Die Helfer für Kinder von Tschernobyl sind zurück.

Wuppertal. Vier Tage lang wurden insgesamt 45 Tonnen Hilfsgüter auf fünf Lastwagen verladen, bevor es von Wuppertal aus nach Weißrussland ging: Auch in diesem Jahr hat die Hilfe für Kinder von Tschernobyl per Lkw-Konvoi diverse Spenden in Regionen gebracht, die unter den Folgen der Reaktorkatastrophe leiden.

11 Helfer waren zehn Tage lang unterwegs, um neben vielen anderen Gütern auch 1500 Wuppertaler Spendenpakete auszuliefern. "Dass gerade auch in Zeiten einer weltweiten Krise weiterhin Hilfe aus Deutschland kommt", sorge in den Zielgebieten für ein riesiges Maß an Dankbarkeit, berichtet Angela Dicke. Die Krise selbst komme bei den Menschen in Weißrussland "ungebremst" an. "Und auch nach 15Jahren Hilfe erlebt man immer wieder Geschichten, die man nicht so schnell vergessen kann."

Beim Zahnarzt gibt es keine Narkose - Kinder haben große Angst

Ein Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe: So wurden in diesem Jahr - wegen des großen Erfolges - zwei weitere Nähschulen eingerichtet und mit Material versehen, in denen junge Frauen an modernen Maschinen ausgebildet werden. Kinderkleidung und Bettwäsche werden ebenso gefertigt wie Arbeitskleidung. Selbst aus Kommunen kommen mittlerweile Aufträge. Auch eine Tischlerwerkstatt wird versorgt - unter anderem durch Spenden Cronenberger Werkzeugfirmen.

Neben der Ausstattung von Schulen, Kindergärten und Waisenhäusern geht es den Helfern aus Wuppertal auch um die ärztliche Versorgung. Jedes weißrussische Kind hat panische Angst vor einem Zahnarztbesuch. Warum? Es gibt keine Narkosemittel, so dass oft ohne Betäubung und unter großen Schmerzen behandelt wird. Dicke: "Die Kinder, die aus Weißrussland zu uns zu Besuch kommen und zum Zahnarzt müssen, wissen gar nicht, was eine Narkose ist." Solche Mittel ins Land einzuführen, ist Hilfsorganisationen allerdings untersagt, weil sie unter das weißrussische Drogengesetz fallen. Anfang Juni werden wieder 21 Gastkinder aus Weißrussland in Wuppertal erwartet.

Neben einer Zahnarzt- unterstützt die Tschernobylhilfe auch eine Frauenarzt-Praxis. "Unsere Hilfe ist weit mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein", fügt Dicke hinzu. Nur durch konsequente Hilfe könne man auf Dauer etwas an den Zuständen in Weißrussland ändern: Kinder, die am Besuchsprogramm teilnehmen, gehören oft zu den Klassenbesten - und sehen ihre Welt mit anderen Augen.

Der Transport 2009 lief jedenfalls weitgehend reibungslos - abgesehen von einem defekten Lkw, der mühsam mit der Muskelkraft von 20 Männern per Rampe in einen 40-Tonner verfrachtet werden musste, um ihn wieder heil nach Hause zu bringen. Im Sommer ist ein weiterer Besuch in Weißrussland geplant, bei dem auch überprüft wird, ob und wie die Hilfsgüter verwendet werden.

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