Verkaufsoffener Sonntag im Oktober 2015 in Elberfeld. Die Straße sind voll. Daniel Kolle will den in Arbeitnehmerkreisen nicht sonderlich beliebten Sonntagsverkauf verhindern.
Verkaufsoffener Sonntag im Oktober 2015 in Elberfeld. Die Straße sind voll. Daniel Kolle will den in Arbeitnehmerkreisen nicht sonderlich beliebten Sonntagsverkauf verhindern.

Verkaufsoffener Sonntag im Oktober 2015 in Elberfeld. Die Straße sind voll. Daniel Kolle will den in Arbeitnehmerkreisen nicht sonderlich beliebten Sonntagsverkauf verhindern.

Schwartz, Anna (as)

Verkaufsoffener Sonntag im Oktober 2015 in Elberfeld. Die Straße sind voll. Daniel Kolle will den in Arbeitnehmerkreisen nicht sonderlich beliebten Sonntagsverkauf verhindern.

Wuppertal. Daniel Kolle ist ein unermüdlicher Kämpfer für die Rechte der Arbeitnehmer. Und sowohl die als auch die Dienstleistungsgesellschaft Verdi sollten sich glücklich schätzen, einen solchen Streiter in ihren Reihen zu wissen. Scharfsinnig und scharfzüngig vertritt Kolle die Interessen seiner Klientel. Selbst die kleinste Auswirkung eines Urteiles entgeht ihm nicht. Deshalb konnte er sagen, dass der Stadtrat verkaufsoffene Sonntage für den Winter nächsten Jahres womöglich nicht genehmigen kann, bis die Frage nach der europaweiten Ausschreibung der Weihnachtsmärkte in Elberfeld und Barmen abgeschlossen ist.

Denn Art und Umfang der Sonderöffnungszeiten hingen auch von dem ab, was der künftige Betreiber aus den Märkten machen. So zumindest interpretiert Kolle einen Entscheid des Münsteraner Verwaltungsgericht. Die Ausschreibung der Wuppertaler Weihnachtsmärkte ist zwar noch nicht beschlossene Sache. Aber einiges spricht dafür, dass auf diesem Wege ein neuer Veranstalter gesucht werden soll. Sei’s drum.

Viel entscheidender ist doch das Anliegen, das hinter Kolles Hinweis steht. Er will den in Arbeitnehmerkreisen nicht sonderlich beliebten Sonntagsverkauf verhindern. „Am Sonntag gehört der Papa mir“ war einst schließlich ein zentrales Anliegen der Gewerkschaften. Weitgehend ist das inzwischen auch wahr geworden.

Abgesehen davon, dass in Zeiten grenzenlosen Handels per Computer 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche derlei Ideologiekeulen ein bisschen gestrig anmuten, ist die Sache dennoch ein paar Gedankengänge wert. Durch den Rund-um-die-Uhr-Betrieb der sogenannten Online-Shops hat es der lokale Einzelhandel ungleich schwerer als noch von zehn, 20 Jahren. Insofern ist es verständlich, dass er um jede Ausnahme von der Regel buhlt. Das Schicksal, am Sonntag arbeiten zu müssen, teilten die Beschäftigten dann ausnahmsweise einmal mit Krankenschwestern, Feuerwehrleuten, Polizisten, Ärzten, Schauspielern und manch anderen Berufsgruppen. Ist das ein Unterschied?

Ja, es ist ein Unterschied. Das Grundrauschen eines Sonntages ist anders, wenn die Geschäfte geöffnet sind. Die Stunden von 13 bis 18 Uhr sind hektischer, lauter, kurzatmiger. Die Straßen sind voller, vor Parkhäusern bilden sich Schlangen. Der Sonntag ist kein Sonntag mehr.

Das zu verhindern, haben beispielsweise in Wuppertal alle selbst in der Hand. Wenn jene, die mittlerweisel beinahe alles online shoppen, von montags bis samstags ihren lokalen Einzelhandel wiederentdeckten, brauchte der an einigen Sonntagen im Jahr nicht um Zusatzumsätze zu werben. Möglich ist das. Denn in den Geschäften an Werth, Wall und Friedrich-Ebert-Straße, in Cronenberg, Ronsdorf und Vohwinkel gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Das dafür aber in der Regel von freundlichen Händlern, die wissen, was sie verkaufen, und ihre Kunden dementsprechend beraten können.

Gelänge dass, wäre Wuppertal wahrscheinlich die erste Großstadt zumindest in Deutschland, in der es an 52 Tagen im Jahr verlässlich gibt, wonach sich immer mehr Menschen im 24-Stunden-Betrieb des Alltags so sehr sehnen: Einfach mal ein kleines bisschen Ruhe.

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