Integration: Auf der Suche nach Perspektiven in der neuen Heimat.

Udac Gela, Aydin Sadi und Enver Demiral (vorne von li.) treffen sich fast täglich im türkischen Café Istanbul an der Gathe in Elberfeld.
Udac Gela, Aydin Sadi und Enver Demiral (vorne von li.) treffen sich fast täglich im türkischen Café Istanbul an der Gathe in Elberfeld.

Udac Gela, Aydin Sadi und Enver Demiral (vorne von li.) treffen sich fast täglich im türkischen Café Istanbul an der Gathe in Elberfeld.

Andreas Fischer

Udac Gela, Aydin Sadi und Enver Demiral (vorne von li.) treffen sich fast täglich im türkischen Café Istanbul an der Gathe in Elberfeld.

Wuppertal. Eigentlich wohnt Aydin Sadi in Barmen. Aber beinahe jeden zweiten Tag kommt er ins Café Istanbul an der Gathe, um gemeinsam mit seinen Landsmännern Tee zu trinken oder Karten zu spielen. "In Barmen ist nichts los, türkische Kaffees gibt es eher in der Nordstadt, an der Friedrich-Ebert-Straße oder eben an der Gathe." Ob die Integration gescheitert sei, will Sadi nicht behaupten. Integration habe immer zwei Seiten. Immer wieder nennen die Männer die deutsche Sprache als Grundbarriere für erfolgreiche Integration. Das sehen sie wie alle Politiker, die die Sprachtests und Deutschkurse verordnen. Im Café selbst spricht kaum jemand fließend Deutsch. "Wenn du hier leben willst, solltest du Deutsch lernen", weiß Sadi und klopft seinem Freund auf die Schulter. "Ich habe durch meine erste Frau die Sprache gelernt, sie ist Deutsche."

"In der Türkei kenne ich niemanden mehr."

Aydin Sadi

Die deutsche Staatsbürgerschaft will Sadi nicht. "Warum?" Wenn ich Deutscher würde, hätte ich immer noch ein türkisches Herz. Trotzdem will er nicht mehr zurück in die Türkei. "Ich lebe seit 30 Jahren in Deutschland. In der Türkei kenne ich niemanden mehr".

Hauptthema der Männer ist aber immer wieder die verschärfte Arbeitssituation für Türken in Wuppertal. Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne, die Café-Besucher finden, dass Türken ganz besonders davon betroffen sind. Aydin Sadi: "Wenn du den ganzen Monat durcharbeitest und dann gerade mal Strom und Miete bezahlen kannst, wovon sollst du dann leben?" Es sei frustrierend, besonders für junge Türken.

Die sitzen ein paar Straßen weiter zusammen, im Vereinshaus des Fußballvereins Fenerbahce. Mehmet Canan ist 19 Jahre alt und bestätigt, was Sadi sagt. Er warte schon lange auf eine Ausbildungsstelle. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt für junge Türken sei schlecht. Auf seine Bewerbungen habe er noch nicht mal eine Antwort bekommen - trotz Hauptschulabschluss. Jetzt will er einfach so arbeiten gehen, was genau, das wisse er noch nicht.

Und da ist dann noch Celic Atacun. Vor der Tür, mitten auf der auf der Straße, schiebt er seinen mit Fladenbroten beladenen Rollwagen. Er kommt gerade aus der Bäckerei und bringt die Ware zum türkischen Supermarkt an der Gathe. Das mache er jeden Tag, sagt er. "Türken in Wuppertal arbeiten immer, den ganzen Tag lang", sagt er und ist verschwunden.

In Wuppertal leben Menschen aus 163 Nationen. Einen türkischen Pass haben 13 053 Frauen und Männer, türkische Wurzeln rund 25 000. Für Arif Izgi, Vorsitzender des Migrationsausschusses, zeigt das: "Die deutsche Staatsbürgerschaft wird Türken verweigert, die seit Jahrzehnten hier leben." In Deutschland geborene Türken müssen sich an ihrem 18. Geburtstag entscheiden, ob sie die türkische oder die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen.

Die meisten Türken leben in Wuppertal entlang der Talachse. Genau dort finden sich auch die Gebiete , in denen die meisten Grundschüler auf eine Hauptschule wechseln. "Türkischstämmige Schüler stellen eine unserer großen Säulen dar", sagt Dirk Rasel, Sprecher der Wuppertaler Hauptschulen. Bei Begabung und Leistungsbereitschaft fallen Türken im Vergleich zu anderen Migrantenkindern nicht negativ auf. "Viele Schüler mit Migrationshintergrund würden das Gymnasium schaffen. Aber sie haben nun mal das Sprachproblem, weil in den Familien die Heimatsprache beigebracht wird. Für die Stadt ist die Sprachförderung wichtigstes Instrument der Integration. Sie wird weit über das gesetzliche Maß hinaus schon im Vorschulalter angeboten. Türkische Vereine sorgen sich um besseres Deutsch unter ihren Mitgliedern, bieten Deutschkurse für Frauen an und kümmern sich um Eltern schulpflichtiger Kinder.

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