Früh übt sich, wer im Straßenverkehr den Überblick behalten will. Mit dem Projekt "Siehst du mich?" will die Polizei für mehr Sicherheit für die jüngsten Verkehrsteilnehmer sorgen. Dabei sind auch Erkenntnisse bei den Eltern wichtig.

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Staunende Eltern: Ein Aufprall bei „nur“ 30 Stundenkilometern kann bei Kindern tödlich enden.

Staunende Eltern: Ein Aufprall bei „nur“ 30 Stundenkilometern kann bei Kindern tödlich enden.

Andreas Fischer

Staunende Eltern: Ein Aufprall bei „nur“ 30 Stundenkilometern kann bei Kindern tödlich enden.

Wuppertal. Klaus Jacobs lenkt den Cronenberger Bürgerbus an den Straßenrand und öffnet die Tür: "Danke, dass sie so langsam gefahren sind", sagt ein kleiner Junge in einer neongelben Weste und hält dem Busfahrer einen gelben Smiley entgegen - den bekommt Jacobs für seine vorbildliche Fahrweise. Weit unter der vorgebenen Geschwindigkeitsbegrenzung näherte er sich mit dem Bürgerbus dem Kindergarten. Autofahrer, die zu schnell fahren, bekommen zwar auch einen Smiley von den Kindern überreicht, aber dessen Mundwinkel zeigen nach unten.

Vorführung: Dummy Holger muss wieder einmal dran glauben

Im Rahmen der Aktion "Sicher Ankommen" will die Polizei mit dem Projekt "Siehst du mich?" für mehr Sicherheit für die jüngsten Verkehrsteilnehmer sorgen.

In Anwesenheit von Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher lernten gestern aber nicht nur die Kindergartenkinder und Bürgerbusfahrer Verhaltensregeln für den Straßenverkehr. Auch die Eltern wurden in die Verkehrserziehung ihrer Schützlinge miteinbezogen. Dabei kam wie immer Dummie Holger zum Einsatz.

Die Eltern, obwohl bereits versierte Autofahrer, staunen nicht schlecht, als die kopflose Puppe in Kindergröße von einem Auto erfasst und mehrere Meter über die Straße geschleudert wird - bei einer Geschwindigkeit von "nur" 30 Stundenkilometern. "Bereits in diesem Fall können wir mit tödlichen Verletzungen rechnen", erklärt Holger Lehmann, Leiter der Verkehrsunfallprävention der Wuppertaler Polizei. Und wie schnell ist es passiert, dass ein Kind stolpert und auf die Straße fällt, meint Jessica Pacifico. Die Mutter zweier Kinder bringt ihre Tochter zu Fuß zum Kindergarten und will - nach der eindrucksvollen Dummie-Vorführung - selbst noch mehr darauf achten, in der Nähe von Schulen und Kindergärten aufmerksamer zu sein. Das wünscht sie sich für ihre Kinder ebenfalls von anderen Autofahrern. Da hilft nur "Weiterempfehlen, Weitererzählen", sagt Birgitta Radermacher. Und genau das soll die Aktion "Siehst du mich?" der Polizei leisten: Die Eltern sollen nicht nur über eigenes Fahrverhalten nachdenken, sondern ihren Freunden und Bekannten von Dummie Holger und seinem Schicksal berichten.

Verkehrserziehung in jungen Jahren mit erhofftem Langzeiteffekt

Die vier- bis sechsjährigen Kinder hingegen, so hofft Kindergartenleiterin Petra Beck, achten mehr auf den Straßenverkehr und werden später nicht selbst zu Rasern. Denn besonnene Fahrer wie Klaus Jacobs gibt es zu selten. Überhöhte Geschwindigkeit aber ist noch immer eine der Hauptursachen von Unfällen.

In diesem Jahr waren 111 Kinder in Wuppertal in Unfälle verwickelt. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 158.

In dieser Woche hat die Polizei Wuppertal mit "Siehst du mich?" schon mehr als 2000 Kinder in den Wuppertaler Kindertageseinrichtungen und Grundschulen erreicht. Die Vorbereitung fand durch die Erzieherinnen und Erzieher vor Ort statt. Zum Abschluss der Aktion bekamen alle Kinder einen grünen Reflektor in Form eines Berliner Ampelmännchens überreicht.

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