Heiko Schnickmann und Jörg Scheidt wollen Vereinsarbeit beleben. Bei 5000 Denkmälern in der Stadt wartet viel Arbeit.

Heiko Schnickmann und Jörg Scheidt wollen Vereinsarbeit beleben. Bei 5000 Denkmälern in der Stadt wartet viel Arbeit.
Jörg Scheidt und Heiko Schnickmann.

Jörg Scheidt und Heiko Schnickmann.

Andreas Fischer

Jörg Scheidt und Heiko Schnickmann.

Wuppertal. Über alte Häuser und Denkmäler ist oft zu lesen, dass sie im Dornröschenschlaf liegen. Das galt seit 2014 aber auch für die, die eigentlich ein Auge auf die Gebäude haben sollten. Der Regionalverband Wuppertal-Solingen-Remscheid des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz stand seit Jahren ohne Vorstand dar. Inoffiziell führte Hans-Joachim de Bruyn-Ouboter vom Bergischen Geschichtsverein (BGV) das Amt, war Ansprechpartner. Doch nach dem Tod des Wuppertaler Historikers im vergangenen Jahr lag der Regionalverband endgültig brach. Seit Kurzem gibt es mit Heiko Schnickmann (33) und Jörg Scheidt (40) aber einen neuen Vorstand.

Mit dem BGV, in dem Scheidt und Schnickmann ebenfalls aktiv sind, gibt es immer noch eine enge Verzahnung – aber auch Unterschiede. „Dem BGV geht es mehr um Personen, uns mehr um Bauten“, sagt Schnickmann, Privatlehrer für Deutsch als Fremdsprache und Historiker. Archäologe Scheidt sei dazu gekommen, weil, wie er selbst schmunzelnd sagt, „die jemanden suchten, der Ahnung von Bodendenkmälern hat“.

Betätigungsfelder gibt es allein in Wuppertal mehr als genug. 5000 Denkmäler gibt es zwischen Vohwinkel und Oberbarmen – nur Köln kommt auf mehr. Der Umgang der Stadt mit ihren Schätzen sei, so Schnickmann, vor allem in der Vergangenheit oft unglücklich gewesen. Umso wichtiger sei es, die Denkmäler zu bewahren. „In Elberfeld gab es zum Beispiel mal drei Goethe-Häuser“, erklärt der Vorsitzende. Also Häuser, in denen Goethe einst zu Gast war. Während andere Städte mit solchen Gebäuden prahlen, „sind sie hier im Zuge der Industrialisierung verschwunden“. Eine Tradition, die sich leider fortgesetzt habe, sagt er, und verweist auf den Wichlinghauser Markt, der viel von seinem historischen Charme eingebüßt habe.

Die Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde sei aktuell aber sehr gut, sagt Scheidt. „Es sind fruchtbare Kooperationen.“ Ein Argument, das die Denkmalschützer natürlich immer wieder hören würden, sei: „Wuppertal hat kein Geld.“ Aber, so betont Scheidt, es hätten zum Beispiel viele Leute für den Bau von Rundbögenfenstern am Bahnhofsgebäude Döppersberg gespendet. „Man sieht, es gibt Menschen, die sich engagieren.“ Die Hoffnung, dass sich die eckigen Fenster vielleicht doch noch verhindern lassen, haben Scheidt und Schnickmann deswegen noch nicht aufgegeben. Im Mai hatten sie sich in einem Brief an das NRW-Bauministerium gewandt. Schnickmann setzt ein bisschen auf die neue, aus seiner Sicht konservative Regierung. „Konservativ kommt ja vom lateinischen Wort conservare.“ Und das bedeute schließlich erhalten oder auch bewahren, sagt er schmunzelnd.

Erhalten wollen die beiden Vorsitzenden den Verein auch langfristig und werben deshalb um neue Mitglieder. Veranstaltungen mit Schulen sind zum Beispiel geplant. Arbeitstitel: „Was weißt du über dieses Haus.“ Außerdem wollen Scheidt und Co. eine Mittelalter-AG gründen.

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