Ermittlungen: Die Rechtsmedizin soll klären, ob der Säugling auf dem Bild tot oder lebendig ist. Dann wird über einen neuen Haftbefehl entschieden.

Wuppertal. Der Fall des toten Babys vom Ascheweg schien so gut wie erledigt zu sein. Doch Mittwochvormittag nahmen die Ermittlungen gegen die 18 Jahre alte Mutter - eine Austauschschülerin aus dem US-Bundesstaat New Mexico - wieder Fahrt auf. Der Grund: Die Kripo hat auf der Digitalkamera der jungen Frau Fotos gefunden, die sie mit ihrem Kind auf dem Arm zeigen sollen. Laut Kripo sind die Bilder in dem Zimmer gemacht worden, in dem die junge US-Amerikanerin seit September 2009 im Haus ihrer Gastfamilie in Ronsdorf wohnte.

Und: Auf den Fotos ist der Säugling in dieselbe pinkfarbene Decke gehüllt, in der der Leichnam des Mädchens am Ascheweg eingewickelt war. Doch die entscheidende Frage blieb unbeantwortet: Ist der Säugling auf den Fotos tot oder lebendig? Hintergrund: Wie berichtet, war bislang nicht nachweisbar, ob die 18-Jährige ein totes Kind zur Welt brachte. Auch die Obduktion brachte keine Klarheit.

Gegenüber der Kripo soll die US-Amerikanerin gesagt haben, sie habe eine Totgeburt erlitten. Und auch der Haftrichter - ihm lagen die Fotos von Mutter und Kind nicht vor - sah in der vergangenen Woche keinen dringenden Tatverdacht auf Totschlag durch Unterlassen. Entsprechend lehnte er einen Haftbefehl gegen die 18-Jährige ab. Die Frau ist seither auf freiem Fuß, hat Wuppertal längst verlassen. Nach dem letzten Stand soll sie sich in der Obhut einer Schüleraustauschorganisation in Hessen befinden.

Seitens der Staatsanwaltschaft hieß es am Mittwoch, der Aufenthaltsort der jungen Frau sei bekannt. Ob es einen neuen Haftbefehl geben wird, müssten die Ermittlungen zeigen. Fakt ist: Zur Klärung der Frage, ob das Kind auf den Fotos der Mutter doch noch lebte, wurden die Bilder der Rechtsmedizin in Düsseldorf übermittelt. Die Ergebnisse blieben aus ermittlungstaktischen Gründen bislang unter Verschluss.

"Der Aufenthaltsort der Frau ist uns bekannt."

Heribert Kaune-Gebhardt, Staatsanwalt

Es bleiben weitere offene Fragen: Die drängendste ist, wer und wann die Bilder von Mutter und Kind gemacht hat. Wenn die Fotos nicht per Selbstauslöser gemacht wurden, würde es doch einen Zeugen der Geburt geben, die laut Kripo Ende November stattgefunden hat. Und natürlich könnte der- oder diejenige sagen, ob das Kind gelebt hat oder nicht.

Am Mittwoch vernahm die Kripo mehrere Wuppertaler Schülerinnen und Schüler. Der Grund: Die Mutter des toten Babys vom Ascheweg soll im Internet Chat-Kontakte zu diesen Jugendlichen gepflegt haben.

In einem Punkt legen sich die Ermittler fest: Die Gastfamilie der Austauschschülerin hatte weder von der Schwangerschaft der jungen Frau - laut Kripo war sie bereits schwanger, als sie im September 2009 nach Ronsdorf kam - noch von den Fotos eine Ahnung.

Die Ermittlungen dauern an. Die Mordkommission nimmt Hinweise unter der Rufnummer 2840 entgegen.

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