Kann ein Friedhof unterhaltsam sein? Er kann, wie ein besonderer Tag an der Ehrenhainstraße eindrucksvoll zeigte.

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Nur eine von vielen Mitmach-Aktionen: Beim Steinmetz konnten Kinder selbst eine Inschrift oder ein Zeichen in einen Sandsteinblock meißeln.

Nur eine von vielen Mitmach-Aktionen: Beim Steinmetz konnten Kinder selbst eine Inschrift oder ein Zeichen in einen Sandsteinblock meißeln.

Gerhard Bartsch

Nur eine von vielen Mitmach-Aktionen: Beim Steinmetz konnten Kinder selbst eine Inschrift oder ein Zeichen in einen Sandsteinblock meißeln.

Wuppertal. Dass der Tod zum Leben dazu gehört, weiß theoretisch jeder. Praktisch allerdings werden Gedanken daran bevorzugt verdrängt. "Um die Scheu vor dem Thema zu verlieren", wie Pfarrerin Britta Scholz erklärte, initiierte die evangelische Kirchengemeinde Vohwinkel gestern den "Tag des Friedhofs Ehrenhainstraße".

Die Resonanz war gut, das Programm mit Friedhofsführungen zu den Grabstätten berühmter Vohwinkeler, Kinder- und Jugendgottesdiensten, Info-Ständen zum christlichen Hospizdienst, Urnen- und Sargausstellungen ebenso wie unterhaltenden Mitmach-Aktionen überaus abwechslungsreich.

Dem Himmel sehr nahe kamen Emilia (6) und Philippa (9) mit ihrer Mutter Claudia Schweder im Hubsteiger. "Supercool" fanden sie den Überblick über ihren Stadtteil, während ihre große Schwester Antonia (12) über Höhenangst klagte. Zur gleichen Zeit bildeten sich bei Steinmetz Günter Lehmann Schlangen.

Mit Schutzbrille ausgestattet, meißelten Elena (4) und Arian(6) mit Schrifthammer und größerem Eisen auf dem weichen Sandstein. Genauso spielerisch wie die Arbeit am Grabstein war für andere Kinder der Umgang mit einem Sarg.

Sterne, Herzen und ein Regenbogen in bunten Farben zierten das Exemplar aus Kiefernholz, was auch für Bestatterin Gabriele Krizanic ein ungewohnter Anblick war. "So gestalten nur kreativ Trauernde."

Wie tief ist eigentlich ein Grab?

"Es gibt in Wuppertal 51 Friedhöfe. 50 davon sind in konfessioneller Hand”, sagt die Evangelische Pfarrerin Sylvia Wiederspahn. Der Evangelische Friedhof Ehrenhainstraße ist der drittgrößte der Stadt.

Überaus praktisch widmete sich auch Pfarrerin Scholz dem Thema. Zusammen mit 24 Konfirmanden spazierte sie durch den milden Sonnenschein über das Areal, das man auch als perfekt gepflegte Parkanlage wahrnehmen kann.

Wie tief ein Grab (zwischen 160 und 180 Zentimetern) im Vergleich zum Urnengrab (hat 80 Zentimeter Tiefe) ist, wurde auf dem Rundgang ebenso geklärt wie die Frage, wer eigentlich die Beerdigungskosten übernimmt, wenn man keine Verwandtschaft hat oder arm ist (Sozialamt).

"Ich möchte in einem Sarg beerdigt werden. Das ist schöner", stellte Leonie (12) für sich fest, auch ihre Freundin Nora (12) "möchte nicht verbrannt werden", obwohl Anne (13) noch das Thema Seebestattung als Alternative aufbrachte, für das, wie Björn Weidemann (29) wusste, der Tote zunächst verbrannt wird.

Nein, mit Tod habe er bislang keine Berührungspunkte gehabt, sagte Oliver (13) und die eben noch munter fragenden und diskutierenden Teenager wurden dann angesichts der Kindergräber plötzlich sehr still und nachdenklich. "Es ist eben wichtig, sich rechtzeitig mit dem Thema auseinander zu setzen", kommentierte Britta Scholz.

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