimedialen Projekten. Wieder in Wuppertal organisierte er Festivals, zu denen – dank seiner Freundschaft mit dem bekannten Musiker Peter Kowald – auch internationale Gäste kamen. Und er malte, fand Galeristen, die seine Bilder verkauften, machte Ausstellungen. Ende der 90er Jahre gelang ihm der Sprung in die USA – „es ging ab, ich hatte dort Einzelausstellungen, verkaufte gut“, erinnert er sich.

180 Quadratmeter Fläche mit 4,80 Meter hohen Decken

Die nächste Wende kam nach dem Jahrtausendwechsel: Grölle kaufte in Wuppertal ein Haus, das er selbst sanierte, und „rutschte in die Jugendarbeit rein“: Als VHS-Dozent kümmerte er sich um schwer vermittelbare Jugendliche und Arbeitslose. „Das machte viel Spaß. Damals kam der Gedanke auf, dass ich gut vermitteln kann. Außerdem fehlte mir die Kunst.“ Und weil Grölle nicht um sich selbst kreisen wollte, sondern „mit vielen Künstlern etwas gestalten wollte“, nahm der Galerien-Gedanke Gestalt an. Als Ort für zeitgenössische Kunst, Veranstaltungen, Projekte, Café und vieles mehr.

180 Quadratmeter Fläche hat Grölle pass:projects in der 4,80 Meter hohen Halle in Arrenberg, der Blick durch die hohen Fenster fällt auf die Wupper. Wer die Schwebebahn nutzt, kann in die Galerie spähen. Seit Oktober 2016 gibt es „Raum 2“, wo auf hundert Quadratmetern ab heute die jungen Künstlerinnen Olga Grigorjewa und Henrike Pilz ihre Arbeiten („Stereo“) zeigen. Ein junges Team koruatiert – professionelle Nachwuchsförderung und Scoutarbeit in einem. Im großen Raum wird zeitgleich „cut/uncut“ mit Papierarbeiten des Kölners Volker Saul eröffnet, die 2017 entstanden sind: farbige Din-A3-große Collagen, die Produkt bewusster Entscheidung aber auch des Zufalls sind und gut zu Grölle selbst passen: „Mich interessiert der Punkt, an dem sich zum Beispiel eine Pflanze nach links oder rechts bewegt.“ Dahinter steht ein Ausstellungskonzept, das „Typen mit Haltung“ zeigen will, die die „Komplexität unserer heutigen Zeit“ reflektieren und künstlerisch verarbeiten.

Grölle steht zu Wuppertal, holt Künstler aus der ganzen Welt in die Stadt, mit denen er nur zu gern auf einer Sightseeingtour geht, schickt umgekehrt deutsche Künstler ins Ausland. Die (inter-)nationale Vernetzung und Anerkennung hat auch die Finanzen verbessert, Grölle muss die Galerie nicht mehr durch Dozentenjobs absichern. Nur schade, dass er als Künstler dabei zu kurz kommt. Aber das muss ja nicht so bleiben.

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