Der Angeklagte soll 2009 im Dienst einen 66-Jährigen geschlagen und getreten haben. Wegen geringer Schuld und gegen Zahlung von 1500 Euro wurde das Verfahren beendet. Richtig klären ließ es sich nicht.

Barmen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst - so ist es im Leben und so funktioniert es zumeist auch im Straßenverkehr. Zumindest was die Parkplatzsuche betrifft. Wer dieser Lebensweisheit ein Schnippchen schlagen will, indem er einen freie Parklücke von einem Passanten freihalten lässt, der macht sich zwar nicht strafbar, begeht jedoch eine Ordnungswidrigkeit.

Aus einer solchen, eher unspektakulären Situation entstand im Februar vergangenen Jahres eine handfeste Auseinandersetzung mit einem Polizeibeamten. Und der fand sich heute auf der Anklagebank wieder. Der Vorwurf: Körperverletzung im Amt. Für einen Polizisten eine schwerwiegende Anklage, die auch Auswirkungen auf seine weitere Laufbahn haben kann.

Doch was sich an jenem Morgen im Februar 2009 auf der Rödiger Straße in Barmen zwischen dem 32 Jahre alten Polizisten und einem damals 66-jährigen Mann aus Hückeswagen abspielte, ließ sich vor dem Amtsgericht heute nicht klären. Fest steht nur, dass der 66-Jährige - er ist Elektriker im Ruhestand - in Höhe der Hausnummer119 einen Parkplatz für den erwarteten Lkw freihielt, damit dieser dort in Ruhe ausladen konnte. Als eine Autofahrerin in die Parklücke fahren wollte, hatte der 66-Jährige ihr wohl per Handzeichen zu verstehen gegeben, sie möge weiterfahren. Der Polizist sah dies und wollte den Mann auffordern, die Parklücke zu räumen.

In dieser Konstellation eskalierte die Lage zwischen dem eigenwilligen Rentner, der der Aufforderung nicht nachkommen wollte, und dem Polizisten, der zunehmend ruppiger auf den renitenten Mann reagierte. Der Polizist sprach vor Gericht - viele seiner Kollegen saßen unter den Zuschauern - von "minimalstem Körpereinsatz" und: er habe nur reagiert, nich agiert. Der 66-Jährige beteuerte hingegen, er habe sich zu keinem Zeitpunkt gewehrt. Dennoch soll der Polizist ihn permanent in die Nieren geboxt und ihn später gegen den Oberschenkel getreten haben. "Das Ganze hat weh getan", sagte er, verneinte zugleich aber Verletzungen oder blaue Flecken davon getragen zu haben. "Sein Verhalten war skandalös", schimpfte er in Richtung des Polizisten.

Die Richterin hatte zu diesem Zeitpunkt genug gehört. Sie regte ein Rechtsgespräch an, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Lösung zu finden. Das Ergebnis: Das Verfahren gegen den Polizisten wurde wegen geringer Schuld und gegen Zahlung einer Geldbuße von 1500 Euro (als "Denkzettel") eingestellt. Die Wahrheit, so die Richterin, liege wohl irgendwo zwischen den beiden Versionen. Die Verletzungen des 66-Jährigen seien zu gering, die Konsequenzen für den Polizisten zu erheblich. So endete die Auseinandersetzung, die vor einem Jahr an einem Parkplatz in Barmen begonnen hatte.

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