Am Freitag häuften sich die Fehlalarme an der Bockmühle. Die Polizei ermittelt wegen Missbrauchs von Notrufanlagen.

Mehrfach kündigte das Land die Belegung mit Flüchtlinge an, doch der Einzug wurde stets abgesagt – jetzt vielleicht auf Dauer.
Das Art Hotel an der Bockmühle. Archiv

Das Art Hotel an der Bockmühle. Archiv

Andreas Fischer

Das Art Hotel an der Bockmühle. Archiv

Wuppertal. Ganze sechs Mal musste die Berufsfeuerwehr Wuppertal und Solingen am Freitag zur Straße Bockmühle in Barmen mit sechs Einsatzwagen ausrücken – und jedes Mal stellte sich heraus, dass es nichts zu retten gab. Stets waren die Alarmknöpfe in der Flüchtlingsunterkunft des Landes in dem ehemaligen Art Fabrik Hotel gedrückt worden – nach jetzigem Erkenntnisstand mutwillig. Die Polizei ermittelt wegen Missbrauchs von Notrufanlagen.

Die Feuerwehr schließt einen technischen Defekt aus: Menschen sollen die Scheiben vor den Alarmknöpfen eingeschlagen und den Alarm dann ausgelöst haben, so Michael Schwarz, Einsatzleiter und Sprecher der Berufsfeuerwehr. Die Rauchmelder, die auch einen Alarm auslösen könnten, seien nicht aktiv gewesen.

„Das Ärgerliche für die Feuerwehr ist weniger der Fehlalarm an sich, bei dem jedes Mal mit gleicher Ernsthaftigkeit die Situation untersucht werden muss. Vielmehr ist es problematisch, dass in der Zeit ein kompletter Löschzug plus Ergänzung eingespannt ist. Für wirkliche Notfälle steht der dann nicht zur Verfügung“, erläutert Schwarz. Ein Löschzug besteht aus drei Fahrzeugen mit insgesamt zehn Personen an Bord. Und in Wuppertal gibt es im Bereich Brandschutz nur einen weiteren Löschzug, abgesehen von dem Personal und den Fahrzeugen der Freiwilligen Feuerwehren. Pro Einsatz sei der Löschzug, der mit Ergänzung auf insgesamt sechs Fahrzeuge kam, 20 bis 30 Minuten unterwegs gewesen. Das koste jedes Mal 800 bis 1000 Euro, so Schwarz.

Im Februar musste die Feuerwehr 17 Mal grundlos anrücken

Der dritte Fehlalarm gegen 12.50 Uhr sei ausgelöst worden, als die Feuerwehr noch wegen des vorigen Einsatzes vor der Tür stand. Die Polizei geht davon aus, dass der Alarm auch dabei mutwillig ausgelöst wurde. Sie erhofft sich in dieser Woche Erkenntnisse durch Zeugenbefragungen und die Ergebnisse der Spurensicherung. „Wir untersuchen die Glasscherben vor den Knöpfen auf Fingerabdrücke“, erklärt Dienstgruppenleiter Olaf Schwarzbach von der Polizei. Konkrete Tatverdächtige soll es am Sonntagabend aber noch nicht gegeben haben. Trotzdem lägen derzeit bereits 13 Strafanzeigen vor. Mit bis zu zwei Jahren auf Bewährung oder einer Geldstrafe kann der Missbrauch von Notrufanlagen bestraft werden. Der Sicherheitsdienst vor Ort hat laut Feuerwehr keine Möglichkeit, einen ausgelösten Alarm abzubrechen.

Zwischen dem 31. Januar und dem 17. Februar musste die Feuerwehr 17 Mal zu der zentralen Unterbringungseinrichtung der Bezirksregierung Arnsberg an der Bockmühle ausrücken. Jedes Mal war der Alarmknopf grundlos gedrückt worden.

Laut Gebührensatzung der Stadt hat die Feuerwehr Anspruch auf Kostenersatz. „Wir treten mit den Forderungen an den Betreiber der Einrichtung, das Land, heran“, erklärt Michael Schwarz. „Der wiederum könnte an die Verursacher in der Unterkunft herantreten, wenn sie überführt werden. Wahrscheinlich ist aber, dass die Kosten beim Land, also beim Steuerzahler hängen bleiben.“

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