Viele Stürze auf eisglatten Wegen. Stadtwerke bereiten sich auf Hochwasser vor.

WSW
Die WSW-Mitarbeiter Ali Benzouaoui, Ibrahim Hammoudr (hinten, v.l.) und Dieter Thuro enteisen einen Gully an der Oberen Lichtenplatzer Straße. Mit einer Karte werden die sogenannten Sinkkästen zunächst ausfindig gemacht, dann freigelegt und bei Bedarf ausgesaugt.

Die WSW-Mitarbeiter Ali Benzouaoui, Ibrahim Hammoudr (hinten, v.l.) und Dieter Thuro enteisen einen Gully an der Oberen Lichtenplatzer Straße. Mit einer Karte werden die sogenannten Sinkkästen zunächst ausfindig gemacht, dann freigelegt und bei Bedarf ausgesaugt.

Uwe Schinkel

Die WSW-Mitarbeiter Ali Benzouaoui, Ibrahim Hammoudr (hinten, v.l.) und Dieter Thuro enteisen einen Gully an der Oberen Lichtenplatzer Straße. Mit einer Karte werden die sogenannten Sinkkästen zunächst ausfindig gemacht, dann freigelegt und bei Bedarf ausgesaugt.

Wuppertal. Es taut, und das wird die meisten Wuppertaler freuen. Doch damit einher gehen weitere Probleme. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Hochwasser, und in den Krankenhäusern im Tal kommen derzeit deutlich mehr Patienten als sonst in die Ambulanz – der Grund ist Glatteis. Durch den nächtlichen Regen wurden ungeräumte Straßen und Wege zu spiegelglatten Rutsch-Pisten.

Viele Patienten brechen sich Arm oder Handgelenk

„In den Morgenstunden war das schon übel“, beschrieb Tobias Pott, Sprecher des Helios Krankenhauses, die Lage am Donnerstag. Bis zum Mittag wurden zwölf Patienten eingeliefert, von denen vier operiert werden mussten. Brüche an Handgelenk, Ellenbogen und Schulter sowie Rückenverletzungen, Platzwunden oder bei älteren Menschen auch Oberschenkel- und Hüftbrüche seien typisch für Glatteis-Unfälle, sagte Martin Mackenberg-Hübner, Sprecher des Klinikverbundes St. Antonius und St. Josef.

Im Petrus-Krankenhaus seien bis Donnerstagmittag sogar 30 Patienten nach Glätte-Unfällen eingeliefert worden so Mackenberg-Hübner. „Gewohnte Wege können zur Falle werden.“ Dadurch werde die Kapazität des Krankenhauses voll beansprucht. „Wir haben mehr als doppelt so viele Patienten wie sonst.“

70 Stadtwerke-Mitarbeiter befreien Gullys vom Eis

Auch den Stadtwerken machte das nasse Wetter viel Arbeit: 36 000 Gullys gibt es in Wuppertal, von denen viele durch Schnee und Eis verstopft sind. 70 WSW-Mitarbeiter waren laut Stadtwerke-Sprecher Rainer Friedrich im Stadtgebiet unterwegs, um besonders kritische Schächte in Tal-Lagen zu befreien – damit sich das Schmelzwasser nicht auf den Straßen staut. Per Hacke und Schaufel wurden die Gullys freigelegt, um dann ausgesaugt und mit Hochdruck gespült zu werden. „Das ist nötig, wenn Eis in den Schacht gefallen ist und diesen tief unten verstopft“, sagte Jörg Lunkewitz von den WSW.

Insgesamt blieb das große Hochwasser am Donnerstag noch aus. Die Feuerwehr rechnet laut Michael Pölcher von der Leitstelle ohnehin eher mit Problemen an kleinen Bächen und nicht an der Wupper: „Die verträgt ’ne Menge.“ Doch sie wird in den kommenden Tagen noch einiges zu schlucken haben, prophezeit Franz Josef Molé vom Deutschen Wetterdienst: „Das Tauwetter wird weitergehen.“ Am Samstag soll es bereits zehn Grad warm sein und immer wieder regnen.

Der Wupperverband geht davon aus, dass das anhaltende Tauwetter auch die Pegelstände der Wupper, der Talsperren und vieler Bäche ansteigen lässt. Gestern wurde am Referenzpegel Kluse ein Wasserdurchfluss von sieben Kubikmetern pro Sekunde gemessen, was einer Höhe von 27 Zentimetern entspricht. Als kritisch gelten 50 und mehr Kubikmeter. Dann sind Einsatzkräfte und Behörden zu warnen.

Zentrale Aufgabe der Wuppertalsperre ist der Hochwasserschutz: Sie ist laut Wupperverband derzeit mit gut 13,4 Millionen Kubikmetern Wasser gefüllt und hat eine Kapazität von 25,6 Millionen Kubikmetern. Derzeit beobachte man keinen extremen Zustrom von Tauwasser, erklärt Susanne Fischer vom Wupperverband auf WZ-Nachfrage. Das Talsperrensystem hält auch den Wupperpegel konstant.

Auch das Trennsystem für Regenwasser auf der Talachse bekommt viel zu tun: Es wurde 2010 nach 20 Jahren Bauzeit zwischen Barmen und Sonnborn fertiggestellt und leitet Regenwasser je nach Verschmutzung der Wupper oder dem Klärwerk zu. Kosten: gut 170 Millionen Euro.

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