IHK sieht Gründe in der Konjunktur und im Mangel an Facharbeitern.

Wuppertal. Seit sieben Jahren befindet sich die Wuppertaler Wirtschaft im Aufwärtstrend. Das ist außergewöhnlich, denn die Wirtschaftsexperten gehen in der Regel von Auf- und Abschwüngen in Fünf-Jahres-Zyklen aus. „Fakt ist, wir haben in der gesamten bergischen Wirtschaft eine stabile Situation, die ihresgleichen sucht“, sagte IHK-Präsident Thomas Meyer anlässlich der Konjunkturpressekonferenz der Bergischen Industrie- und Handelskammer.

Zweimal im Jahr befragt die IHK die Unternehmen zur Geschäftslage und den Erwartungen. An der aktuellen Herbst-Umfrage nahmen in Wuppertal 188 Firmen teil, im Bergischen Land insgesamt 357. Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ. Da die Umfrage aber seit vielen Jahren vorgenommen wird, ergibt sich daraus ein aussagekräftiges Stimmungsbarometer.

Auf einer Skala von plus 100 bis minus 100 schnitt Wuppertal mit einem Geschäftslageindex von plus 41 unter den bergischen Städten vor Remscheid und Solingen am besten ab. Im Frühjahr 2017 lag der Wert zwar noch bei plus 54, aber den Rückgang bewertet IHK-Präsident Meyer „als Klagen auf sehr hohem Niveau“. Im Bergischen Land hätten nur fünf Prozent der befragten Unternehmen die Lage als nicht zufriedenstellend beschrieben. Dass die amtierende Bundesregierung den Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt auf 2,0 und im nächsten Jahr auf 1,9 Prozent beziffert, beschreibt den festen Rahmen, in dem sich die exportorientierte bergische Wirtschaft bewegt.

Der allgemeine Optimismus schafft ein großes Maß an Planungssicherheit. „Die Unternehmen wollen weiter investieren und ausbilden“, sagte Meyer. In den vergangenen Jahren hatte er immer wieder die Zurückhaltung der mittelständischen Unternehmen bei den Investitionen kritisiert. Für den Strategiewechsel gibt es Gründe: Zum einen ist der Innovationsdruck gestiegen, auf den gerade mittelständische Unternehmen mit der Anschaffung innovativer Technik reagieren müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ein anderer Grund ist der wachsende Facharbeitermangel, dem unter anderem durch Rationalisierung begegnet wird. „Fehlende Fachkräfte wirken sich bereits jetzt als Wachstumsbremse aus“, sagt IHK-Geschäftsführer Uwe Mensch.

Der Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften steht in Wuppertal eine Arbeitslosenquote von 9,1 Prozent gegenüber – deutlich über dem Bunes- und Landesschnitt. Vom Aufschwung in der Industrie und in vielen anderen Branchen profitieren vor allem Menschen nicht, denen der Schulabschluss oder die qualifizierte Berufsausbildung fehlen. Thomas Meyer fordert als Gegenmaßnahme Investitionen in Bildung und speziell in die duale Ausbildung. Dabei sieht er nicht allein den Staat in der Pflicht. „Unternehmen, die nicht ausbilden, schaden der Gesellschaft“, sagt Meyer.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer