Während in Wuppertal Wissenschaftler auf einer Tagung über Fußgängerwege der Zukunft diskutieren, öffnet Remscheid seine Fußgängerzone teilweise für Autos.

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Wuppertal. "Städte, die Gedanken und Geld in den Fußgängerverkehr investieren, sind einfach attraktiver", erklärte Professor Carmen Hass-Klau vom Fachzentrum Verkehr der Bergischen Universität zur Eröffnung der 6. Internationalen Verkehrstage. Mehr als 100 Verkehrsexperten, Stadt- und Verkehrsplaner aus ganz Europa beschäftigten sich zwei Tage auf dem Campus Haspel mit dem Thema "Zu Fuß in die Stadt der Zukunft".

Dass die Fußgänger sich die Städte zurückerobern werden, daran ließen die Experten kaum Zweifel aufkommen. Hinweise darauf gibt es viele: "Die Tendenz zur Urbanität macht das zu Fuß gehen attraktiver", meint Hass-Klau. Und Michael Adler von der "fairkehr" GmbH in Bonn ergänzt: "Eine Stadt wird sozialer, wenn sich mehr Fußgänger in ihr bewegen."

Dazu kommt der ökologische Aspekt, also die Reduzierung von Schadstoffen, worauf besonders Professor Oscar Reutter vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie abstellte.

Nicht zuletzt kommt es nach Auffassung Reutters und Adlers billiger, wenn Städte in Finanznot auf Fußgänger setzen. "Am teuersten kommt immer die Förderung des Autoverkehrs", stellt Adler fest.

In Wuppertal versuchten die Fachleute, die Entscheider in den Rathäusern zu überzeugen, die die Erkenntnisse in die Politik tragen, denn, da ist sich Hass-Klau sicher: "Die Gesellschaft ist längst weiter als die Politik. Junge Menschen haben ein ganz anderes Umweltbewusstsein. Sie sind nicht mehr auf das Auto fixiert."

"Die Gesellschaft ist längst weiter als die Politik."

Carmen Hass-Klau

In anderen europäischen Ländern habe man das bereits erkannt und schaffe immer mehr Platz für Fußgänger, integriere Fußgängerraum in Straßenraum.

Genau das, was nach Auffassung der Wuppertaler Professorin in Wuppertal stiefmütterlich betrieben werde. Positiv wird aber das Bemühen um den Ausbau der Nordbahntrasse zum Rad- und Wanderweg vermerkt, vor allem, weil es durch bürgerschaftliches Engagement vorangetrieben werde. Fassungslos reagierte Hass-Klau auf eine Nachricht aus Remscheid. Die Nachbarstadt öffnet einige hundert Meter der altehrwürdigen Fußgängerzone Alleestraße wieder für den Autoverkehr - mit Parkplätzen und allem, was dazu gehört. Der auf drei Monate angelegte Modellversuch soll wieder Leben in die Einzelhandelslandschaft bringen.

Für die Wuppertaler Verkehrsexpertin ist das genau der falsche Weg. "Fußgängerzonen sind nicht die Ursache wirtschaftlicher Probleme in den Städten. Der Einzelhandel wird nicht davon profitieren, wenn die Fußgänger den Autos weichen - ganz im Gegenteil."

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