Wuppertal. Seit dem 28. November muss sich die bekannte Verteidigerin Andrea Groß-Bölting vor dem Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: falsche Verdächtigung und üble Nachrede gegen eine Berufsrichterin. Die Anwältin hat deshalb einen Strafbefehl über 16 000  Euro bekommen. Dagegen hat sie Widerspruch eingelegt - deshalb wird jetzt prozessiert. Die Anklage fußt auf einem Gnadengesuch, das die Verteidigerin 2006 ans NRW-Justizministerium geschickt hat. Laut Anklage hat die Anwältin darin behauptet, die Richterin Andrea Vosteen habe nach der Urteilsverkündung in öffentlicher Sitzung gesagt, die ihr beisitzende Richterin habe für einen Freispruch gekämpft. Mit dieser Behauptung hat die Anwältin die Richterin des Bruchs des Beratungsgeheimnisses bezichtigt und wollte ein Dienstaufsichtsverfahren herbeiführen, heißt es in der Anklage.

Am ersten Verhandlungstag steht Aussage gegen Aussage

Dem widersprach die angeklagte Anwältin gestern. Es sei ihr nicht darum gegangen, die Richterin anzuschwärzen. Sie habe nur etwas für ihren Mandanten - der Sozialpädagoge war 2005 wegen sexuellen Missbrauchs zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden - erreichen wollen. So trat Richterin Vosteen in den Zeugenstand. Ob sie über die damalige Urteilsberatung in der Öffentlichkeit gesprochen habe? "Der Sachverhalt hat so nicht stattgefunden", kam als Antwort. Die Formulierungen aus jenem Gnadenbrief seien "unverschämt", sie habe deshalb Anzeige erstattet, so Vosteen. Der damalige Staatsanwalt - laut Groß-Bölting soll er mit der Richterin über die geheimen Urteilsberatungen gesprochen haben - war sich gestern ebenfalls sicher, dass nicht über Beratungen gesprochen wurde: "Sonst wäre bei mir die rote Lampe angegangen." Hintergrund: Das Beratungsgeheimnis gilt unter Juristen als heilig, kann bei Missachtung zudem dienstrechtliche Konsequenzen haben. Bei Rechtskraft des Strafbefehls wäre die Verteidigerin vorbestraft. Der Prozess wird fortgesetzt. spa

 

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