Die Spitze der Bergischen Uni geht mit einem Fünf-Punkte-Papier auf die streikenden Studenten zu. Die zeigen sich positiv überrascht, setzen ihren Ausstand aber fort.

Wuppertal. Während in Düsseldorf besetzte Uni-Hörsäle von der Polizei geräumt werden, trifft sich in Wuppertal die Uni-Spitze mit der Kernmannschaft der streikenden Studenten, die seit Wochen den Hörsaal 21 der Bergischen Universität besetzt halten.

Am Mittwochabend stellten Rektor Lambert T. Koch und Prorektor Andreas Frommer Studenten ein Fünf-Punkte-Memorandum vor, in dem unter anderem die "Notwendigkeit zur weiteren Verbesserung der Studiengänge" eingeräumt wird. Bundesweit protestieren zurzeit Studenten gegen die Studienbedingungen an den Hochschulen und besetzen Hörsäle (die WZ berichtete). Der Vorstoß der Wuppertaler Uni-Leitung ist bei den Streikenden offenbar weitgehend gut angekommen. "Wir haben uns sehr gefreut, dass der Rektor den Dialog sucht", sagte Student Martin Bolten auf WZ-Nachfrage. "Wir sind nicht unzufrieden, es müssen aber noch weitere Gespräche folgen." Ziel der streikenden Studenten ist eine Vollversammlung, in der der Forderungskatalog mit der Uni-Leitung diskutiert werden soll.

Deutlich kritischer äußert sich der Vorsitzende des Studierendenparlaments, Sebastian Möller, in einer Erklärung. Ihn stört vor allem, dass die Studenten grundsätzlich bei wichtigen Entscheidungen an der Hochschule nicht angemessen beteiligt würden. Der Auftritt Kochs bei den Streikenden sei schlecht kommuniziert gewesen und könne höchstens ein Anfang sein.

Aber es wird mit den Streikenden kommuniziert, das ist keineswegs selbstverständlich an den Hochschulen. In Wuppertal laufe der Protest in einer "eher freundlichen Stimmung" ab, wie Bolten beobachtet.

Uni will überarbeitete Studiengänge nicht mehr überfrachten

Inhaltlich verweist das Fünf-Punkte Memorandum der Hochschulleitung auf die zum Teil bereits laufende Überarbeitung von Studiengängen. Dabei werde darauf geachtet, "stoffliche Überfrachtung zu vermeiden, die Prüfungsfrequenz zu reduzieren, auf Anwesenheitspflichten, wo didaktisch nicht erforderlich, zu verzichten, nationale und internationale Mobilität zu unterstützen sowie das Wahlpflichtangebot zu bereichern".

Als Beiträge zur Verbesserung der Studienbedingungen sieht das Rektorat darüber hinaus das in diesem Jahr eingerichtete Netzwerk "Qualität in Studium und Lehre" sowie die Schaffung eines neuen Hörsaalzentrums.

Die Bachelor- und Masterstudienordnung, die als Kern des sogenannten Bologna-Prozesses ein Hauptkritikpunkt der Studenten, ist, wurde an der Wuppertaler Hochschule deutlich früher quer durch alle Fachbereiche durchgesetzt als an anderen Universitäten. Das bedeutet aber auch, dass die früh umgestellten Fächer nun neu akkreditiert werden müssen, was eine inhaltliche Überarbeitung erst möglich macht.

Anfang der Woche hatte der Philosophische Fakultätentag in einer Wuppertaler Erklärung "Bedenken gegen Bologna" angemeldet. Unangemessene Verschulung und thematische Einengungen drohten den wissenschaftlichen Nachwuchs zu strangulieren, heißt es. Zudem haben 14 Rektoren von NRW-Hochschulen in einem Memorandum angekündigt, Fehlentwicklungen beim Bologna-Prozess zu analysieren und abzustellen.

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